Eine zerfallende Familie, die plötzlich zwischen Dinosauriern um ihr Überleben kämpfen muss: Das ist schon Thema zahlloser Filme gewesen. Leider reicht diese banale Prämisse und  ein dicker Nostalgieköder auch 2026 noch für ein Drehbuch aus.

Mutter und Vater stehen am Rande einer Scheidung, die Tochter, in den Wirrungen der Jugendliebe verfangen und ihr kleiner Bruder Brian streift mit seinen Jungs um die Häuser der amerikanischen Vorstadtidylle. Am Abend liefert Gregg (Ewan McGregor) noch ein paar Pizzen aus, schließlich möchte er als Familienvater für seine Kinder sorgen. Seine Frau Denise (Anne Hathaway) schreibt derweil im Keller heimlich an ihrem Buch: Eine Geschichte über eine Hausfrau, die schweren Herzens ihre Familie verlässt. Brian (Christian Convery) kann nicht schlafen und sieht im Garten seinen Hund, der ein mysteriöses blendendes Licht anbellt. Über die nächsten Tage tauchen immer mehr Absurditäten in den Gärten der Oak Street auf. Eine vor 200 Millionen Jahren ausgestorbene Pflanze, ein gigantischer Kothaufen sorgen für Furore und letztendlich laufen Dinosaurier durch die Nachbarschaft. Ohne Strom und Wasser und mit einem Haufen aggressiver Urzeit-Kreaturen vor der Tür verbarrikadiert sich die Familie vorerst im Haus. Doch wie sollen sie wieder heil zurück in ihr altes Leben kommen, wenn sie nicht einmal wissen, was passiert ist?

The End of Oak Street ist eigentlich der perfekte Streaming-Film. Eine catchy Prämisse, die man der Kollegin noch schnell in zwei Sätzen im Vorbeigehen erklären kann, bekannte Gesichter, eindrucksvolle CGI-Dinos und auch noch im Nebenzimmer vom Wäscheständer aus verständlich. Da bleibt natürlich kein Platz für charakterliche Tiefe, spannende Twists oder emotionales Investment. Stattdessen versucht Regisseur David Robert Mitchell mit der Ästhetik eines Spielberg Familienfilmes zu ködern. Dazu ein paar zu viele Split Diopter Shots a lá Brian de Palma, die grundlos in banale Szenen versenkt werden und tada, am Ende kommt schon irgendwie ein Kinofilm dabei raus. Doch all das kann nicht die schrecklich klischeehafte Handlung vertuschen. Bis auf eine Handvoll Szenen wurde sich wie beim Buffet aus sämtlichen Vertretern des Dino-Genres bedient. Keine Kameraeinstellung ist kreativ, kaum ein Szenario neu gedacht und keine Entwicklung kann überraschen. Was passiert, wenn der Hund verloren geht, was widerfährt dem unfreundlichen Nachbarn und wird das helle Licht aus dem Garten wohl nochmal eine Bedeutung haben? Das Drehbuch schreibt sich quasi von selbst.

Trotz alledem ist der, Film erfrischend klug darin, seine Figuren Probleme lösen zu lassen. Es gibt keine sinnlosen Diskussionen in gefährlichen Momenten, wenn die Zeit es erlaubt, wird sogar gemeinsam über mögliche Lösungen beraten und generell macht sich niemand durch eine besonders dumme Aktion schuldig. Vor allem wenn die Figuren ehrlich miteinander sind, werden einige lustige Szenarien kreiert, die für den ein oder anderen Lacher sorgen. Die wohl größte Stärke liegt allerdings im Tempo. Mit gerade einmal 100 Minuten Länge wird jede Szene mit Bedacht genutzt. Mitchell balanciert galant zwischen Verfolgungsjagd, Familienzusammenhalt und sogar leicht unheimlichen Sequenzen, ohne an Momentum zu verlieren. Kurz nach der Hälfte wird die Handlung durch einen Kniff plötzlich überraschend konsequent, nur um dann wieder vom katastrophalen Ende ruiniert zu werden.

Wer in seinem Leben noch nicht mehr als drei Familienfilme gesehen hat, dem eröffnet sich hier vielleicht eine Welt voller neuer Eindrücke, aber für den Rest – und es tut im Herzen weh – ist das keinen Kinogang wert.


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