Im Pandemie-Wintersemester 2020 scheint die Uni nur noch aus Zoom-Calls und Moodle-Foren zu bestehen. Was war nochmal mit Hochschulsport und Musikensembles?

Es ist November. Ich, ein frischgebackener „Ersti“, habe dank Corona noch mit keinem Fuß die Uni betreten und denke, dass die Uni doch eigentlich mehr sein muss, als Zoom-Calls und Moodle-Foren. Was ist an der Humboldt in puncto Sport und Musik so los? Denn gemeinsam in einem Raum Sport zu machen, selbst ohne physischen Kontakt, ist mit Corona leider genauso wenig möglich wie Chor- oder Orchesterproben zu veranstalten.

Auf den Websites der Ensembles ist zu lesen, dass Proben aktuell nicht stattfinden. Das Präsenzproben nicht möglich sind, ist klar, aber wie sieht das mit Proben per Zoom aus? Hier gibt es zwei verschiedene Probleme, erklären mir der Universitätsmusikdirektor Constantin Alex und Armando Zanuy, Leiter der HU-Bigband. Zum einen ist da das Problem mit der Latenz. Das ist die Verzögerung, die unter den Teilnehmenden eines Online-Calls entsteht. Gemeinsam live musizieren ist damit über Zoom oder ähnliche Plattformen einfach nicht möglich. Der zweite, damit zusammenhängende Grund ist, dass die Lust dafür einfach fehlt. Im ersten Digital-Semester produzierte die Bigband noch ein „digitales“ Stück. Hierfür nahm jede:r Musiker:in zuhause ihre:seine Stimme auf, die einzelnen Stimmen wurden dann nachträglich zusammengesetzt. Doch das Interesse, so etwas nochmal zu machen, ist gering – bei allen Beteiligten. Constantin Alex fasst das selbst so zusammen: „Das, was wir machen, lebt vom gemeinsamen Musizieren im Proberaum.“

Ist die Lösung also einfach, wie es auf den Websites der Ensembles steht: „[…] abwarten, wie die Lage sich weiterentwickelt”? Kann man sich da nicht kreative Lösungen ausdenken? Diese Fragen stellen sich natürlich auch Constantin Alex und Armando Zanuy. So hat die Bigband Fördergelder beantragt, um ein Experiment durchzuführen, mit dem beispielsweise über das Intranet der Uni die Musiker:innen an verschiedenen Orten gemeinsam live musizieren können und das Latenzproblem wegfallen würde. Auch an Auftritten wie der Konzertreihe Klangzauber wird derzeit gearbeitet. Dabei werden Solist:innen, bisher zwei Violinistinnen und eine Sopranistin, von Constantin Alex am Klavier begleitet. Die Konzertreihe startete schon im November 2019 und wird aktuell per Livestream und Youtube-Video fortgesetzt.

Online-Angebot des Hochschulsports kommt gut an

Zur Universität gehört neben der Musik aber auch der Hochschulsport. An der HU scheint der Hochschulsport in Anbetracht der Umstände wirklich gut zu funktionieren und das ist weder Selbstverständlichkeit noch Norm. „Im ersten Lockdown war die Zentraleinrichtung Hochschulsport der Humboldt-Universität die mit den meisten online bewegten Studierenden und Mitarbeitern in ganz Deutschland“, sagt Jens Tiedjen, stellvertretender Leiter des Hochschulsports. Dass dies so gut funktioniert, liegt am Team, so sagt Tiedjen: „Wir lieben unseren Job hier beim Hochschulsport.“

Das aktuelle Sportangebot besteht aus verschiedenen Online-Sportkursen. Die meisten davon sind Individual-Sportkurse, wie etwa Yoga, Body Shape oder Pilates. Es gibt aber auch überraschende Angebote, wie den Kurs Sportbootführerschein See. Und es wird fleißig an Ideen gearbeitet, wie bestimmte Dinge eben doch ermöglicht werden können. Selbst in diesem Jahr entsteht beispielsweise eine Erstsemester-Rallye.

Wie wird es aussehen, wenn die Pandemieumstände es erlauben, dass Ensembles und der Hochschulsport wieder ihren normalen Präsenzbetrieb aufnehmen können? Tiedjen ist optimistisch und glaubt, dann wieder ein breit aufgestelltes und vielfältiges Hochschulsport-Angebot anbieten zu können. In künftigen Präsenz-Semestern sogar mit einer kleinen Erweiterung – einzelne Online-Sportkurse werden aufgrund der hohen Nachfrage voraussichtlich erhalten bleiben.

Die Ensembles werden weiterhin genug Mitglieder haben, die vielleicht ein bisschen mehr Zeit brauchen werden, um ihr Prä-Corona-Niveau wieder zu erreichen, aber es wird sie weiterhin geben. Dass dies der Fall sein wird, war auch schon im vergangenen Sommer spürbar. Die wenigen Proben, die – wenn auch nur mit begrenzter Teilnehmer:innenzahl – angesetzt waren, waren gut besucht.

Überall wird versucht, das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen. Es werden kreative Lösungen gesucht und gefunden, doch wird auch mal zugegeben, dass es manchmal keine gute, schnelle Lösung geben kann.

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