Geschrieben von  Anna Balmes, Susanne Hartl, Esra Karakaya

Berlin, 21. Oktober 2013

Das ist das Erste, was du verstehen musst: Israel ist nicht Deutschland.“ So beginnt Shir Meir das Gespräch über die Zeit bei den Israeli Defense Forces (IDF). Zuvor hat sie noch gelacht, sich einen Eiskaffee bestellt, von ihren zahlreichen Besuchen in Deutschland erzählt, bei einer Freundin in Bayern. Die 27-jährige Israelin, die gerade ihren Master im Bereich Elektrotechnik gemacht hat, hat fröhlich erklärt, warum das kleine, zentral gelegene Café nahe des Dizengoff-Centers einer ihrer liebsten Plätze in Tel Aviv sei. Jetzt, da sie über die Armee zu sprechen beginnt, klingt ihre Stimme plötzlich ernst, ihr Blick hat sich verändert, ist eindringlicher.

„Die Gefahr ist allgegenwärtig – sieh dir die Länder um uns herum an“, sagt sie. „Die Situation ist anders bei uns. Und sie ist sicherlich nicht einfach.“

Und tatsächlich: Obwohl auf den ersten Blick gerade in Tel Aviv alles in gewisser Weise vertraut und sicher erscheint – die riesigen Wolkenkratzer, die aus jeder beliebigen europäischen Großstadt bekannten Modefilialen, die modernen Autos auf frisch sanierten Straßen – es liegt eine gewisse Anspannung in der Luft, nur unterschwellig zwar, aber sie ist da. Sie ist da, wenn die eigene Handtasche beim Betreten eines gewöhnlichen Einkaufszentrums auf Waffen durchsucht wird. Sie ist da, wenn man nur nach Vorzeigen des Ausweises auf das Universitätsgelände gelangt. Und sie ist da, wenn man mit den Menschen hier spricht, die in einem Nebensatz erzählen, dass sie eigentlich mal wieder ihre Gasmaske austauschen müssten.

Frauen müssen zwei, Männer sogar drei Jahre lang in der Armee dienen.

„Wir leben in ständiger Bedrohung“, fährt Shir fort, „und so, wie sich die Situation von der in Deutschland unterscheidet, unterscheiden sich auch die IDF von der Bundeswehr.“ Die Armee als Institution sei ein fest verwurzelter Teil der israelischen Gesellschaft und ihrer Kultur.

Die spezielle Bedeutung der IDF findet in der gesetzlichen Regelung der allgemeinen Wehrpflicht ihren Ausdruck. So müssen Frauen in Israel zwei, Männer sogar drei Jahre lang in der Armee dienen. In der Regel gehen sie direkt nach der Schule zu den IDF, die meisten sind dann gerade einmal 18. Möglich sind Einsätze in Kampfeinheiten, aber auch in administrativen Posten oder beim militärischen Nachrichtendienst „Aman“. Die Dienstzeit kann beliebig verlängert werden. In jedem Fall gibt es einen jährlichen Reservedienst für beide Geschlechter, bei dem jeder nach Beendigung der Militärzeit jeweils einen Monat lang in seine ehemalige Einheit zurückkehren muss.

 Für Männer ist eine Verweigerung rechtlich nicht vorgesehen.

„Für Frauen gibt es aber Gründe, weshalb sie von der Wehrpflicht ausgenommen sind, beziehungsweise Wege, wie sie einen Ersatzdienst leisten können“, erklärt Judith Seitz, Co-Autorin des Buches „Israel – Nah im Osten. Einblicke in ein junges Land“. Nicht dienen müssen alle nicht-jüdischen, schwangeren oder verheirateten Frauen sowie israelische Araber. Moslems und Christen sind bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich von der Wehrpflicht befreit. Für jüdische Männer ist eine Verweigerung rechtlich nicht vorgesehen. „Ein Verweigern des Wehrdienstes aus Gewissensgründen, wie es in Deutschland vor Aussetzung der Wehrpflicht möglich war, gibt es in Israel nicht“, so Seitz. „Wehrpflichtige Männer, die nicht dienen wollen, müssen einen sehr langen Prozess durchlaufen, sich vor Gericht verantworten und oftmals eine Gefängnisstrafe absitzen.“

