In dem heiß erwarteten Historiendrama The King zeigt sich ,,Call Me By Your Name”-Star Timothée Chalamet von einer ganz neuen Seite. Die Netflixproduktion zeigt den Reifeprozess des jungen Königs Henry V.

Mit schlammverschmiertem Gesicht erhebt sich der junge König von dem mit Leichen versehenen Schlachtfeld. In wenig royaler Art schaut Henry der V. (Timothée Chalamet) nicht vom Rand zu, sondern metzelt sich selbst durch das von Schlamm durchtränkte Feld. Timothée Chalamets Nahkampfähigkeiten sind durchaus beeindruckend, wenn auch meilenweit entfernt von seiner Rolle als Klavierspielenden Elio Perlman aus Call Me By Your Name, mit der Chalamet 2017 sogar eine Oscar-Nominierung erhielt. Der Kontrast könnte nicht größer sein, denn im Gegensatz zu der sonnigen Romanze in Italien geht es in England im frühen 15. Jahrhundert weniger seicht zu. 

Vom Partyprinz zum König

Das wilde Partyleben des 26-jährigen Henry V. endet abrupt nach dem Tod seines Vaters (Ben Mendelsohn), da er als ältester Sohn nun den Thron von England besteigen muss. Im historischen Epos des Regisseurs David Michod steht vor allem Henrys Reifeprozess vom ständig betrunkenen Kneipengänger zum Herrscher eines Königreiches im Mittelpunkt. Am Hof vergeht ihm das Lachen schnell, da Provokationen des französischen Hofes einen Krieg auslösen könnten. Nach einem versuchten Mordanschlag an ihm, ist Henry unsicher, welchen Gefolgsleuten er noch trauen kann. Er ringt um Kontrolle und mit der Bürde, die die Krone mit sich bringt.  

Die düstere Atmosphäre der Zeit schlägt sich visuell beeindruckend in stimmungsvollen Bildern nieder, die sowohl die bedrückende Enge in der Festung, als auch die schiere Weite auf den Schlachtfeldern einfangen. Die Kriegsszenen, die zu den stärksten des Films gehören, sind ebenso brutal wie aufrüttelnd. Exzessive Gewalt untermauert hier die Sinnlosigkeit der ewigen Kriege.   

Wer nicht Geschichte studiert oder von historischen Filmen eher nicht gefesselt ist, wird vielleicht seine Probleme haben der zähen Story zu folgen, die von Langsamkeit und Dialogen geprägt ist. Schauspielerisch überzeugt der Hauptdarsteller Timothée Chalamet auf voller Länge. Er trägt den Film mit stoischer Reserviertheit und auch in aggressiven Ausbrüchen ist sein Mienenspiel perfekt. Als unterhaltsames Highlight fungiert der Dauphin von Frankreich, verkörpert von Robert Pattinson. Mit seinem akkuraten, wenn auch lustigen französischem Akzent bringt er einen unerwarteten Gegenspieler ins Rennen, der in seiner Absurdität schon fast wieder realistisch wirkt.  

Ein nicht zufriedenstellendes Epos

Auch Lily-Rose Depp als französische Prinzessin Catherine de Valois liefert zum Ende des Films einen der wichtigsten und intensivsten Dialoge mit Henry. Gerne würde man diesen Nebendarsteller*innen länger zusehen, doch sie verschwinden genauso schnell, wie sie gekommen sind. Dieser Cast verdient mehr: mehr Plot, mehr Intensität, doch leider bekommen weder die Schauspieler noch die Zuschauer ganz das Epos, das sie verdient hätten. 

Wer ein historisches Setting mag und gegen ein bisschen trockene Geschichtserzählung nichts einzuwenden hat, wird gut unterhalten werden. Leider bietet The King in diesem Genre auch nichts Neues, sondern erfüllt lediglich die Erwartungen. Schön anzusehen ist der Film jedoch auf alle Fälle, wenn auch die gewöhnungsbedürftigen mittelalterlichen Frisuren nicht unbedingt zum Nachahmen einladen.

 

3 von 5 Humboldts

The King
Regie: David Michôd
Länge: 140 Min
Verfügbar auf Netflix
Produktionsland: USA, Australien, Vereinigtes Königreich

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