Sieben Jahre lang gab es keinen neuen Star Wars Film. Nun ist es soweit, doch die Filmlandschaft hat sich gewandelt. Funktioniert das Megafranchise noch heute?
Nach drei Staffeln The Mandalorian, sowie einer Staffel The Book of Boba Fett und Ahsoka in denen über Jahre hinweg die Geschichte von den Anfängen der Neuen Republik erzählt wurde könnte man meinen, dass sich Star Wars: The Mandalorian and Grogu vornimmt all die ausgeworfenen Fäden zusammenzuführen, um diese Ära gebührend abzuschließen. Stattdessen ist der Film als „Standalone Adventure” konzipiert, das sowohl für ein neues Publikum zugänglich als sich auch für Altes lohnen soll. Der vermeintlich sichere Weg, vor allem, wenn man die negative Resonanz nach der dritten Staffel The Mandalorian betrachtet. Alle relevanten Informationen werden noch einmal in zwei Textblöcken durchgekaut und schon geht’s los ins Abenteuer. Diesmal soll der Mandalorianer (Pedro Pascal, in der Rüstung auch Brendan Wayne und Lateef Crowder), zusammen mit seinem Findelkind Grogu, für die Neue Republik die imperialen Warlords jagen. Nach einer peppigen Actioneröffnung samt mittelmäßig beeindruckendem One Take ist der Erste auch schon beseitigt und die nächste Aufgabe steht an. Diese führt den Kopfgeldjäger zu den Hutten, diese Untergrundlords übermitteln ihm die benötigten Informationen allerdings nur, wenn er ihren Neffen Rotta befreit und schon nimmt die questartige Geschichte ihren Lauf.
Ein spaßiger gefühlloser Sandkasten
Gehe hierhin, mache das, gehe dorthin und mache das. Ungefähr so fühlt sich jedes moderne Open World Videospiel an und gerade daran haben sich die Drehbuchautoren Filoni, Kloor und Favreau orientiert. Ähnlich wie bei den neueren Mission Impossible Filmen wurden sich vermutlich zuerst ein Haufen an Action-Szenarien ausgedacht, um im Anschluss durch Spucke, Panzertape und ganz viel Plot Convenience irgendwie eine zusammenhängende Geschichte zu basteln. Das hat zwar den Nachteil, dass einem im Kinosessel auf keinen Fall das Gehirn angehen darf, allerdings auch den Vorteil, dass auf ein spaßiges Erlebnis gleich das Nächste folgt. Mal Top Gun, mal Blade Runner, dann wieder Western oder Gladiator, der Mandalorianer kämpft sich durch Monsterarenen, jagt durch dreckige Häuserschluchten oder ringt mit gigantischen Wasserschlangen im Sumpf, ohne das sich der Sinn recht erschließt .
Leider wird zwischendurch immer wieder ein kläglicher Versuch gestartet, etwas Emotionales zu erzählen. Nur kommt in keiner Sekunde irgendein Gefühl beim Publikum an. Die Hauptfiguren wirken unverwundbar, alle Probleme sind mit einmal Blinzeln gelöst und der Mandalorianer tötet sich über zwei Stunden durch hunderte Gegner hindurch. Trotzdem dürfen die wandelnden Massenmörder niemanden zu explizit verletzen, die FSK 12 muss schließlich um jeden Preis beibehalten werden. Was bleibt, sind visuell recht imposante Shootouts, mit Göranssons fetziger Musik unterlegt – in der Pressevorführung auf einer IMAX Leinwand haut das schon rein.
The Mandalorian und Grogu ist eine extralange, hoch budgetierte Folge der Serie, statt sich in die Saga der elf Star Wars Kinofilme einzureihen. Auf der einen Seite schade, denn Streamingcontent gibt es heutzutage genug, auf der anderen Seite war es vielleicht gerade der richtige Schritt, so hat doch Solo: A Star Wars Story gezeigt, dass nicht jede Geschichte den Anforderungen der Kinogänger*innen gewachsen ist. Besonders wenn dieses Mal weder ein Gareth Edwards/Tony Gilroy, wie bei Rogue One, noch ein Ron Howard, wie bei Solo, für die Regie zur Verfügung stand und sich mit Jon Favreau begnügt werden musste.
