“Wir müssen zeigen, dass wir sehr gut funktionieren”

Seit knapp acht Monaten lähmt eine Debatte über Transparenz, Teilhabe und Lagermentalität das Studierendenparlament (StuPa) der HU. Acht Monate, in denen die verfasste Studierendenschaft immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, zuletzt insbesondere ins Fadenkreuz der Berliner AfD. Sieben neue Listen sind während dieser Zeit auf den Plan getreten, die Wahlbeteiligung ist in die Höhe geschossen, Transparenz für viele zum Reizwort geworden.

Erst seit der zweiten Sitzung des 26. StuPas Ende Mai deutet sich so etwas wie eine Normalisierung der Lage an. Auf Initiative von LinksGrünVersifft (LGV) und Jusos wurde dort beschlossen, die zuerst in der UnAuf erhobenen Vorwürfe intransparenter Praktiken intern aufzuklären. Ein listenübergreifendes Gremium soll nun prüfen, ob und welche Missstände aufzuarbeiten sind und was getan werden kann gegen die mangelnde Bereitschaft der HU-Studierenden, wählen zu gehen und sich wählen zu lassen.

Sophia Ziese und Constantin von Estorff sind als Kanditat*innen einer der sieben neuen Listen 2018 ins StuPa gewählt worden. Beide gehören zu LGV und haben neben Bengt Rüstemeier (Juos) den zuletzt beschlossenen Antrag zur Gründung eines listenübergreifenden Gremiums maßgeblich mitgetragen. Im Interview mit der UnAuf blicken sie auf ihre ersten Monate im StuPa zurück. Dabei wird deutlich: Es ist kein Zufall, dass gerade sie als Newcomer in der Lage waren, der Zerschlagung des gordischen Knotens aus Grabenkämpfen, AfD-Vorwürfen und gegenseitigem Unverständnis näherzukommen.

UnAuf: Zu den letzten beiden StuPa-Sitzungen hatte eine Koalition um Power of Science (PoS) zwei Transparenzanträge eingebracht, die die selben Probleme ansprechen, die auch ihr in eurem neuen Antrag anführt. Warum habt ihr gegen die PoS-Transparenzanträge gestimmt und stattdessen einen eigenen Antrag eingebracht, der statt konkreter Maßnahmen zunächst nur die Gründung eines Arbeitskreises vorsieht?

Sophia Ziese: Ich würde jetzt nicht gleich von bewussten Problemen sprechen, aber von Themen, die uns als StuPa-Mitglieder, aber auch die Öffentlichkeit, gerade beschäftigen. Es sind Kritikpunkte, Vorwürfe und Wünsche aufgetaucht, an die wir uns setzen wollen. Ich glaube, dass man zur Klärung bestimmter Themen und zur Einschätzung der Debatte erstmal in einen Austausch darüber treten sollte, um was es eigentlich geht.

Im RefRat liegt viel Verantwortung auf wenigen Schultern

UnAuf: Ist die Kritik an Missständen und Informationsdefiziten, die von Vertreter*innen von PoS geäußert wurde aus eurer Sicht berechtigt?

Ziese: Also, in gewisser Weise ist sie berechtigt, aber man muss auch immer Relation und Situation sehen. Man muss Strukturen und Aufgaben des StuPas berücksichtigen. Wir sehen auf jeden Fall Wünsche und auch Kritikpunkte, finden es aber auch unglaublich schwer, Dinge einschätzen zu können, weil wir neu sind, aber auch, weil es tieferliegende Problematiken gibt. Einzelne Referate  werden echt gut beansprucht und haben viel zu tun. Das mindeste, was cool wäre, ist, dass man Leute wertschätzt und respektvoll behandelt. Sehr viel Arbeit liegt auf relativ wenig Menschen mit relativ viel Verantwortung. Ich glaube, darauf ist dann auch zurückzuführen, dass momentan nicht alle Bereiche abgedeckt werden und das es vonseiten der Studierendenschaft dazu kommen kann, dass sie sich andere Sachen wünscht und sich fragt: Wo seid ihr eigentlich? Was ist mit Öffentlichkeitsarbeit?

