Man kann protestieren, sich bilden oder auch einfach nur zuhören: Am feministischen Kampftag gibt es viele Optionen, um Frauen zu unterstützen und solidarisch zu sein. Glückwünsche kann man sich am 8. März aber sparen.

Der 8. März unterscheidet sich definitiv von anderen Tagen im Jahr. Es werden feministische Errungenschaften gefeiert, wie an keinem anderen Tag und es wird protestiert gegen anhaltende Ungleichheiten wie an keinem anderen Tag. In Berlin ist der 8. März inzwischen ein Feiertag. In einer Sache unterscheidet sich der 8. März für mich nicht: Ich bin genauso wütend wie an jedem anderen Tag im Jahr.

Ich bin wütend darüber, dass Frauen noch immer weniger verdienen als Männer, wütend darüber, dass mich das Abtreibungsrecht hierzulande in der Selbstbestimmung über meinen eigenen Körper beschränkt, wütend darüber, dass ich mir nachts meine Schlüssel zwischen die Finger klemmen muss, um mich auf dem Weg nach Hause sicher zu fühlen. Am 8. März soll auf all das und so viele andere Aspekte des strukturellen Sexismus aufmerksam gemacht werden.

Darauf freue ich mich nicht explizit, denn auf die eigene Benachteiligung aufmerksam zu machen, ist so Kräfte raubend, wie es noch immer notwendig ist. Allerdings bin ich euphorisch. Die Proteste bei denen ich Seite an Seite mit anderen Betroffenen und Unterstützer*innen stehen, geben mir genauso viel wie sie mir nehmen.

Doch diese Euphorie hält meistens nur so lange an, bis mir jemand eine Blume oder einen Coupon „für alle Ladys“ in die Hand drückt, mit dem ich 5 Prozent Rabatt auf irgendein Shampoo bekomme und mir zu einem Tag gratuliert, der auf meine Diskriminierung aufmerksam machen soll. Dann bin ich wieder nur wütend.

Wütend über die Ignoranz derer, die da gratulieren. Die sich scheinbar nicht über diesen Tag informiert haben, den sie da nutzen, um sich als vermeintlich woke und solidarisch zu präsentieren. Anstelle sich zu über die feministische Bewegung zu bilden, machen sie es sich einfach und speisen uns mit einem unüberlegten „Alles Gute“ ab.

Es gibt so viele Wege sich am 8. März solidarisch zu zeigen. Man kann sich informieren, lesen, einfach denen zuhören, die durch das Patriarchat unterdrückt werden und ihnen Raum geben. Man kann mit ihnen auf die Straße gehen oder zumindest, wenn man sich in pandemischen Zeiten bei Kundgebungen berechtigterweise nicht wohlfühlt, auf diversen Social Media Kanälen teilen, wo die nächste Kundgebung stattfindet. Die Beglückwünschung derer, die von Ungleichheit betroffen sind, kommt der Beglückwünschung zu eben jener Ungleichheit nah.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage wozu man überhaupt beglückwünscht wird. Denn, ja, seit dem ersten von Der Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin initiierten Frauentag 1911 wurde die theoretische Gleichstellung der Geschlechter – und wir sprechen hier von einer binäre Vorstellung von Geschlechtern – erreicht. Allerdings sieht es in der gelebten Praxis noch anders aus. Der feministische Kampf ist noch lange nicht zu Ende gefochten, andernfalls müssten wir auch nicht auf die Straße gehen und demonstrieren.

Im Kapitalismus wird alles zur Ware. Das gilt auch für Ereignisse wie den feministischen Kampftag, der von denen, die ihn instrumentalisieren lieber weiter Weltfrauentag genannt wird. Ungeachtet des feministischen Kampfes der geführt wird, missbrauchen Unternehmen den 8. März für ihre marktwirtschaftlichen Interessen. Dazu noch Blumen geschenkt zu bekommen und beglückwünscht zu werden, ist frustrierend.

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