Ein striktes Trainingspensum von 27 Stunden in der Woche, Wettkämpfe und ein Physikstudium, das so gut wie möglich dazwischen geschoben wird. Philipp Herder ist Physikstudent an der HU und Leistungsturner.

Mein Studentenleben sieht mit Sicherheit nicht so aus wie das der meisten meiner Kommilitonen. Manchmal ist es traurig, wenn alle ausgehen und man wegen des Trainings zu Hause bleibt. Dafür erleben sie aber auch keine EM, WM oder gar Olympia.“ Der 23-Jährige nahm dieses Jahr als Ersatzturner an den Olympischen Sommerspielen in Rio teil.

Im Alter von sechs Jahren durch eine Talentsichtungsmaßnahme in der Grundschule entdeckt, baute Philipp seine Turnfähigkeiten aus und wechselte mit neun Jahren an das renommierte Schul- und Leistungssportzentrum Berlin. Nach dem Abitur trat er der Sportfördergruppe bei. Die folgenden vier Jahre, viel Mühe und Schweiß brachten ihn zu seiner Qualifizierung als Ersatzturner bei den Olympischen Spielen. Dieses Ergebnis sei für ihn der Höhepunkt seiner bisherigen Sportlerkarriere gewesen. „Ich nehme zwar erst einmal nicht direkt, sondern als Ersatzmann teil, aber für mich steckt in diesem Fall eine Wahrheit in dem Sprichwort ‚Dabei sein ist alles‘. Vor allem wenn ich mir den Weg und die harte Arbeit bis zu diesem Erfolg anschaue.“

Erfolg sei immer das Resultat eines intensiven Trainings, so der HU-Student. Neid oder Missgunst gegenüber anderen Olympiateilnehmern spiele für ihn deswegen keine Rolle. Auch dass andere Personen ihm gegenüber negative Reaktionen bezüglich seiner Qualifizierung zeigten, verneint er. Im Gegenteil: In der Uni wüssten nur wenige Leute von seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Derzeit ist Philipp als Sportsoldat bei der Bundeswehr, wodurch er finanziell versorgt ist. Dem Leistungsturner sei allerdings bewusst, dass Sportlerkarrieren meist eine Altersgrenze haben, verrät Philipp. Mit Ausnahmen beenden die meisten Spitzensportler im Alter von 28 Jahren ihre Karriere. Laut Statistik ist der 23-Jährige auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit angelangt, was ihn motiviert umso intensiver an sich zu arbeiten. Jetzt nach Olympia gilt sein Ehrgeiz dem Ziel das bisher erreichte Niveau zu halten und seinen Platz im Olympia-Team zu verteidigen. Philipp misst der zusätzlichen Absicherung seiner Zukunft trotzdem eine hohe Bedeutung bei. Um sich ein zweites Standbein aufzubauen, studiert der Berliner Physik in Teilzeit.

Anfangs ließ sich das Studium noch gut mit seiner Leidenschaft vereinigen. Nach einiger Zeit und den Erfolgen wurde die Koordination jedoch immer komplizierter. „Das Studium ist sehr schwierig, dazu bin ich ständig unterwegs und mein Trainingspensum ist umfangreicher geworden.“ Um für die Olympischen Spiele zu trainieren, hatte Philipp sich eine Auszeit vom Studium genommen, obwohl er anfangs versuchte das Studium normal fortzusetzen. Sein Ansporn ist hoch, trotz solcher Aussetzer und Pausen erfolgreich weiterzumachen. Wichtig sei eine gute Planung, Fleiß und Motivation, so Philipp.

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