Constantin von Estorff: Auf der einen Seite gibt es die Referenten, die haben sich dazu entschieden, einen Großteil ihrer Zeit, ihres Studiums dafür zu verwenden, sich hochschulpolitisch für die Studiernden einzusetzen. Dafür bekommen sie eine Entlohnung, die der Arbeitszeit überhaupt nicht entspricht, die machen das schon zu einem guten Grad frei und ehrenamtlich. Auf der anderen Seite werden sie für ihr Handeln sehr stark kritisiert und sehr stark in die Mangel genommen. Es ist natürlich gut, wenn Leute, die die Exekutive darstellen, kritisiert und beobachtet werden. Aber wir wünschen uns da insgesamt ein kollegialeres, solidarisches Verhalten innerhalb der Studierendenschaft, damit wir zu gemeinsamen Ergebnissen kommen. Es ist wünschenswert, dass die Wahlbeteiligungen höher werden, da sind sich ja fast alle einig, und daran muss man mehr arbeiten.

Der Begriff “Transparenz” ist vorbelastet

UnAuf: Meint ihr, „Transparenz” ist mittlerweile ein verbranntes Wort im StuPa, mit dem man effektiv keinen Antrag mehr durchbringen kann?

von Estorff: Er ist schon vorbelastet durch den ersten Antrag von PoS und Co., in dem sie einen Afd- beziehungsweise FDP-Antrag im Senat zitiert haben, in dem es auch um Transparenz ging.

UnAuf: Wo liegt das grundsätzliche Problem, wenn man bei Sachthemen einen FDP-Antrag zitiert?

von Estorff: Also, zuerst wurde der Antrag ja von der FDP gestellt und dann von der AfD übernommen und weiter verschärft.

UnAuf: Aber der Antrag hat ja die Verschärfung der AfD nicht übernommen?

von Estorff: Er hat aber zumindest diese Historie, die aus dem Senat stammt, übernommen. Man braucht für StuPa-Angelegenheiten keinen Senat, wir kümmern uns selber um unsere Autonomie und unsere Transparenz, das ist ganz klar der Geist unseres Antrages. Es ist nicht so, dass wir alles, was in dem PoS-und-Co-Antrag drin steht, schlecht finden. Aber es gibt einige Punkte, die begründet kritisierbar sind, zum Beispiel, dass wir die Protokolle schon 14 Tage nach den Sitzungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen sollen.
Das ist ein Anspruch, der nicht mal an den Akademischen Senat, der 300 Millionen Euro im Jahr verteilt, gestellt wird. Und die haben drei, vier Vollzeitstellen. Warum sollte das dann im StuPa stattfinden? Es gibt auch gute Punkte, etwa die Öffentlichkeitswirksamkeit von studentischen Wahlen (bei der der Antrag “Partizipative Studierendenschaft” von PoS deutliche Verbesserung forderte, Anm. d. Red.). Es sind viele wirklich gute Punkte drin.
Aber um einen solchen Antrag wirklich umsetzbar zu machen für die Referentinnen, für das StuPa-Präsidium, muss man eben mal gemeinsam reden und kann nicht sein eigenes Süppchen kochen.

Im Gremium sollen mehrheitsfähige Anträge für das StuPa erarbeitet werden

UnAuf: Wie stellt ihr euch die Arbeit in dem von euch angestrebten und nun beschlossenen Gremium vor? Welche Hindernisse könnte es geben?

von Estorff: Das Gremium ist erstmal dazu da, Meinung abzustecken und eventuelle Mehrheiten für Anträge im StuPa zu erarbeiten. Das ist auch transparent, weil das demokratisch legitimiert ist durch die Stupa-Satzung. Es müssen Berichte oder Protokolle aus dem Gremium in die StuPa-Sitzungen eingebracht werden. Dementsprechend ist das keine Hinterzimmerpolitik, die da betrieben wird. Letztendlich wird es nicht darauf hinauslaufen, dass alle einstimmig sagen, “das machen wir so!”. Es kommt darauf an, dass wir einen Kompromiss finden, der für die meisten annehmbar ist.

UnAuf: Wie geht ihr damit um, wenn Referent*innen argumentieren, dass Transparenzanforderungen aufgrund knapper zeitlicher und personeller Ressourcen nicht einzuhalten sind? Kann und möchte das Gremium vorschreiben, Berichte zu veröffentlichen?

