Von einer Creepypasta zu einem lang erwarteten Film: Kane Parsons und A24 bringen nun das Mysterium der Backrooms als atmosphärischen Horror auf die Leinwand. Doch wer die endlosen, unheimlichen Korridore der Backrooms betritt, sollte sich fragen: Will man ihr Geheimnis überhaupt entschlüsseln?

Das Konzept der Backrooms entstand ursprünglich aus einem anonym veröffentlichten Bild eines leeren, gelb beleuchteten Möbelhauses in Wisconsin und entwickelte sich zu moderner Internet Folklore. Im Kern stehen sogenannte liminale Räume: vertraute Orte wie Hotels, Büros oder Geschäfte, die durch ihre Menschenlosigkeit eine unheimliche Atmosphäre erzeugen. Steriles Licht, monotone Korridore und eine endlose Leere: Was einst vertraut und beruhigend wirkte, wird in den Backrooms plötzlich befremdlich, während Vergangenheit und Gegenwart in der Wahrnehmung miteinander verschmelzen.

2022 startete Regisseur Kane Parsons eine von den Backrooms inspirierte YouTube-Serie. Nun hat er die Welt der Backrooms gemeinsam mit A24 zu seinem Spielfilmdebüt ausgebaut. Dabei wird deutlich, wie tief Parsons in die Mythologie und Themenwelt eingetaucht ist – seine Begeisterung für das Material ist spürbar in jeder Szene des Films.

Clark (Chiwetel Ejiofor) kämpft mit den Folgen von Alkoholabhängigkeit, einer gescheiterten Ehe und dem Verlust seines Zuhauses. Unterstützung sucht er bei der Psychologin Mary (Renate Reinsve), während er seinen Alltag in den endlosen Gängen des festgefahrenen Möbelhauses Cap’n Clark’s Ottomane Empire verbringt. Eines Nachts stößt er hinter einer Wand auf einen verborgenen Zugang zu einem rätselhaften Raum, der die Grenzen des Geschäfts ins Unendliche auszudehnen scheint.

BACKROOMS-Still 01-© Courtesy of A24

Viele der Szenen wurden auf einer klassischen 16mm-Handkamera gedreht, dann auf VHS überspielt und anschließend erneut digitalisiert. Dieses Verfahren spiegelt nicht nur die Ästhetik von Parsons‘ ursprünglicher YouTube-Serie wieder, sondern verleiht dem Film auch ein starkes Nostalgiegefühl. Die vertraute Home-Video-Qualität zieht die Zuschauer näher an das Geschehen heran und lässt die wackelige Kameraführung sowie den Horror auf der Leinwand zutiefst persönlich wirken. Viele Szenen erinnern an den Found-Footage-Horror der 90er Jahre, wie etwa das Blair Witch Project (1999) oder The Last Broadcast (1998).

Die Außenwelt des Films ist dabei in helle Blau- und warme Orangetöne getaucht – besonders in den Häusern der Figuren –, was eine Atmosphäre von Komfort und Vertrautheit schafft. Im Gegensatz dazu wirken die Backrooms visuell aufwühlend: Sie sind von aggressiven Gelb- und Grüntönen geprägt, was das Erlebnis sowohl für die Charaktere als auch für das Publikum zutiefst unbehaglich macht.

BACKROOMS-Still 07-© Courtesy of A24

Die größte Stärke des Films liegt jedoch in seiner Liebe zum Detail: Kein Objekt wirkt zufällig. Aufmerksame Zuschauer werden bemerken, dass wiederkehrende Gegenstände aus den Backrooms auch in der Außenwelt und in den Erinnerungen der Figuren auftauchen, wodurch ein Netz aus visuellen Assoziationen entsteht. Durch diese Details enthüllt der Film die Psychologie seiner Charaktere und gibt Gedanken und Emotionen eine Form, ohne dass sie explizit ausgesprochen werden müssen.

Während die Leistungen des gesamten Hauptcasts solide sind, sticht Renate Reinsve besonders hervor. Ihre nuancierte Darstellung zieht die Zuschauer in die ruhige, distanzierte Präsenz von Mary, die ihr eigenes Trauma hinter der konsequenten Bereitschaft für ihre Patienten verbirgt. Trotz ihrer begrenzten Screentime sorgen Lukita Maxwell und Finn Bennett für einige gelungene Comedic Relief-Momente. Gleichzeitig dienen sie als Identifikationsfiguren der Gen Z und helfen dabei, das ursprünglich aus der Internetkultur stammende Backrooms-Konzept in ihrer gegenwärtigen Perspektive zu repräsentieren.

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Der eigentliche Protagonist des Films sind jedoch die Backrooms selbst: Mit ihrem Labyrinth aus Teppichböden, vergilbten Wänden und grellem Neonlicht erzeugen sie eine Atmosphäre, in der Erinnerungen plötzlich verzerrt wirken und dadurch in dem Zuschauer ein beinahe erdrückendes Gefühl auslösen. Ein surrealer Zwischenraum, in dem jeder Ort gleichzeitig vertraut und fremd erscheint.

Während Setting, Produktionsdesign und Kameraführung zu den Stärken des Films gehören, zeigt sich seine größte Schwäche im letzten Akt. Sobald die Geschichte von der Erkundung der Backrooms endet und nach einer Erklärung des Mysteriums gesucht wird, verliert sie zunehmend an Intensität und Spannung. Statt weiterhin auf seine subtile, metaphorische Erzählweise zu setzen, beginnt der Film seine Auslegung sehr direkt auszuformulieren und lässt dem Publikum dabei kaum noch Raum für eigene Interpretation.

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Letztlich ist Backrooms immer dann am stärksten, wenn es Ambiguität zulässt und Bedeutungen nicht erklärt, sondern durch Atmosphäre, Bildsprache und Implikationen entstehen lässt. Mit seiner verstörenden visuellen Gestaltung und subtilen Spannungsaufbau fängt der Film die ultimative Essenz der Backrooms ein: den Schrecken, wenn Vertrautes auf einmal zutiefst befremdlich wirkt.


Foto: BACKROOMS-Still 06-© Courtesy of A24