Frida Bürkner macht ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der bioveganen Solidarischen Landwirtschaft PlantAge. Aufgewachsen ist sie in Stuttgart, doch inzwischen ist ihr klar: „Ich will auf dem Land leben“. Wie sieht die Arbeit auf dem Feld genau aus und was begeistert die 18-Jährige daran?

Morgens um 7.30 Uhr in Markendorf bei Frankfurt (Oder). Das Thermometer zeigt -3 Grad Celsius, als wir uns am Acker einfinden. Heute soll Grünkohl geerntet werden. Bisher sind wir zu dritt, der verschneite Acker liegt vor uns, ein Fuchs eilt über die Felder davon.

Gemüsekiste mit Grünkohl neben abgeernteten Grünkohlstängeln

Frida nimmt die ersten leeren Kisten vom Transporter und zeigt mir, wie der Grünkohl geerntet wird. Die einzelnen Triebe zu beiden Seiten vorsichtig abknicken, die bräunlichen auf den Boden und die kleinen stehen lassen. Wir ziehen Arbeitshandschuhe an und schon geht’s los. Ein kalter Wind peitscht übers Feld und treibt uns kleine Schneeflocken ins Gesicht. Bis auf das Rauschen des Windes und das Flattern vorbeifliegender Vögel ist nichts zu hören.

Frida liebt die Arbeit auf dem Feld: „Das Lernen in der Schule war nie so mein Ding“ lacht sie und streicht sich eine Locke aus dem Gesicht. „Ich wollte immer gerne draußen sein und etwas Praktisches machen“. Aufgewachsen in einer Wohnung in Stuttgart, ist das Landleben für sie neu. Die Liebe zur Landwirtschaft entdeckte sie beim Gärtnern auf einem Stadtacker, den ihre Mutter gemietet hatte.

Deutschlandweit gibt es bereits 340 Solawis

„Ich bin so gerne hier“, schwärmt Frida über PlantAge und strahlt mich an. Das gemeinsame Arbeiten, draußen sein und Beobachten von Pflanzen, die immer weiter wachsen, tue so gut. Sie ist begeistert von dem Konzept: Landwirte und Privatpersonen schließen sich bei einer solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, zu einer Genossenschaft zusammen und treffen gemeinsam Entscheidungen über Obst- und Gemüseanbau oder Tierhaltung. Auch Projekte wie Ernten oder Pflanzen werden oft gemeinsam gestaltet. Während sich die Genossenschaftsmitglieder gegen finanzielle Mitgliedsbeiträge über regionale Nahrungsmittel freuen, profitieren die Landwirte von Planungssicherheit und können sich unabhängig von Marktzwängen oder Ernteeinbußen einer nachhaltigen Landwirtschaft widmen, die ansonsten unrentabel wäre. Auch für Natur und Umwelt hat das solidarische Konzept Vorteile: Die ökologischen Anbauflächen bieten heimischen Tier- und Pflanzenarten Rückzugsorte und erhalten die Artenvielfalt. Deutschlandweit gibt es bereits über 340 Solawis, viele weitere befinden sich in der Gründung.

Die Packstraße mit den Stationen Kartoffeln, Rote Beete und Lauch

Bei PlantAge erhalten die Mitglieder der Genossenschaft für monatlich 79 Euro jede Woche eine Gemüsekiste vom Acker. Der Inhalt variiert je nach Jahreszeit und Ertrag. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen schätzt Frida die Solidarische Landwirtschaft als „sehr zukunftsfähig“ ein. Seit fünf Monaten lebt sie nun  schon in Markendorf und trägt als „Ernte-Masterin“, die sich um die Koordination und Aufteilung der Ernte kümmert, viel Verantwortung.

Es ist 9.45 Uhr. Während ich meine Hände und Füße vor Kälte kaum noch spüre, verkündet Frida munter, dass die Arbeit für heute geschafft sei. 37 Gemüsekisten sind es, „nicht gerade viel“, wie Frida findet, „aber dann ist das halt so“. Die zwei Reihen, die geerntet werden sollten, haben nicht mehr hergegeben.

Als Ungeübte kommt man mit dem Kistenpacken kaum hinterher

Mit dem Transporter fahren wir zum nahegelegenen Gemüselager. In der kleinen, mit Graffiti besprühten Halle wird die Packstraße vorbereitet, bei der das Gemüse in die Kisten  einsortiert wird. Wir sind hier zu siebt, stärken uns noch bei einem Mittagessen mit frisch  geerntetem Gemüse und dann geht’s schon weiter.

An vier Stationen werden die einzelnen Gemüsekulturen – heute Kartoffeln, Rote Beete, Lauch und Spinat abgewogen und in die Kisten gepackt. Später sollen 600 fertige Kisten für die Auslieferung bereitstehen.

Frida Bürkner macht ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei PlantAge

Bei laut aufgedrehter Musik wandert das Gemüse nach und nach in die Kisten. Ich darf bei der Roten Beete mithelfen und merke, wie ich als Ungeübte mit dem Packen kaum hinterher komme.

Um 13.30 Uhr sind wir fertig. Die letzte Gemüsekiste rollt über das Band und wir lassen  erschöpft die Arme sinken. „Das war’s!“ ruft Frida glücklich. Stets gut gelaunt und lebensfroh sorgt sie für eine angenehme Atmosphäre. „Sie ist herzlich und auch organisiert“, bestätigen Anna und Aurélie, die ebenfalls zum Team von PlantAge gehören. „Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen.“

Vor uns stehen die Türme aus gepackten Gemüsekisten und warten darauf, abgeholt zu  werden. Wir streifen die Arbeitshandschuhe ab und blicken auf unsere knallroten,  eingefrorenen Hände. Frida strahlt mich an, drückt mir eine Tasse heißen Tee in die Hand und sagt „Feierabend für heute“.


Du möchtest mitmachen? Hier findest du Infos zu Solawis in deiner Umgebung und zu PlantAge:

Fotos: Fiona Wink

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