Ziese: Ich möchte ungerne Leuten etwas vorschreiben. Letztendlich wollen wir alle an einem Strang ziehen. Es ist wichtig Kompromisse zu finden. Wenn es für Referent*innen zeitlich nicht machbar ist, zusätzlich zu ihrer regulären Arbeit noch lange Berichte online zu veröffentlichen, könnte man darüber nachdenken, die Protokolle der StuPa-Berichte stichpunktartig zu kopieren und auf die eigenen Internetseiten zu übertragen. Es geht darum, einen guten Mittelweg in Fragen der Struktur und der Protokollierung zu finden.

von Estorff: Man kann den Referenten natürlich nicht vorschreiben, regelmäßig lange Aufsätze zu schreiben, obwohl sie ihre Arbeit ja schon im StuPa vorstellen. Öffentlichkeitsarbeit kostet reines Geld, sie ist Arbeitszeit. Die Referent*innen sollten nicht das Gefühl haben, dass sie total im Stress sind und überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekommen und irgendwann keinen Bock mehr haben. Wir wollen kollegial miteinander umgehen. Die Berichte, die ans StuPa gesendet werden, könnten auf den Seiten der Referate veröffentlicht werden. Kurze Statements können einfach hochgeladen werden – hier braucht man keine langen Aufsätze.

Der Zugang zu Informationen ist teilweise nicht so einfach

UnAuf: Reicht die öffentliche StuPa-Sitzung aus, um umfassende Öffentlichkeit herzustellen?

Ziese: Der Zugang zu Informationen ist teilweise nicht so einfach. Wir unterscheiden zwischen Informationsverfügbarkeit, also welche Informationen gibt es irgendwo, und der Frage, wie einfach der Zugang zu diesen Informationen für einen Durchschnittsstudenten ist. Uns ist es wichtig, eine politische Aktivierung der gesamten Studierendenschaft von Beginn des Studiums an zu fördern. Wir wollen Leute integrieren, für Themen begeistern und dazu motivieren, eigene Listen zu gründen und im StuPa mitzumachen.

UnAuf: Sollten die Namen von Referent*innen öffentlich oder zumindest allen Abgeordneten zugänglich gemacht werden?

von Estorff: Da muss man erstmal fragen, wofür die Namen von Referent*innen öffentlich gemacht werden sollen. Es ist so, dass die meisten Referate die Namen ihrer Referent*innen sowieso veröffentlichen. Es gibt allerdings einige Betroffene, die sich politisch sehr links engagieren und die Sorge haben, dass sie sich aufgrund ihres linken Engagements in Berlin als Lehrer in Bayern nicht mehr genommen werden.
Es ist so: Wenn die Wahlen öffentlichkeitswirksamer gestaltet werden, dann wird das in den meisten Fällen einen Nachteil bringen, nicht dem eigenen Namen antreten zu wollen. Das Problem löst sich von selbst. Zudem werden die Namen bei den (in der Theorie) öffentlichkeitswirksamen Wahlen ohnehin genannt, es kann darüber berichtet werden.

UnAuf: Wenn man sich als engagierter Studi wählen lässt oder einen Referatsposten annimmt – muss man da eine gewissen Öffentlichkeit nicht in Kauf nehmen?

Ziese: Es gibt ja die Möglichkeit, Kontakt zu Referaten aufzunehmen. Jede RefRat-Seite hat eine E-Mail-Adresse. Man muss bedenken, dass es datenschutzrechtlich unterschiedliche Regelungen gibt, darüber was überhaupt machbar und erlaubt ist. Benutzt man den Vornamen, den kompletten Namen oder die Abkürzung des Nachnamens? Natürlich steht man als Referent*in in der Öffentlichkeit, aber die Themen über die man berichtet, gelten auch unabhängig davon, wer man ist.

Es lohnt sich, Wahlen öffentlichkeitswirksamer zu veranstalten

UnAuf: Kann man das trennen? Wer man ist und was man tut? Ist es für die Studierenden nicht wichtig zu wissen, an wen sie sich wenden können?

