Illustration: Lisa Frühbeis

Unser Redakteur Hannes Schrader traf sich mit Annika Klose von den Jusos

Annika Klose, 22, ist nicht nur für die Jusos im Studierendenparlament, sondern auch in deren Bundesvorstand.

Wieso engagierst du dich in der Hochschulpolitik?

Ich war mit 17 für ein Jahr in Amerika, auf einer öffentlichen Schule. Und die Ungerechtigkeit in der Bildung hat mich einfach umgehauen. Man hat sofort gesehen, wer aus einer reicheren Familie kam und wer ärmer war. Die, die sich viel leisten konnten, waren auch in den besseren Kursen. Und wer zuhause keine Unterstützung bekommen hat, schlechtere Noten hatte, wurde in die schlechteren Kurse gesteckt. Das hat mir echt die Augen geöffnet. Ich habe gemerkt, dass Bildung ein zentrales Mittel für sozialen Aufstieg ist und wie wichtig Bildungsgerechtigkeit ist, um Zukunftschancen zu haben.

Woran mangelt es an der HU?

Die studentische Mitbestimmung an der Uni muss ausgebaut werden. Studierende können immer überstimmt werden, teilweise werden wir nur formal angehört. Egal was wir sagen, wir werden übergangen. Uns werden Beschlussvorlagen nur zum Abnicken vorgelegt. Aber wir müssen auch an der Öffentlichkeitsarbeit des StuPa noch arbeiten. Keiner außerhalb des Parlaments weiß so recht, was wir eigentlich machen und was wir beschließen. Ein großes Thema ist für mich auch Barrierefreiheit – die neue Mensa Süd wurde mit viel Geld umgebaut, aber wenn ich mir vorstelle, dass man da mit seinem Rollstuhl rein muss, zwischen den Schlangen und dem Gedränge, das geht gar nicht.

Jan-Hendrik Olbertz tritt im Oktober ab. Gut so?

Ich bin ziemlich froh, dass Herr Olbertz nicht mehr antritt. Für die Studierenden hat er keinen guten Job gemacht. Wie er mit den Studierendenvertretern im Akademischen Senat umgegangen ist, war echt unter aller Sau. Und auch die Fakultätsreform ist totaler Schwachsinn – da wurden Mitbestimmungsrechte von Studierenden beschnitten, nur damit wir jetzt „Exzellenzuni“ sind. Damit wurde das dann alles durchgeboxt, notfalls auch an uns demokratisch gewählten Vertretern vorbei.

In dieser Serie spricht ein Redakteur jede Ausgabe mit einem Mitglied des Studierendenparlaments.

 

Dieses Interview stammt aus der aktuellen UnAufgefordert (Nr. 230, April 2015).

Hannes ist aus Frankfurt nach Berlin gezogen, hat einen Mac und trinkt gern Club Mate. Typischer Berliner Durchschnittshipster also. Ich schreibe die monatliche Kolumne bei der UnAuf und was mir sonst noch in den Sinn kommt.