Einer, der trotz bestehender Pflicht keinen Wehrdienst abgeleistet hat, ist Eldad Zion. Er ist 28 Jahre alt, Lehrer für Philosophie und Bibelkunde – und hat mit 18 Jahren den Dienst an der Waffe verweigert. „Vor zehn Jahren waren es persönliche Gründe – heute sind es politische“, erklärt Eldad. „Damals hatte ich in erster Linie Angst. Ich war ziemlich labil zu dieser Zeit.“ Besonders seitens seiner Familie, die sehr militäraffin sei, habe er großen Druck erfahren. „Mein Vater hat sich erhofft, dass ich durch die Zeit in der Armee stabiler werde“, sagt er. „Mein großer Bruder ist Offizier, und meinem Vater wäre es am liebsten gewesen, ich wäre ihm gefolgt.“ Doch das ist er nicht. Zur Zeit seiner Einberufung befand sich Eldad in psychologischer Behandlung. Sein Psychologe verfasste für ihn ein Gutachten, das er bei der zuständigen Militärbehörde einreichte. „Nach dem ersten Brief traf ich mich mit einem Militärpsychologen, der mir ein niedriges Geeignetheitsprofil bescheinigte. Aber auch das befreit einen noch immer nicht vom Wehrdienst“, berichtet Eldad. Nach einem weiteren Briefwechsel und Treffen mit dem Militärpsychologen sei er schließlich befreit worden. Er habe das sogenannte „Profil 21″erfüllt, eine Bezeichnung aus dem israelischen Militärjargon für Leute, die aus körperlichen oder psychologischen Gründen als für den Militärdienst ungeeignet eingestuft werden.

Heute ist Eldad gefestigter – und ein entschiedener Gegner der Wehrpflicht in ihrer derzeitigen Form. „Wenn ich in der Armee bin, dann unterstütze ich automatisch die Besetzung“, meint er. „Dann bin ich ein Besetzer.“ Obwohl er bei seiner Arbeit als Lehrer versuche, sich mit seiner persönlichen Ansicht zurückzuhalten, wolle er seine Schüler dennoch zum Nachdenken anregen. In den letzten zwei Jahren ihrer Ausbildung werden diese bereits auf den Armeedienst vorbereitet. Eldad erzählt von Kasernenbesuchen und Vorträgen von Offizieren in der Schule. „In meiner Rolle als Lehrer sage ich den Schülern klar, dass es nach wie vor eine Entscheidung ist, zur Armee zu gehen – oder eben nicht“, erklärt Eldad, „Auch der Masse zu folgen ist eine Entscheidung.“

Dabei ist es genau die Masse an Wehrdienstleistenden, die die IDF zur schlagkräftigsten Armee des Nahen Ostens macht. Momentan dienen etwa 168.000 junge Israelis in der Armee, zusätzlich stehen 445.000 Reservisten zur Verfügung.

Laut Professor Isaac-Ben Israel, der am „Cohn Institute for the History & Philosophy of Sciences and Ideas“ und der „School of Government and Policy“ an der Universität Tel Aviv (TAU) lehrt, ist es die politische Situation Israels, die die vergleichsweise früh einsetzende und lang andauernde Wehrpflicht rechtfertigt. „Sie brauchen ja nur einmal zu rechnen“, sagt er, „Israel ist ein kleines Land, wir zählen etwa acht Millionen Einwohner. Wir sind umgeben von arabischen Staaten. Zählt man deren Bevölkerungszahlen zusammen, so ergibt das ungefähr 114 Millionen. 114 Millionen im Vergleich zu acht Millionen – es liegt auf der Hand, dass wir einen größeren Prozentsatz der israelischen Bevölkerung brauchen, um eine quantitativ wenigstens gleich starke Armee zu haben. Alles andere käme einem Suizid gleich.“ Dies, so der Professor, der selbst jahrzehntelang in der Israel Air Force (IAF) gedient und zahlreiche militärwissenschaftliche Publikationen veröffentlicht hat, sei auch der Grund für den jährlichen Einzug von Reservisten sowie der Verpflichtung von Frauen zum Wehrdienst. „Allerdings“, erklärt er, „ist die Wehrpflicht für Frauen auch ein Ausdruck der Gleichberechtigung.“