Ziese: Das finden die Studis ja raus, sobald sie sich an die Referate wenden. Sobald man sich mit den Leuten trifft, weiß man ja wer da vor einem sitzt.

von Estorff: Das betrifft außerdem die wenigsten Referate, dass sie nichts über sich schreiben wollen. Da kann man sich fragen, warum ist das so? Ist das nicht ein bisschen komisch? Ich glaube es lohnt sich, die Wahlen öffentlichkeitswirksamer zu veranstalten. Es gibt berechtigte Gründe, warum man seinen Namen nicht nennen möchte. Die meisten sind bereit, mit ihrem Namen dafür anzutreten, was sie machen. Wir diskutieren als Liste momentan, dass man seinen Vornamen oder Namen aufschreiben muss, aber, wenn es einen berechtigten Grund gibt, das nicht zu machen, dann muss man das nicht machen. Das sind alles Möglichkeiten, die in dem Gremium besprochen werden. Was am Ende rauskommt, kann ich natürlich nicht sagen.

Ziese: Es gibt den Vorschlag, dass nur das Stupa-Präsidium Zugriff auf die Ämterverteilung hat, um Amtszeit-Überschreitung in dem Sinne nachzuvollziehen. Das ganze Thema ist ein gutes Beispiel für unterschiedliche Meinungen und unterschiedliche Vorschläge, die auch im Gremium besprochen werden. Hier ist es wichtig mit betroffenen Leuten zu sprechen, die unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und die auch wissen, welche rechtlichen Dinge man beachten muss.

UnAuf: Steht grundsätzlich der Datenschutz im Spannungsverhältnis mit einer demokratischen Barrierefreiheit?

von Estorff: Großes Fass. Gesamtpolitisch lässt sich sagen, dass Datenschutz ein Thema ist, was uns alle angeht. Wir begrüßen die Beschließung, die diesbezüglich im europäischen Parlament getroffen wurde. Man muss sich damit beschäftigen. Es macht die Sache nicht einfacher, aber es macht die Sachen gerechter aus Sicht des Personenrechts. Wir wollen es uns ja nicht einfach machen. Wir wollen die Dinge moralisch und ethisch richtig angehen. Es macht es wahrscheinlich schwieriger, aber wir gehen das auch notfalls gerne an.

Es ist eine sehr einseitige Betrachtung der Debatte, wenn man nur AfD-Propaganda unterstellt

UnAuf: In der Begründung eures Antrags heißt es, es gebe eine Vereinnahmung der Debatte um Transparenz von außen, insbesondere durch die AfD. Findet nicht eine Vereinbarung der Debatte auch von innerhalb des StuPas statt, etwa durch die IYSSE? Ist das nicht auch ein Hindernis in der Debatte? Wenn es pauschal heißt, alle, die sich mit Transparenz in der verfassten Studierendenschaft befassen, redeten der AfD das Wort: Wie soll da Zusammenarbeit stattfinden?

Ziese: Was ich da schwierig finde, ist, dass es eine sehr einseitige Betrachtung der Debatte ist, wenn man nur AfD-Propaganda unterstellt. Es geht gerade darum, mit Leuten, die eine bestimmte Perspektive vertreten, in die Diskussion und ins Gespräch zu kommen. Wir hatten auch mit IYSSE mindestens zwei oder drei Vernetzungstreffen, und es war nicht so, dass die unseren Anliegen gegenüber komplett abgeneigt waren. Es ist wichtig, einen Konsens zu finden und gemeinsam was zu schaffen. Auf den Vernetzungstreffen war es aber insgesamt immer etwas schwierig, mal inhaltlich tiefer zu gehen..

von Estorff: Ich glaube, dass dadurch, dass die ganze Debatte schon so emotionalisiert ist, am Anfang eben gleich das große Ganze gesehen wird und man dadurch sehr selten tief an Inhalte geht. Dann wird auch mit Vorurteilen gegenüber bestimmten Listen gespielt und Dinge werden abgelehnt, weil bestimmte Listen oder Menschen daran beteiligt waren. Es war teilweise sehr schwierig, da professionell ranzugehen und zu sagen, wir schauen uns mal den Inhalt an. Dazu sind wir selten gekommen. Dementsprechend sind wir zu unserem Antrag gekommen, weil wir gemerkt haben, dass der Austausch über Inhalte bisher kaum stattgefunden hat.

UnAuf: Ist die AfD tatsächlich so ein großes Problem innerhalb der Hochschulen, wie es einige Akteure im StuPa sagen, oder muss man anders priorisieren?

