Richard Gamp (23) von der CDU tritt bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen am 20. September als Direktkandidat für Frohnau-Hermsdorf an. Im Interview erzählt er, warum er nichts von der Mietpreisbremse hält und wen er statt Ikkimel gern im MoMa sehen würde.
Das gesamte Gespräch findet ihr hier:
UnAuf: Was ist für dich das Schlimmste an Berlin?
Richard Gamp: Dass man sich abends nicht überall in dieser Stadt raus traut ohne ein mulmiges Gefühl und dass diese Stadt im Müll und im Dreck versinkt.
UnAuf: Wie bist du zur CDU gekommen?
Richard Gamp: Ich habe mir verschiedene Parteien angeschaut, war auch bei den Grünen und der FDP. Bei der CDU gab es die Möglichkeit, sofort mitzureden. Das fand ich toll. Ich wollte mich nie nur beschweren, sondern etwas besser machen. Ich habe gesehen: Wenn man ein paar Leute hinter sich vereint, kann man auch etwas verändern.
UnAuf: Du hast gerade dein erstes Jura-Staatsexamen gemacht. Wie hast du das mit dem Wahlkampf kombiniert?
Richard Gamp: Ich habe eigentlich immer parallel zum Studium gearbeitet. Während der Examensvorbereitung habe ich morgens um sieben angefangen und bis 22 Uhr gelernt oder gearbeitet. Ich wollte auf nichts verzichten. Natürlich ist das für das Privatleben nicht optimal, weil man Freundschaften vernachlässigt. Aber letztlich ist es eben eine persönliche Entscheidung.
UnAuf: 2014 stimmte eine Mehrheit der Berliner*innen gegen eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Warum setzt du dich trotzdem dafür ein?
Richard Gamp: Der Volksentscheid fand 2014 unter ganz anderen Vorzeichen statt. Heute fehlen in Berlin 150.000 bis 200.000 Wohnungen und wir müssen nach weiteren Optionen schauen. Ich persönlich habe lieber neue Wohnungen als ein Vogelschutzgebiet mitten in der Stadt. Politik kann es eben nicht allen recht machen, aber jede Wohnung, die dort gebaut wird, lindert die Wohnungsnot.
UnAuf: Du setzt auf Neubau durch private Investoren und die Nutzung von Leerstand. Wie lassen sich dabei Gentrifizierung und Verdrängung verhindern?
Richard Gamp: Die Durchschnittsmiete in Berlin beträgt 7,71 Euro. Das ist wenig und das gönne ich jedem Einzelnen, aber wir müssen akzeptieren, dass es in einer Weltstadt wie Berlin nicht normal ist, zu diesem Preis neu zu vermieten. Es ist ja nicht so, dass bei einem Anstieg von 7,71 Euro auf 8,71 Euro direkt alle wegziehen müssten. Aber wir brauchen Investitionen und dazu gehört dann auch, dass Preise steigen. Das muss sozial gerecht passieren, aber die Mieten werden sich eben entwickeln – so wie übrigens auch die Reallöhne in Berlin.
UnAuf: Wie soll Junges Wohnen für Student*innen oder Auszubildende ohne Vollzeitjob gefördert werden?
Richard Gamp: Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften müssen mehr Studentenapartments bauen. Das ist in den vergangenen Jahren aus meiner Sicht zu wenig passiert. Außerdem sehe ich großes Potenzial bei der Umnutzung von Büros zu Wohnungen. In Berlin stehen rund zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Die Grünen haben beispielsweise die Idee, daraus Co-Living-Angebote zu machen, also große WGs mit kleinen Schlafräumen.
UnAuf: Inzwischen wohnst du ja wieder in deinem Wahlgebiet Frohnau-Hermsdorf. Dort wurde kürzlich ein großes Wahlplakat mit deinem Gesicht beschmiert und du wurdest als Nazi bezeichnet. Was hast du da empfunden?
Richard Gamp: Ich habe mich geärgert und gleichzeitig motiviert gefühlt, für dieses Land und meine Meinung zu kämpfen. Ich lasse mich doch nicht unterdrücken. Ich glaube auch, dass das absolut kontraproduktiv ist. Mir bringt das nämlich viel Unterstützung aus der Bevölkerung ein, weil die Leute sagen: Was geht denn hier eigentlich ab?
UnAuf: Willst du dein ganzes Leben lang Politiker bleiben?
Richard Gamp: Auf keinen Fall. Ich finde es schlimm, wenn Politiker an ihren Ämtern kleben und immer weitermachen. Ich würde mich als relativ mutig, ehrlich und meinungsstark bezeichnen. Wenn ich jetzt gewählt werde, ist das cool. Dann versuche ich, in diesen fünf Jahren etwas zu erreichen, aber ich will nicht 40 Jahre Politik machen. Ich habe immer überlegt, ob ich mal Anwalt oder Richter werde oder was Unternehmerisches mache.
