Die Stadien sind geschlossen, aber in den Supermärkten geht es heiß her. Wer wird als erstes an der Kasse sein? Und wer kann wahren Sportsgeist beweisen? Wir schalten live zum Corona-Einkaufsrennen. 

Und damit ein herzliches Willkommen meine Damen und Herren, zu diesem besonderen Event. Die Sonne scheint bereits, ein leichter Wind weht. Perfekte Bedingungen für die Starter*innen, die bereits mit ihren Hufen vor dem Supermarkt scharren und endlich hinein wollen ins große Rennen. Wochenlange Vorbereitung liegen hinter ihnen, die Einkaufszettel wurden mehrfach kontrolliert und abgesegnet. Und dann geht es auch schon los. Der Azubi öffnet um Punkt sieben die Markthalle und kann sich kaum halten. Denn schon durch den ersten Spalt der offenen Tür pressen sich die Starter*innen in die Arena. Das Corona-Einkaufsrennen ist gestartet.

Auf Startposition Eins ist Hebert. Er ist heute bereits um sechs Uhr aufgestanden, um nun hier diese vorteilhafte Position zu ergattern. Langjährige Erfahrung und der Ehrgeiz zu gewinnen tragen ihn durch diese Zeit. Gedanklich ist er die Strecke bereits abgelaufen. Er weiß genau was er will. Direkt schlängelt er sich am Obst und Gemüse vorbei und steuert auf die Kühlwarenabteilung. Jo­ghurt ist es was er braucht und er will nicht irgendeinen Joghurt, er will den Biojogurt mit saisonalen Früchten.

Ja, Herbert ist ein Kenner. Herbert weiß, was gut ist. Aber was ist das? Kurz vor dem Kühlregal bleibt er stehen. Hat ihn die kalte Luft etwa in eine Starre versetzt? War er darauf doch nicht so gut vorbereitet? Nein, er zückt sein Handy. Eine Nachricht seiner Frau. Herbert macht große Augen und dreht direkt wieder um. Es ist wohl doch nicht ausreichend Obst im Haus. Das kostet ihn wertvolle Zeit, ob er das wieder aufholen kann. Wir werden es sehen.

Und da kommt es zum ersten Crash. Wir schalten direkt in die Backabteilung. Heinz und Giesela stehen vor der letzten Tüte Weizenmehl. Man spürt die Spannung in der Luft, beide üben sich in taktischer Höflichkeit. Wie lange wird diese Strategie funktionieren? Heinz ist sich bewusst, er braucht das Mehl. Ohne Mehl, keinen Topfkuchen und was soll er denn ohne den Topfkuchen machen. Was ist sein Mittwochnachmittag wert, ohne diesen Topfkuchen? Gerade in diesen Krisenzeiten sind es die kleinen Dinge im Leben. Verzweiflung in seinen Augen.

Giesela ist stattdessen bereit für eine Alternative. Aber verträgt sie das schwere Roggenmehl? Ist sie bereit so viel zu opfern? Giesela zeigt großen Sportsgeist und nimmt die Magenprobleme in Kauf. Heinz lächelt zufrieden und zieht von dannen. In diesen Momenten kommen mir die Tränen. Das ist wahre Menschlichkeit in einer solchen Ausnahmesituation. Danke Giesela, du gute Seele des Einkaufssports.

Wir schalten zum Kräuterregal. Herbert hat inzwischen den Biojogurt in seinem Einkaufswagen gesichert. Jetzt scheint er nur noch Majoran zu brauchen, dann könnte er direkt in den Endspurt Richtung Kasse. Nur noch wenige Meter vom Regal entfernt, erblickt er Ute, und er kennt Ute. Ute wird wieder Stunden vor dem Regal verbringen, weil sie sich bei weitem das System dahinter nicht erklären kann und den Rosmarin nicht findet. Herbert hat jetzt nur noch eine Chance: Rennen. Er holt die letzte Kraft aus seinen müden Knochen. Renn, Herbert, renn. Und er schafft es. War hier etwa Doping im Spiel? Das Schiedsgericht wird ihn wohl nach dem Rennen testen. Aber das sind Probleme für später. Ein gezielter Handgriff zum Majoran und er kann direkt zum Endspurt. Jetzt nochmal alles geben.

An der Kasse kommt es zum Showdown. Alle halten den geforderten Sicherheitsabstand. Ist es damit schon sicher wer hier gewonnen hat? Nein, was passiert jetzt. Giesela hat wohl etwas zu viel Abstand gelassen. Der junge Tom nutzt die Lücke und drängelt sich vor. Hat er nicht erkannt, das Giesela ansteht oder war das ein Foul? Warum tut denn niemand was? Aber ja, meine Damen und Herren, auch diese Szenarien gibt es im Einkaufssport. Hoffentlich wird das nachträgliche Folgen haben. Sowas darf es nicht geben.

Olaf verlässt als Erster den Supermarkt. Eine Sensation. Wie hat es dieser Underdog auf den ersten Platz geschafft? Warum hat in den Wettbüros niemand sein Talent erkannt. Fragen über Fragen. Reporter*innen stürzen auf ihn. Was hat er nach diesem Rennen und diesem fantastischen Sieg zu sagen? „Knäckebrot, alles weg, bescheuert”. Er warnt die nächsten Starter*innen vor den Hürden. Das ist wahrer Teamgeist. Hier hält man noch zusammen. Und damit zurück ins Studio.

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