Frauen unterliegen schon seit der Gründung des Staates Israel der allgemeinen Wehrpflicht. Statt in Kampfeinheiten dienten sie früher allerdings ausschließlich in technischen und administrativen Bereichen. Heute stehen ihnen fast alle Posten offen.

Zwar unterliegen Frauen schon seit der Gründung des Staates Israel der Allgemeinen Wehrpflicht. Statt in Kampfeinheiten dienten sie früher allerdings ausschließlich in technischen und administrativen Bereichen. Im Jahre 1994 kam es nach der Klage einer jüdischen Einwanderin zu einer Grundsatzentscheidung des obersten Gerichtes, das befand, die IAF müsse ihre Pilotenausbildung auch Frauen zugänglich machen. Seit 2005 stehen Frauen beinahe alle militärischen Dienstposten offen – der Einsatz in Kampfeinheiten ist für sie aber nach wie vor freiwillig. Viele übernehmen noch immer administrative Aufgaben, so wie Shir, die bei der IAF für die Ausbildung der Piloten zuständig war – oder wie Alona Birnenboim. Die 25-Jährige, die Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der TAU studiert, hat ihre Wehrpflicht beim militärischen Nachrichtendienst abgeleistet. „Ich kann nicht ganz offen darüber reden, da die genauen Abläufe im Nachrichtendienst natürlich geheim bleiben müssen”, merkt sie an. „Grundsätzlich war es meine Aufgabe, Leute für den Nachrichtendienst zu rekrutieren, also Einstellungstests und Befragungen mit ihnen durchzuführen, um zu sehen, wer sich am besten für welchen Posten eignet.” Es sei von enormer Bedeutung, dass versucht werde, für jeden die passende Aufgabe zu finden. „Es gibt wirklich viele Einheiten und anfallende Aufgaben. Ich kenne auch viele Frauen, die in Kampfeinheiten waren, die den männlichen Soldaten das Schießen beigebracht haben, die gelernt haben, wie man einen Panzer fährt. Die Armee”, sagt sie, „ist wie ein riesiges Unternehmen. Es gibt für jeden den passenden Job.”

 Die meisten sind so jung, fast noch Kinder. We’re just kids.

Eine der Frauen, die sich bewusst für den Einsatz in einer Kampfeinheit entschieden hat, ist Elinor. Sie ist 25 Jahre alt, studiert Nahoststudien und Politikwissenschaft – und war Offizierin einer Kampfeinheit der IDF. „Anstatt der für Frauen üblichen zwei habe ich drei Jahre lang gedient“, erzählt sie. „Als Offizier erhält man eine sechsmonatige Zusatzausbildung. Danach sind einem die jüngeren Soldaten unterstellt.“ Sie habe sich für die Laufbahn in einer Kampfeinheit entschieden, weil sie ihrem Land etwas zurückgeben wollte – und weil ihr die Zeit beim Militär auch gefallen habe. „Es geht nicht um Machtgefühle oder dergleichen“, sagt Elinor, „Ich habe mich einfach für die Leute in meiner Einheit verantwortlich gefühlt. Du hälst ihr Leben in deinen Händen, was ein gutes Gefühl ist – und zugleich auch ein schwieriges. Du bist dann für etwas wirklich Wichtiges verantwortlich.“ Nachdenklich fügt sie hinzu: „Ich denke, was die meisten von außerhalb nicht verstehen, ist die grundsätzliche Idee hinter der Sache. Die Idee, dass die Armee aus Menschen besteht, aus normalen Menschen, so wie du und ich. Die meisten, die dienen, sind so jung, fast noch Kinder. Und das ist es, was viele, die nicht hier leben, leicht vergessen. Sie haben dieses Bild von großen, erwachsenen Soldaten im Kopf, aber letztendlich sind wir das nicht. Wir sind bloß Kinder. We’re just kids.”

