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Irland

Irland erzählt eine Geschichte von politischen Konflikten, Wirtschaftskrisen und gesellschaftlicher Spaltung. Im September 2016 reisten drei Redakteur_innen auf die irische Insel, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Eine Erzählung in Bildern.

Fotoausstellung im Collegium Hungaricum

Im Collegium Hungaricum Berlin, dem ungarischen Kulturinstitut kann man derzeit eine Fotoausstellung des ungarischen Fotografen György Stalter besuchen. Dieser stellt hier zwei seiner Arbeiten einander gegenüber – Fotoportraits des Berliner Stadtteils Neukölln denen des 8. Bezirks „Nyolcker“ in Budapest. Die Vernissage fand am 9. Dezember 2011 statt, im Anschluss diskutierten Vertreter aus Politik und Wissenschaft über das Thema Integration als europäisches Problem. Marett Klahn ist Projektkoordinatorin der Ausstellung und hat selbst ungarische Wurzeln. Die 23-Jährige studiert an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) Asien- und Afrikawissenschaften und arbeitet seit drei Jahren für das Collegium Hungaricum.

Danksagung an die Unterstützer des Ungarn-Projektes

Nun ist sie da: Unsere Nr. 204 mit dem Ungarn Spezial. Wir besuchten im Oktober Budapest, Pécs und Szeged. Vor Ort berichteten wir über das neue Mediengesetz, was es für Ungarn bedeutet und wie die Menschen damit umgehen. Wir danken ganz herzlich unseren Unterstützern, die dieses Projekt ermöglichten:

Weiter geht es

Nach der Großdemonstration vom Nachmittag war für die unauf-Redaktion der Tag noch lange nicht zu Ende. Zurück im Hostel wurden wir vom Balkon aus überraschend Zeugen eines großen Fackelzuges von schwarz uniformierten Rechtsradikalen. Wohlgeleitet von Polizeiautos liefen sie über Budapests Hauptverkehrsstraßen. Von Gegendemonstranten behelligt wurden sie zumindest dort nicht – es gab keine. Auf dieses unschöne Erlebnis folgte der Aufbruch: Daniela und Christian nahmen den Zug nach Pécs (Europäische Kulturhauptstadt 2010), Caspar und Leonard fuhren weiter nach Szeged, eine Universitätsstadt an der Grenze zu Serbien. Dort sind wir gut angekommen und starten mit dem Programm. So steht in Szeged unter anderem ein Treffen mit Studenten und Dozenten des Verfassungsrechts auf der Liste, außerdem besuchen wir gemeinsam mit unserer Partner-Redaktion vom Germanistischen Magazin zwei Zeitungen und hoffen, noch etwas vom Hungerstreik mitbekommen zu können, den Studierende gegen Orbáns Hochschulreformpläne abhalten.

„Viktor, so war das nicht abgemacht!“

Der Himmel über Budapest ist an diesem Sonntag besonders stark bewölkt. Es ist der 23. Oktober, ungarischer Nationalfeiertag zum Gedenken an die Niederschlagung des Aufstands 1956. Auf der Elisabethbrücke im Herzen der Stadt hat sich die Demonstration „Don’t you like the system? Protest!“ angekündigt, sie wird von der Organisation „One Million for the Freedom of Press in Hungary“ veranstaltet. Auf einer großen Leinwand strahlt die ungarische Nationalflagge, sie bietet einen eindrucksvollen Kontrast zum tristen Himmel. In ihrer Mitte prangt eine Orange, das Symbol für die Regierungspartei Fidesz. Eine Animation lässt diese im nächsten Moment verschwinden und zeigt dafür einen schwarzen Kreis, der immer wieder durch die Gesichter verschiedener Redner gefüllt wird.

Politiker und Parteien – wer ist wer in Ungarn?

Wer ist Viktor Orbán? Was ist der Fidesz? Und wieso sprechen alle über Zweidrittelmehrheiten? Um eine einschätzende Einführung in Ungarns politische Landschaft zu geben und damit ein besseres Verständnis der anderen Artikel zu ermöglichen, antwortet der folgende kurze Überblick auf diese und andere Fragen zum politischen Ungarn. Ähnlich wie Deutschland ist auch Ungarn eine parlamentarische Demokratie. Auch hier werden die Abgeordneten durch eine Mischung aus Personen- und Verhältniswahl (Parteilisten) bestimmt. Die letzten Wahlen fanden 2010 statt und brachten diese Kräfte ins Parlament:

