(C) 2013 Twentieth Century Fox

Geschrieben von Johannes Metternich

Berlin, 10. Februar 2014

Die Aufgabe, vor der George Clooney bei der Verwirklichung seines nun auf der Berlinale präsentierten Filmes stand, war ebenso monumental, wie dessen Titel schon vermuten ließ: Für „The Monuments Men“ schrieb Clooney als Co-Autor das Drehbuch, führte Regie, wirkte als Co-Produzent und war zugleich Hauptdarsteller. Der Film, der in Zusammenarbeit mit den Filmstudios Babelsberg größtenteils in Deutschland gedreht und produziert wurde, basiert auf wahren Gegebenheiten und greift die Geschichte von rund 350 ganz besonderen alliierten Soldaten im Zweiten Weltkrieg auf. Diese verpflichteten sich gegen Ende des Krieges freiwillig zum Einsatz in Europa, um den riesigen Bestand an Raubkunst, den die Nazis im Laufe des Krieges angehäuft hatten, vor seiner Zerstörung zu bewahren und seinen ursprünglichen Besitzern zurückzugeben.

So erhält Clooney als Lieutenant Frank Stokes vom Präsidenten persönlich den Auftrag, sich mit einer Gruppe von Kunsthistorikern und Architekten auf den Weg in das umkämpfte Frankreich des nahenden Kriegsendes zu machen und zu retten, was zu retten ist. Um was es bei der Mission geht, wird schnell deutlich: Es liegt an den „Monuments Men“, die Nazis daran zu hindern, in ihrem Untergang Europas Kunstwerke gleich mit auszuradieren und somit das Vermächtnis der abendländischen Kultur zu vernichten. Wacker begibt sich die siebenköpfige Truppe, die unter anderem mit Matt Damon und Bill Murray hochkarätig besetzt ist, an diese scheinbar übergroße Aufgabe und dringt bis zum Kriegsende auf ihrer Mission quer durch Frankreich und Deutschland zu immer gewaltigeren Kunstschätzen vor.

Die Handlung mag auf den ersten Blick entfernt an Steven Spielbergs Meisterwerk „Saving Private Ryan“ erinnern: Auch die „Monuments Men“ werden auf eine waghalsige Mission in Feindesland geschickt und setzen für eine vermeintlich höhere Sache ihr Lebens aufs Spiel.

Doch das filmische Potenzial, das die Frage nach dem Wert eines Menschenlebens im Vergleich zu einem Kunstwerk mit sich bringt, wird bereits durch das erste spitzbübische Grinsen des lässigen Lieutenant Stokes zunichte gemacht. Clooney besaß, zum großen Leidwesen des Films, anscheinend zu keinem Zeitpunkt das Interesse an einer ernsthaften und tiefergehenden Behandlung jener Frage. Vielmehr scherzt er sich mit seinen Kameraden unaufhaltsam durch das verwüstete Westeuropa. Schon die militärische Grundausbildung, die die kriegsunerfahrenen Kunsthistoriker vor ihrer Entsendung absolvieren müssen, wird eher als Spaßveranstaltung denn als ernstes Training verstanden. Endlich im Feindesgebiet angekommen, treffen zwei kauzige Mitglieder der Gruppe im Feld auf einen deutschen Soldaten – und entschließen sich, diesem einfach eine Zigarette anzubieten und mit ihm über John Wayne zu lachen. Diese Komik gipfelt in der bemerkenswerten Feststellung Lieutenant Stokes‘, er könne „mehr als nur gut aussehen“, nachdem er zuvor ein Funkgerät erfolgreich repariert hatte.

So verfällt das von Stokes in feierlichen Ansprachen beschworene Pathos der zivilisationsrettenden Mission der „Monuments Men“ mehr und mehr ins Alberne. Dies wird absurd, als im Laufe des Films Mitglieder der Truppe auf unfassbar banale und zufällige Art und Weise umkommen – nicht etwa, um das Grauen des Krieges zu verdeutlichen, sondern vielmehr, um Stokes die Möglichkeit zu geben, mit lächerlich belegter Stimme über das Opfern von Menschenleben für die Bewahrung der Kunst zu sinnieren.

Die Art und Weise, wie sich Clooney die Handlung dabei zurechtlegt, ist erschreckend simpel bis fehlerhaft. Schnell ist das Bild der bitterbösen Klischeenazis und der raffgierigen Russen, die ihrerseits selbst mit sogenannten „Trophäen-Brigaden“ Beutekunst sammeln, gezeichnet, die sich als perfekte Antagonisten zu Stokes‘ eingeschworener Truppe eignen. Diese fährt ohne jegliche Spannung von Kunstversteck zu Kunstversteck und liefert sich zum Schluss ein Wettrennen mit den Russen zu einem Ort in den österreichischen Alpen, der im Krieg tatsächlich als Lagerstätte von Beutekunst der Nazis diente, dem russische Truppen jedoch in Wirklichkeit niemals auch nur nahe kamen.

Das größte Ärgernis ist bei alledem, dass das riesige schauspielerische Potenzial, das mit Damon und Murray, aber auch Cate Blanchett oder Jean Dujardin in Fülle vorhanden war, durch die meist oberflächlichen Dialoge verschenkt wurde. So bleibt nur zu hoffen, dass „Monuments Men“ der einzige monumentale Fehltritt in Clooneys Schaffen bleibt.

 

„The Monuments Men“

Deutschland, USA 2014

Regie: George Clooney

Darsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Cate Blanchett

118 Minuten

Kinostart: 20. Februar 2014

 

 

 

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