In der Tat ist dies etwas, das man leicht vergisst, wenn die jungen Israelis fast durchweg positiv von der Armee sprechen – von all den Möglichkeiten, die sie ihnen bietet; von ihrem Pflichtgefühl dafür, das Land zu verteidigen, in dem sie geboren sind; von dem Zusammenhalt innerhalb der Einheiten: Die Soldaten sind meist sehr jung, sie gehen zur Schule, machen ihren Abschluss – und dann ist da ein Einschnitt, wie er tiefer wohl kaum sein könnte. Mit gerade einmal 18 Jahren sehen zumindest jene, die in Kampfeinheiten eingesetzt werden, oft Dinge, die sie sich vorher wohl nicht hätten vorstellen können. Und diese Dinge sind es auch, über die die meisten hier mit uns, verständlicherweise, nicht reden wollen.

Das Unaussprechliche in Worte zu fassen ist das Ziel von „Breaking the Silence“. Die Nichtregierungsorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, die israelische Gesellschaft über die Aktivitäten des Militärs und die damit verbundenen Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht zu informieren. Trotz harscher Kritik seitens der IDF und der israelischen Regierung veröffentlicht die Organisation Berichte ehemaliger Soldaten über ihre Erlebnisse während des Dienstes. Dabei geht es nicht selten um die prekäre Lage in den besetzen Gebieten, aber auch um Aspekte wie posttraumatische Belastungsstörungen. „Wir sind bestrebt, die öffentliche Diskussion anzuregen“, heißt es auf der Internetseite der Organisation, „über eine Realität, in der junge Soldaten sich Tag für Tag mit der Aufgabe konfrontiert sehen, über das Leben einer Zivilbevölkerung zu bestimmen. Die Soldaten, die in den besetzen Gebieten dienen, sehen und beteiligen sich an militärischen Aktivitäten, die sie immens verändern.“

Mit einer solchen Veränderung kann die Unfähigkeit gemeint sein, das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten – man kann sie aber auch als Entwicklung begreifen. So gibt Alona Birnenboim zu bedenken: „Wenn ich junge Israelis mit Europäern oder Amerikanern vergleiche, sehe ich da schon einen Unterschied. Du kannst das wirklich merken. Ich denke, wir sind irgendwie erwachsener. Bereits mit 18 werden wir eingezogen und dann dienen wir unserem Land. Diese Erfahrung macht uns reifer.” Trotzdem könne sie nicht sagen, ob sie auch dann Wehrdienst geleistet hätte, wenn nicht die Pflicht dazu bestünde. „Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich mich freiwillig dazu bereit erklärt hätte. Aber es ist nun einmal so”, erklärt Alona. “Jeder hier geht in die Armee. Es nicht zu tun ist schlicht und ergreifend keine Option, jedenfalls war es das für mich nicht.

Wenn du es nicht machst, fühlt es sich irgendwie verkehrt an, und außerdem wirst du von den Leuten komisch angeschaut. Sie fragen dich, wo du stationiert warst, was du gemacht hast. Es ist einfach normal.”

Die vorherrschend empfundene Selbstverständlichkeit des Wehrdienstes hat sowohl in der Vergangenheit als auch gegenwärtig hitzige Debatten in Israel ausgelöst. So war das israelische Model Bar Refaeli in die Kritik der Öffentlichkeit geraten, als sie sich 2007 der Wehrpflicht entzog, indem sie kurzfristig einen Freund ihrer Familie heiratete und sich kurz darauf wieder von ihm scheiden ließ. „Wenn jeder hier Militärdienst leistet und einige Personen meinen, sie müssten es nicht tun, dann verärgert das die Leute – zu Recht”, meint Shir Meir dazu. „Israel hat uns so viel zu bieten: Eine gute Infrastruktur und Bildung etwa. Und die meisten wollen – und sollten – diesem Land etwas zurückgeben.“

Wenn du es nicht machst, fühlt es sich irgendwie verkehrt an, und außerdem wirst du von den Leuten komisch angeschaut.