Ziese: Das ist eine Perspektivfrage. Für verschiedene Listen sind verschiedene Themen wichtig. Für die Liste Bildung und Transparenz sind das zum Beispiel gerade Lehramtsthemen. Es gibt auch Listen, für die das Politikgeschehen wichtiger ist, die den Gesamtkontext sehen, und die sich eventuell schon sehr betroffen fühlen durch die gesamtpolitische Entwicklung.

von Estorff: Es ist schon so, dass sich einige Listen sehr von der AfD auf der Nase herumtanzen lassen. Das zieht sich durch das gesamte Listen- beziehungsweise Parteienspektrum. Aber es ist natürlich schon so, dass die AfD ein Interesse an Hochschulpolitik hat, das hat sie geäußert. Martin Trefzer von der AfD hat vor der StuPa-Wahl dazu aufgerufen, die Chance wahrzunehmen, “jetzt mal richtig aufzuräumen”. Wir werden schon sehr stark angegriffen, das Ziel der AfD ist klar: Diesen “Siff”, wie sie das bezeichnet, wegzuräumen. Aber die Studierenden, vor allem in Berlin, sind sich ja schon ziemlich einig, dass man die AfD nicht an der Hochschule haben will.

UnAuf: Welche Strategie gegen die AfD ist am effektivsten? Was ist wichtiger: Deutliche Abgrenzung kommunizieren, oder sich vor allem um eine gute Arbeit für die Studierendenschaft bemühen und sich auf Hochschulpolitik konzentrieren?

von Estorff: Es geht darum, ganz konkret Dinge zu verbessern für die Studierenden, und zu zeigen, dass diese Kritik, dass die studentische Selbstverwaltung nicht funktioniere oder korrumpiert sei, schlichtweg nicht stimmt. Wir müssen zeigen, dass wir sehr gut funktionieren, wie wichtig die Beratungsangebote sind, dass die wertgeschätzt werden, und dass Studierende sich hier für sich selbst einsetzen können. Wir müssen zeigen: Dafür brauchen wir keine AfD im Senat.

Ziese: Was ich trotzdem wichtig finde, ist, bestimmte Thematiken, die jetzt meinetwegen aus diesem FDP- beziehungsweise AfD-Antrag stammen, trotzdem zu behandeln. Es ist so, dass bestimmte Thematiken eine Ursache haben. Was man in Zukunft anders gestalten kann, mit diesem Anspruch sind wir auch ins StuPa gegangen, ist: Wie kann man neue Konzepte schaffen, wie können wir dort mehr als Einheit auftreten? Wir sind das StuPa, wir sitzen alle in einem Raum und wollen zusammen was machen und gestalten, gute Projekte finanziell unterstützen. Es geht auch darum, zu gucken, wie Dinge laufen, und worauf wir uns auch gerne berufen, ist: Uns ist das WIE wichtig, wie im StuPa geredet wird, wie da die Diskussionskultur ist, die wir bis jetzt ein bisschen bemängeln, wir fühlen uns da nicht richtig wohl. Uns ist die WIE-Frage unglaublich wichtig: Wie gehe ich mit meinem Gegenüber um?

Die momentan politisch brisantesten Anträge sind solche, die das Wie, unser Miteinander, in Frage stellen

UnAuf: Wie kann das WAS, also inhaltliche Arbeit, in Zukunft wieder wichtiger werden?

von Estorff: Momentan sind die größten und politisch brisantesten Anträge, solche, die das WIE in Frage stellen. Wir wollen vor allem Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik im StuPa stärken, was zuvor weniger stattgefunden hat. Wenn wir allerdings sehen, wie im StuPa teilweise rumgeschrien- und sich  beleidigt wird oder die Autorität des Stupa-Präsidiums nicht anerkannt wird, dann kümmern wir uns natürlich darum, wie wir das WIE stärken können, indem wir alle an einen Tisch holen und die Kommunikation verbessern. Und ich glaube, das ist uns mit unserem Antrag auch gelungen.

UnAuf: Die Frage “Wie arbeiten wir?” ist auch beeinflusst vom Verhältnis des StuPas zum Berliner Senat. Der Senat als Geldgeber der Hochschulen hat einen großen Einfluss auf Lehrpersonal, Räume und Curricula. Wäre es nicht wichtig, als StuPa die Anbindung an den Senat zu suchen?

von Estorff: Für mich gibt es hier folgenden Unterschied: Einerseits gibt es das Thema, dass der Berliner Senat uns vorschreibt, wie wir Dinge machen sollen. Wir sagen dem Berliner Senat ja aber auch nicht, wie sie zu arbeiten haben!  Auf der anderen Seite redet man selbstverständlich miteinander, um zu schauen, wie man die Dinge verändern kann. Soweit ich weiß, gibt es die Möglichkeit, dass in der nächsten Neufassung des Berliner Hochschulgesetzes auch Vertreter der Studierendenschaften beteiligt sein sollen.