Kampf um jedes Mittel

Gulyás Márton ist der Direktor und Manager der „Krétakör Foundation“ (Krétakör = dt. Kreidekreis), einer unabhängigen, innovativen Theatergruppe, die im Jahr 1995 von dem Schauspieler und Regisseur Árpád Schilling gegründet wurde. Heute gehört sie zu einer festen Größe der zeitgenössischen ungarischen Theaterszene. Die Krétakör-Produktionen werden inzwischen zu vielen Gastspielen und großen Festivals ins Ausland eingeladen. So inszenierte Árpád Schilling inszenierte unter anderem auch schon an der Schaubühne Berlin. Vor wenigen Tagen hatte das neue Stück der Theatergruppe „Undankbare Biester“ in der Bayrischen Staatsoper in München Premiere. Das Stück gehört zum Zyklus „Crises“ und thematisiert in einem dreiteiligen Aufbau (zwei Filme und einer Oper) Misshandlungen im familiären Umfeld. Jeweils aus der Sicht der Mutter, des Vaters und des Sohnes wird das ernste Thema durch eine Collage iim Rahmen des theatral-performativen Tryptichons aufgegriffen. Das Thema basiert jedoch auf erschreckenden Zahlen. In Ungarn werden täglich acht Kinder misshandelt und zwei Kinder pro Monat sterben an den Folgen. Im Jahr 2009 konnten bei einer Unterschriftenaktion jedoch nur 10.000 Stimmen gegen die Misshandlung von Kindern gesammelt werden – gegen die Misshandlung von Tieren unterschrieben immerhin 300.000 Ungarn, berichtet Gulyás Márton. Diese Tatsache war für die Theatergruppe „Krétakör“ die ausschlaggebende Motivation den Zyklus „Crises “ zu inszenieren.

„Politiker sind Raubtiere, keine Pflanzenfresser”

Der in Budapest lebende, 50-jährige Schriftsteller István Kemény hat bereits zahlreiche Lyrik und Prosatexte veröffentlicht und dafür einige wichtige Preise und Stipendien erhalten. Schon während seines Studiums der Geschichte und ungarischen Literatur war er eine bekannte Figur im literarischen Leben der Hauptstadt . Nicht umsonst war er Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, veröffentlichte seine Gedichte in der Zeitschrift „Kafka“ und gewann im Jahr 2007 den Laurel-Preis der Republik Ungarn. Gestern traf ich ihn im traditionsreichen Centrál Kávéhá, und wir sprachen über seine zuvor schriftlich formulierten Antworten auf meine Fragen zur Politik und Kultur des Landes.

Geteilte Einsichten

Die Tage vergehen und die unauf-Redaktion eilt von einem Gespräch zum nächsten. Die Gruppe teilt sich auf, denn anders ist der immer voller werdende Terminplan nicht zu bewältigen. Kreuz und quer geht es durch die Stadt. Ob Klinikdirektorin, Feuilletonist oder NGO-Aktivistin sie alle haben so nun gemeinsam, in Budapest von der unauf interviewt worden zu sein. Die Mittagspause fällt aus, denn postwendend geht es weiter zum Medienrat. Viel gehört hatten wir schon von Journalisten – sie werden von dieser Behörde kontrolliert. Doch natürlich wollten wir auch die offizielle Seite befragen. Pressesprecher Dr. Ocskó stand ausführlich Rede und Antwort – und betonte, dass bislang noch kein einziger Journalist von seiner Behörde verfolgt wurde.

“Katasztrófa!“ – Interview zur Lage der Roma

„Amerikanische Menschenrechtsaktivisten rauschen hier an und meinen allen erzählen zu können, wie man mit den Roma umzugehen hat“, polemisierten Andrássy-Studenten im unauf-Interview. Sie forderten mehr „Innensicht“ auf ungarische Probleme. Die unauf machte sich daraufhin auf die Suche nach Bürgerrechtlern mit „Innensicht“ und hat die Budapesterin Erzsébet Mohácsi getroffen, Vorsitzende der NGO „Chance for Children Foundation.“ Die CFCF führt den juristischen Kampf um die gesetzlich vorgeschriebene Gleichberechtigung der Roma im Bildungsbereich – denn der Staat selbst kümmert sich darum kaum. 2005 wurden in weniger als 200 der 3.000 ungarischen Schulen die Roma-Kinder gemeinsam mit den anderen Kindern unterrichtet. Von den 10 Millionen Einwohnern Ungarns sind über 600.000 Angehörige der Roma-Minderheit, fast alle haben die ungarische Staatsbürgerschaft. Immer wieder ist das Thema „Roma in Ungarn“ mit traurigen Schlagzeilen auch in der deutschen Presse zu finden. Zuletzt sorgte das Dorf Gyöngyöspata für internationale Aufmerksamkeit negativster Art: Der dortige Bürgermeister rief die rechtsradikale Bürgerwehr anstelle der Polizei zu Hilfe, um auf terrorisierende Weise zu verhindern, dass der angebliche „Zigeunerterror eine Bürgerkriegssituation erzeugt.“ Im UnAuf-Interview schildert Frau Mohácsi nun aus den Erfahrungen ihrer Arbeit eine andere Sicht auf die Lage der Roma in Ungarn und Europa. Ein Wort ist immer wieder laut und deutlich zu verstehen, schon bevor unsere Begleiterin Adrienn vom Germanistischen Magazin „GeMa“ in Szeged den engagierten Vortrag ins Deutsche übersetzt: „Katasztrófa!“