Ein weiteres Thema, das in Israel diesbezüglich intensiv diskutiert wird, ist die bisherige Ausnahme von ultraorthodoxen Juden vom Wehrdienst. Im Juli diesen Jahres hat die Regierung einen Gesetzesentwurf verabschiedet, demzufolge auch die Haredim, wie die ultraorthodoxe Bevölkerungsgruppe auch bezeichnet wird, künftig nicht mehr von der Wehrpflicht befreit sind, um sich religiösen Studien zu widmen. Dies hatte innerhalb der streng religiösen Gruppe rege Proteste ausgelöst. “Innerhalb der Gemeinschaft der ultraorthodoxen Juden ist es üblich, sehr früh zu heiraten und möglichst viele Kinder zu bekommen”, erklärt Azar Gat, Gründer und Leiter des Masterstudiengangs für “Diplomacy und Security“ an der TAU. „Dadurch ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung über die Jahre drastisch gestiegen, momentan sind es etwa zehn Prozent, Tendenz steigend. Die männlichen Haredim betrachten es als ihre Lebensaufgabe, die Thora in Institutionen namens Yeshiva zu studieren, weshalb sie nicht arbeiten und vom Staat Israel finanziell unterstützt werden.” Dies, so der Experte, stoße bei großen Teilen der säkularen Bevölkerung Israels auf Ablehnung – ebenso wie die Tatsache, dass die Ultraorthodoxen bislang von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen waren. „Da der Bevölkerungsanteil streng orthodoxer Juden stetig wächst, sie aber Gelder vom Staat bekommen und nicht für den Arbeitsmarkt verfügbar sind, handelt es sich aus wirtschaftlicher Sicht um eine tickende Zeitbombe”, so Gat. “Allerdings ist es für die Haredim aufgrund ihres Glaubens eigentlich gar nicht möglich, die Yeshiva zu verlassen. Man kann sie also – trotz der neuen gesetzlichen Regelung – nicht zum Militärdienst zwingen, das ist einfach unrealisitsch. Daher wird man versuchen, das Problem über die Finanzierung zu lösen und die ultraorthodoxen Juden in den Arbeitsmarkt zu involvieren.”

Ein Thema, das in Israel intensiv diskutiert wird, ist die bisherige Ausnahme von ultraorthodoxen Juden vom Wehrdienst.

Laut Journalistin Judith Seitz sei die Neuerung bezüglich der streng religiösen Bevölkerungsgruppe auf lange Sicht nicht die einzige Änderung, die den Militärdienstes in Israel betrifft. “Ganz langsam verändert sich die Grundhaltung der Israelis zur Wehrpflicht”, merkt die Expertin an. So sähen immer mehr Menschen gerne eine Möglichkeit des Ersatzdienstes auch für Männer. „Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass die Armee irgendwann womöglich ohne Soldaten dastünde, wenn alle verweigerten”, so Seitz. Daher habe der Armeedienst in säkularen und moderat religiösen Kreisen der israelischen Gesellschaft insgesamt nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Wer nicht gedient habe, könne sozial und beruflich noch immer benachteiligt werden.

Eldad Zion hingegen erklärt, in beruflicher Hinsicht habe ihm seine Ausnahme vom Wehrdienst bislang keine Probleme eingebracht. „Du solltest mal meinen Lebenslauf sehen“, lacht er, „der ist so voll mit Praktika und ehrenamtlichem Engagement. Das fällt nicht auf und ist geschickt gemacht.“

Vielleicht werde er wegen seiner kritischen Haltung und dem, was er seinen Schülern sage, irgendwann seinen Job verlieren, er wisse es nicht. Israel verlassen wolle er aber auf keinen Fall. „Selbst, wenn ich diese Regierung und manches in diesem Land kritisiere“, resümiert er, „das ist trotzdem meine Muttersprache, meine Kultur, mein Land. Ich gehöre hierher – und irgendwann möchte ich meine Kinder hier aufwachsen sehen.“

 

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