Foto: Privat

Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 lässt sich nicht so einfach in die großen Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes einordnen. Vielmehr waren es die Studierenden selbst, die das tragische historische Ereignis vom 10. Mai 1933 durchführten. Am 8. Mai 2013 um 19 Uhr wurde im Foyer der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin die Ausstellung “Die Bücherverbrennung in Berlin 1933. Voraussetzungen, Wirkungen, Folgen“ unter dem Motto “Wer weiterliest, wird erschossen…“ eröffnet. Mit ihr soll an die Bücherverbrennung auf dem Opernplatz (heute Bebelplatz) vor der Juristischen Fakultät, damals initiiert vom Deutschen Studentenbund und später getragen von der NSDAP, erinnert werden.

Mit hohem zeitlichen Aufwand und detailgenauer Rekonstruktion erstellte eine Kooperation, bestehend aus dem StudentInnenparlament (StuPa) der HU, der Historischen Kommission und der Humboldt- Initiative (HU-I) im Auftrag des StuPa zehn Gedenktafeln und eine Säule, die fortan bis zum siebten Juni im Foyer der Juristischen Fakultät stehen. Auf ihnen werden ein chronologischer Ablauf der Geschichte der Bücherverbrennung, aber auch Biografien und Zeitdokumente einzelner Betroffener ausführlich dargestellt.

In Gedenken an dieses Verbrechen gegen die Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit sprachen der Dekan der Juristischen Fakultät, Reinhard Singer, die Referentin für Politisches Mandat und Datenschutz im Referent_InnenRat der HU, Charlotte Thieme, der Vizepräsident für Studium und Internationales, Michael Kämper-van den Boogaart und Bernd Schilfert von der HU-I Gruß- und Dankworte für die Ausstellung aus. Während Singer die unrühmliche Rolle der Universität, insbesondere die „Perversion des Rechts“, und Kämper die geringe literarische Resonanz seitens der verbotenen Autoren unterstrichen, hinterfragten Thieme und Schilfert die Rolle der studentischen Selbstverwaltung heute. Sie beklagten das geringe Mitspracherecht und fehlende Möglichkeiten der Selbstorganisation im Alltag der Studierenden. Interessierte Zuhörer wurden dazu animiert, in die Debatte einzusteigen.

Außerdem tat Diplom-Ingenieur Jürgen Breiter seine Unterstützung kund. Im Jahre 2009 initiierte Breiter als Privatperson zum ersten Mal eine Aktion unter dem Motto „Ein Ort zum Lesen“ auf dem Bebelplatz in Erinnerung an die Bücherverbrennung. Die Stühle, die am 10. Mai 2009 auf dem Bebelplatz standen, waren am Tag der diesjährigen Ausstellungseröffnung teilweise die Stühle der Gäste. Der letzte Redebeitrag kam von dem Rechtshistoriker Ralf Oberndörfer, der die Ausstellung inhaltlich erklärte. Im Anschluss konnten sich die etwa 100 Gäste die Ausstellung anschauen oder bei einem Bier über das historische Ereignis diskutieren.

Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 stellt ein symbolhaftes Ereignis der gesellschaftlichen und kulturellen Verdrängung von kritischem und freiem Denken dar. Mit ihr verbanden sich zahlreiche Karrierevernichtungen großer Schriftsteller, die im Konzentrationslager oder im Exil endeten, sowie die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft hin zu Antisemitismus und völkischer Rechts- und Rassenlehre.

Die Ausstellung betont die Tragik, dass es Studierende waren, die die Bücherverbrennung selbstständig durchgeführt haben. Die Universität selbst befand sich zu vielen Teilen bereits in Händen der Nationalsozialisten. Viele bemächtigten sich der Lehrstühle der Rechtswissenschaften, um die völkische Rechtslehre in akademischen Kreisen durchzusetzen. Die Bücherverbrennung bedeutete die Selbstgleichschaltung von Studierenden und Universität.

 

Ausstellungseröffnung: Die Bücherverbrennung in Berlin 1933. Voraussetzungen, Wirkungen, Folgen
Motto: „Wer weiterliest, wird erschossen…“
Ausstellung vom 08. Mai bis 07. Juni 2013
Öffnungszeiten 8:00-21:30 Uhr

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