UnAuf: Du sprichst oft von „mutiger Politik“ und distanzierst dich dabei auch von deiner eigenen Partei. Wie kommt das an?
Richard Gamp: Ich bin jung, habe ein paar Überzeugungen und dann empfinde ich es auch als meine Pflicht, das sehr klar und deutlich zu machen. Natürlich sorgt das in meiner Partei nicht nur für Jubelrufe, aber ich glaube, dass es genau das jetzt braucht. Und ich erlebe viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Viele sagen: Endlich traut sich auch mal einer, die Dinge auszusprechen. Das ist aus meiner Sicht auch das beste Mittel gegen Populisten von links und rechts: Ehrlichkeit in der Politik.
UnAuf: Um noch mal zu einer anderen Überzeugung von dir zu kommen: Du hast Ikkimels Auftritt im Morgenmagazin kritisiert. Warum?
Richard Gamp: Ich finde, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind linksgrüne Meinungen überrepräsentiert. Die Gesamtgesellschaft findet sich da nicht wieder. Natürlich soll auch Kultur ihren Platz haben, aber ich glaube, solche Auftritte tragen zum Frust über den Rundfunk bei. Die Leute sehen das und fragen sich: Wo sind wir hier gelandet?
UnAuf: In deiner Schulzeit hast du unter dem Pseudonym DJ Richi aufgelegt, du bist also quasi Experte. Wen würdest du denn lieber im MoMa hören?
Richard Gamp: Das ist ein Verbrechen an einem echten DJ, mich so zu bezeichnen. (lacht) Ich habe nur bei Schulpartys aufgelegt. Im Morgenmagazin würde ich aber lieber Wissenschaftler sehen.
UnAuf: Die CDU-Bezirksverordnete Aileen Weibeler hat kürzlich eine Debatte über ein Freibad vor der Volksbühne ausgelöst, das einen Tag lang nur für Schwarze öffnen wollte. Sie sprach von Diskriminierung gegen Weiße. Wie stehst du dazu?
Richard Gamp: Ich bin da Team Aileen, ganz klar. Für mich ist das eine Unterscheidung nach Hautfarbe und damit eine Ungleichbehandlung aufgrund eines äußerlichen Merkmals. Der deutsche Staat – in diesem Fall Berlin – sollte so etwas nicht finanzieren. Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass wir Rassismus in der Gesellschaft hinnehmen und deshalb solche Safe Spaces schaffen. Stattdessen müssen wir Rassismus bekämpfen.
UnAuf: Also setzt du dich für rassismuskritische Programme ein?
Richard Gamp: Weiß ich gar nicht – ich glaube, dass das, was politisch getan wird, unglaublich teuer ist und wenig bringt. Aus meiner Sicht, als Haushaltspolitiker, muss da überall geprüft werden, ob das wirklich irgendwas bringt und das Geld auch ankommt.
UnAuf: Wir wollen natürlich auch über Hochschul-Themen reden: Die CDU will die Zusammenarbeit zwischen Berliner Hochschulen und der Bundeswehr stärken und die Zivilklausel an Hochschulen abschaffen. Wäre das nicht ein Eingriff in die Hochschulautonomie?
Richard Gamp: Ja, das wäre es. Und zwar kein geringfügiger Eingriff, aber einer, der in Anbetracht der aktuellen geopolitischen Lage nötig ist. Wir erleben, dass etwa Russland – Stichwort Leipzig – feindliche, wenn nicht gar kriegerische Aktionen auf unserem Staatsgebiet vornimmt. Unsere Sicherheit ist gefährdet. Deshalb müssen wir zumindest Freiraum für Forschung zulassen. Die Zivilklausel ist in der jetzigen Lage nicht mehr angemessen.
UnAuf: Im Wahlprogramm steht auch, dass das Studierendenparlament aufgrund der geringen Wahlbeteiligung weniger Einfluss haben soll. Wie lässt sich die studentische Beteiligung erhöhen?
Richard Gamp: Zum Beispiel durch die Ausweitung von Wahlmöglichkeiten. Vielleicht bekommt man ein digitales Wahlformat hin oder kann analoge Wahlen stärker in den Unialltag einbinden. Aber das ist – und ich verstehe nicht, warum – bisher nicht gelungen und solange das nicht der Fall ist, sehe ich da keine demokratische Legitimation.
UnAuf: Unsere letzte Frage: Glaubst du, dass du am 20. September ins Abgeordnetenhaus gewählt wirst?
Richard Gamp: Ich hoffe es. Sonst würde ich das alles nicht machen. Ich bin optimistisch, weil ich viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalte und einen Wahlkreis habe, der strukturell für mich relativ dankbar ist. Aufgeben ist keine Option, insofern heißt es bis zum 20. September: Vollgas!
Worüber Richard Gamp in seinem eigenen Podcast redet, ob er lieber in der Kneipe oder am Späti sitzt und mit wem er im AGH gern koalieren würde, erfahrt ihr in unserer Podcastepisode.







