Foto: Matthias Heyde

Jan-Hendrik Olbertz, der Präsident der Humboldt-Universität Berlin (HU), wird sich nicht zur Wiederwahl stellen. Das schrieb er heute Vormittag in einer persönlichen Nachricht an alle Studierenden. Auch die HU gab per Pressemitteilung Olbertz‘ Entscheidung bekannt.

Olbertz begründet seinen Rücktritt damit, im Konzil der Universität keine Mehrheit für sein „Kanzlermodell“ gefunden zu haben. Olbertz wollte, dass die Verantwortung für Finanzen und das Personal der Universität in einer Position gebündelt werden – der des Kanzlers. Bisher gibt es an der HU drei Vizepräsidenten, die sich die Verantwortung für diese Bereiche teilen. Das Konzil der HU hatte extra eine Verfassungskomission eingerichtet, um das Für und Wider von Olbertz Vorschlag zu prüfen. Diese empfahl jedoch, beim bisherigen Modell zu bleiben. Deshalb sprach sich das Konzil im Oktober 2014 dafür aus, die damals offene Stelle des Vizepräsidenten für Haushalt, Personal und Technik auszuschreiben und neu zu besetzen.

Die Verantwortung kann ich nicht mittragen

Das sei der Hauptgrund, warum er nun nicht mehr antreten werde. „Das Konzil hat beschlossen, den gegenläufigen Weg einer auf unterschiedliche Vizepräsidenten-Ressorts aufgeteilten Verwaltung fortzusetzen. […] Die Verantwortung für die Folgen daraus kann ich nicht mittragen“, schreibt Olbertz in seiner Erklärung. Er ist der Meinung, dass das bisherige, sogenannte Ressortmodell dazu geführt habe, „dass wesentliche Reformvorhaben in der Verwaltung, der Haushaltsführung bzw. Mittelbewirtschaftung seit Jahren unterblieben sind.“ Deshalb werde er sich nicht zur Wiederwahl stellen.

Olbertz hatte schon einmal sein Amt an eines seiner Vorhaben gekettet: Als Studierendenvertreter im Dezember 2013 im Akademischen Senat ankündigten, die geplanten Maßnahmen der Fakultätsreform vorerst durch ein Veto scheitern zu lassen, erklärte Olbertz, er lege sein Amt nieder. Nach einer halben Stunde kündigten die Studierendenvertreter an, ihr Veto nicht zu nutzen und Olbertz trat vom Rücktritt wieder zurück. Er sagte damals: „Ich folge nicht meinem Herzen und meinem Willen. Aber ich kann nicht erkennen, wie wir unser Schiff auf Kurs halten können. Niemanden schmerzt das so wie mich selbst.“

Olbertz wird noch bis Oktober Präsident der HU bleiben

Olbertz ist seit 2010 Präsident der HU. Unter ihm bewarb sich die Universität für die Exzellenzinitiative und hält seit 2012 den Exzellenz-Status. Außerdem setzte er gegen große Widerstände in Mittelbau und Studierendenschaft die Fakultätsreform durch, durch die die Anzahl der Fakultäten von zehn auf sieben reduziert wurde. Angestellte befürchteten Stellenkürzungen, Studierendenvertreter beklagten damals, durch die Reform weniger Einfluss auf die Prozesse an der Universität zu haben. Olbertz kündigte an, er werde bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Oktober 2015 weiter Präsident der HU sein. Die Wahlen für das Präsidialamt sind für Juni oder Juli geplant, ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

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