UnAuf: Gerade weil die Berliner Regierung rot-rot-grün ist, müsste es doch eigentlich viele thematische Gemeinsamkeiten mit dem linken StuPa geben. Trotzdem hat man das Gefühl, dass sich das StuPa sehr in Abgrenzung zum politischen Berlin begreift. Wie kommt das?

Ziese: Ich glaube, das Verhalten gegenüber dem Berliner Senat war von dieser speziellen Transparenz-Thematik geprägt. Wäre das Thema von anderen Parteien initiiert worden, wäre das im StuPa sicherlich auf eine andere Reaktion gestoßen. Gerade weil der Antrag von AFD und FDP kam, und der Akademische Senat und andere HU-Gremien daraufhin mit Drohungen und Aufforderungen an das StuPa herangetreten sind, kam er bei uns nicht so positiv an.

von Estorff: Da, wo es sich lohnt, zusammenzuarbeiten, beispielsweise bei der Hochschulgesetzgebung oder den Verhandlungen zu TV-Stud 3, arbeitet man natürlich zusammen. Ich denke nicht, dass die Leute im StuPa den Berliner Regierungsparteien gegenüber negativ gesinnt sind. Der Kompetenzbereich des Hochschulparlaments ist ja ganz klar abgesteckt. Trotzdem arbeiten man nicht in einem luftleeren Raum.  

Leute die im Hochschulparlament sitzen, sind ja auch sonst politisch aktiv. Ich bin zum Beispiel auch bei der Grünen Jugend. Bengt (Rüstemeier, Anm. d. Red.) ist bei den Jusos.

Die Partizipation der Studierenden anheizen

UnAuf: Welche Themen, abseits von der Debatte um Transparenz und Partizipation, würdet ihr in dieser Legislaturperiode gerne behandelt sehen? 

von Estorff: Wenn wir Ende des Jahres auf das 26. Stupa zurückblicken, wäre es schön, wenn der Arbeitskreis konkrete Ergebnisse vorweisen könnte, sodass dieses Thema von den Studis aus gelöst ist und wir uns weiterbewegen können. Das wir verhindern, dass Amtszeitüberschreitungen stattfinden. Dass wir das Vertrauen ins Stupa nachhaltig gestärkt haben. Dass wir die Partizipation der Studierenden damit anheizen.

Ziese: Natürlich sind uns auch grüne Themen wichtig, etwa das Nachhaltigkeitsbüro, die Ermöglichung der Finanzierung cooler Projekte zur Förderung und Bildung zu nachhaltiger Entwicklung. Ich bin was die HU allgemein angeht sehr enttäuscht. Die HU ist hier nicht vorbildlich. Ich erinnere an das Studium Ökologikum, das jahrelang nicht wirklich durchgehen wollte. Die HU, finde ich, hat einen sehr elitären und altmodischen Charakter. Ich fände es gut, wenn wir mit der Zeit gehen würden, mit  aktuellen Themen, wie Energie- und Ressourcenverbrauch.Diese Themen müssen in alle Fakultäten getragen werden: Im Sozialwissenschaftlichen Institut ist Politik oft ganz oben, und da sind solche Themen häufig präsent. Aber es gibt auch andere Fachschaften und Studienfächer, wo bestimmte Themen noch kein Gehör finden. Das Nachhaltigkeitsbüro spricht aktuell noch eine sehr kleine Menge von Studis an. Hier geht es also wieder um Öffentlichkeitsarbeit: Wie kriege ich Informationen leichter an mehr Menschen.

von Estorff: Momentan ist es so, dass die Studierenden der HU als Studierende aus der Uni gehen, die gesellschaftlich informiert sind und einen Sinn fürs Soziale haben. Wir wollen, dass die Studierenden auch einen Sinn für die Umwelt haben. Umweltverträgliches Handeln wird bisher wenig unterstützt. Es wäre schön, wenn wir am Ende des nächsten Jahres sagen können, dass wir dabei geholfen haben, die HU zu einer grünen Uni zu machen.

 

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