Seit einem Monat sind Filmvorführungen wegen der Corona-Pandemie verboten. Wann und wie werden die Kinos nach dem Shutdown weitermachen? Drohen Kinoschließungen? Und ist Streaming jetzt eine gute Alternative? Die UnAuf hat bei drei Berliner Kinobetreiber*innen nachgefragt, wie sie auf die kommende Zeit blicken. 

Wann können wir wieder ins Kino gehen?

„Wenn wir optimistisch sind, dann hoffen wir darauf, dass wir im Juni wieder aufmachen können“, erklärt Verena von Stackelberg, die das Wolf Kino in der Neuköllner Weserstraße betreibt. Sie rechnet allerdings nicht damit, dass danach alles so ist wie davor: „Wenn wir öffnen können, dann wahrscheinlich nur mit halber Kapazität“, fügt sie hinzu. Jeder zweite Sitzplatz müsse vorerst leerbleiben, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. 

Auch Christian Bräuer kann nicht genau sagen, wann es weitergeht. Er ist Geschäftsführer der Yorck-Kinogruppe, die 15 Berliner Programmkinos betreibt. „Klar geht Gesundheit erstmal vor. Wir als Kino sind ein sozialer Ort und sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Bräuer. Auch Kinos müssten ihren Beitrag leisten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Aber für ihn steht fest, dass es nicht ewig so weitergehen kann: „Früher oder später ist Kultur auch systemrelevant.“

Wie kommen Kinos zurzeit über die Runden?

Für kleine Kinos wie das Neuköllner Wolf Kino haben das Land Berlin und der Bund bereits Soforthilfe-Zuschüsse ausgezahlt. „Aber bisher sind die Hilfen wie ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die Betreiberin. Damit könne man gerade so die laufenden Betriebskosten decken, wobei noch nicht klar sei, wann die nächsten Hilfen kommen. Das bestätigt auch Wulf Sörgel, der das Moviemento Kino am nahegelegenen Kottbusser Damm betreibt: „Bisher sind die Hilfen nicht in der Größenordnung, wie wir sie bräuchten“.

Einig sind sie sich die Betreiber*innen auch in ihrer Kritik am Kurzarbeitergeld – Die meisten Kinobeschäftigten bekommen davon nämlich gar nichts ab. Kurzarbeitergeld gibt es nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, und damit nicht für Minijobber, Studierende und Auszubildende. In Kinos machen Minijobber und Studierende aber den Großteil der Beschäftigten aus. Das hat Konsequenzen: Einige Kinos hätten ihren Angestellten bereits gekündigt, berichtet Wulf Sörgel.

Wie wird die Kinolandschaft nach Corona aussehen? Wird es Kinoschließungen geben?

Bei dieser Frage ist die Unsicherheit groß. „Die Bedrohung ist tatsächlich existenziell. Wir haben hohe Mietzahlungen, teures Equipment und viele Angestellte“, zählt Bräuer von der Yorck-Kinogruppe auf. Mit einem Lachen fährt er fort: „Von einem Tag auf den anderen hatten wir null Einnahmen – Man muss kein Mathematiker sein, um unsere Situation zu verstehen.“ Trotz seinem Humor wird deutlich, dass die Lage ernst ist. 

Die drei Kinobetreiber*innen haben sich entschieden, ihre Angestellten vorerst weiter zu bezahlen, so lange, wie es eben geht. Um Gewinne gehe es beim Kinogeschäft ohnehin nicht: „Wenn man sich anschaut, wer in die Räumlichkeiten einzieht, wenn ein Kino schließen muss, dann merkt man: Selbst die Kellerräume von Drogerien sind profitabler als Kinos“, sagt Bräuer, „Wer Kino macht, macht das aus Leidenschaft.“

Ich will nicht, dass mein Lieblingskino schließt – Was kann ich machen?

Die Kinobetreiber*innen berichten, dass viele ihrer Gäste jetzt Gutscheine kaufen. Das helfe den Kinos, die nächsten Monate auch ohne Vorführungen zu überstehen. Verena von Stackelberg ist begeistert von der Unterstützung für das Wolf: „Es ist super, wie die Nachbarschaft jetzt zusammenhält“. Wer mehr als 30 Kinos gleichermaßen unterstützen möchte, kann an die Crowdfunding Kampagne der Berliner Programmkinos spenden. Denn es steht viel auf dem Spiel: „Die Dichte an tollen Kinos in Berlin ist einzigartig“, schwärmt Christian Bräuer mit Blick auf seine Kolleg*innen, „Ohne die Berliner Kinos gäbe es viele Filme in Deutschland gar nicht.“ Auch international, etwa in Polen oder in Spanien, würden sich Kinobetreiber*innen daran orientieren, was in Berlin gerade läuft. 

Was ist mit Streaming? Kann man dasselbe Programm nicht auch online zeigen?

Alle drei widersprechen. Zu teuer sei der Lizenzhandel, zu aufwendig die Technik und zu groß die Konkurrenz. „Online gibt es schon ein Überangebot zum Streamen. Jetzt damit anzufangen ist für uns keine Lösung“, sagt Verena von Stackelberg. Selbst wenn es gut laufen würde könne man damit kaum Geld einnehmen. Ohnehin sei Streaming nicht vergleichbar mit einem Kinobesuch, findet Bräuer: „Beim Kino geht es geht darum, zusammen etwas zu machen. Es geht um die Begegnung in der analogen Welt. Das ist unsere Stärke und das kann auch kein Streamingdienst ersetzen.“

1 KOMMENTAR

  1. “Online gibt es schon ein Überangebot zum Streamen.” ??? Oh, wie liebend gerne würde ich einem meiner Lieblingskinos mit einem Stream von Zuhause aus finanziell unter die Arme greifen statt Amazon & Co. zu mästen. Geht da wirklich gar nichts? Bei kino-on-demand.com geht ja wenigstens ein Euro pro Film an das Kino, das ich auswähle, aber das kommt mir wirklich sehr wenig vor. Bitte überlegt, ob da nicht doch etwas machbar ist – ich kann mir schwer vorstellen, dass ich der einzige bin, der so empfindet. Haltet durch!!

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