Noch Charakter oder nur noch Rüstung?
Zwischendurch springt noch der Lasat Zeb (gesprochen von Steve Blum) herum, den die langjährigen Fans noch aus Rebels kennen. Allerdings hätte man hier auch einfach jeden beliebigen Mitarbeiter aus dem HR-Team in eine Pilotenuniform stecken und vor die Kamera schieben können, denn sein über 76 Episoden etablierter Charakter fällt im Film vollständig weg. Auch Rotta the Hutt (gesprochen von Jeremy Allen White), dem Sohn des ikonischen Jabba, an den sich einige aus dem Star Wars: The Clone Wars Film erinnern können, beschränkt sich charakterlich auf ein schlichtes „Ich möchte nicht wie mein Vater sein”. Als fünftes Castmitglied steht dann schon Martin Scorsese auf der Liste, der als Synchronrolle für einen vierarmigen Imbissverkäufer in seinen etwa drei Minuten Screentime nicht nur eine Minute länger zu hören als Pedro Pascal zu sehen ist, sondern auch in dieser kurzen Zeit noch am meisten Elan für seine Rolle mitbringt. Vor allem Pascals titelgebender Mandalorianer wird von ihm mit einer solchen Monotonie gesprochen, dass seine Leistung an Arbeitsverweigerung grenzt. Wenn man unter dem Helm dann auch noch jeweils Stunt- und Suit Performer hat, ist fraglich, wie oft man ihn hier wirklich im Film sieht. Sein kleiner grüner Gefährte hat bis kurz vor dem Ende recht wenig zu tun und hält eher für Witze und als Merchandising-Produkt her.
Die Zeit, in der Figuren eine Entwicklung durchgemacht haben, ist bei Star Wars nun auch endgültig vorbei. Schon Ahsoka, die in ihrer eigenen Serie für qualvolle acht Folgen nichtssagend durch die Gegend geblickt hat, um dann am Ende gerade noch das bare minimum an Entwicklung zu vollziehen, deutete eine solche Entwicklung an. Nach der dritten Staffel von The Mandalorian, die sich, aus Mangel einer erzählbaren Geschichte über ihre Hauptfigur, mehr um Bo Katan drehte, schließt sich der neueste Film diesem Muster an.
Von Darth Vader zu schmierigen Schnecken und Salzgangs
Statt auf einen inneren Konflikt zu setzen, wird eine neue „Bedrohung“ etabliert, die gleich aus mehreren Gründen nicht funktioniert. Der imperiale Warlord und die Hutten werden zwar elendig lange als große Gefahren aufgebaut, gezeigt wird allerdings nie richtig, warum sie denn beseitigt gehören. Bei der Einmannarmee in Beskarrüstung, die schon in den ersten zehn Minuten gleich drei gewaltige Kampfläufer samt 100-köpfiger Bemannung im Alleingang vernichtet, braucht sich keine*r vor Konsequenzen für auch nur irgendetwas zu fürchten. Vor allem das Finale des Filmes gerät durch den fehlenden Unterbau ins Wanken. Zudem bremst die Erzählung kurz vor dem Ende noch einmal stark ab und verliert dadurch viel von dem, was bisher gut funktioniert hat. Zwar wäre ein Gegenspieler in dem Kaliber von Darth Vader hier weit über das Ziel hinausgeschossen, doch Andor hat erst vor kurzem, wie in so ziemlich jedem anderen Aspekt, gezeigt, wie es funktionieren kann.
Was bleibt sind über zwei Stunden mit viel spaßiger Action und wenig Substanz und als solches funktioniert der Film recht gut. Familien mit Kindern oder Fans der Serie bekommen wohl gerade das, was sie erwarten: einen leichten Abenteuerfilm, der sich nur durch 100 Millionen Dollar Budget und die Magie einer Kinoleinwand von Disney+ auf dem Fernseher abhebt. Alle, die die für Star Wars typischen, großen Themen oder eine pompöse Space Opera erwarten, werden das Kino wohl enttäuscht verlassen.
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