Gebäude der HU: Universitätsstraße 3B

Die Humboldt-Universität besteht aus unzähligen Gebäuden und hinter jedem einzelnen steckt eine Geschichte. An dieser Stelle wollen wir sie erzählen. Diesmal: Die Universitätsstraße 3b.

 

Mitten im akademischen Epizentrum der Humboldt-Universität, am studentischen „Highway“ zwischen Grimm-Zentrum und Hauptgebäude, liegt das Institut für Sozialwissenschaften. Das vierstöckige Gebäude steht an der Ecke von Georgen- und Universitätsstraße, die früher einmal den weniger ehrwürdigen Namen „Stallgasse“ trug.
Als das Gebäude im Jahr 1904 nach einem Entwurf von Otto Richter erbaut wurde, war es eines der ersten Häuser in Berlin, das nicht zum Wohnen, sondern ausschließlich für gewerbliche Nutzung gedacht war. Prunkvoller Stuck und Statuen an der Außenfassade sowie vier auf Balkone zulaufende Erker verliehen dem ansonsten schlicht konzipierten Gebäude das gewisse Etwas. Diese elegante Mischung von Elementen aus Jugendstil, Barock und Renaissance wurde von Kommentatoren im 20. Jahrhundert als äußerst zeitgemäß gewürdigt. Noch wichtiger: Die Außendekoration ließ die Möglichkeit offen, das Gebäude gegebenenfalls auch als Heimstatt für Luxus-Liebhaber umzufunktionieren. Aber der Plan zur gewerblichen Nutzung ging auf: In den ersten Jahrzehnten nach dem Bau
Ein Haus, kein Zuhausedes Hauses vertrieben wohlhabende Kaufläute dort ihre Waren, bis das Haus 1936 von der Universität übernommen wurde. Seit 1993 beherbergt es das damals neu gegründete Institut für Sozialwissenschaften.
Bis heute wachen die Figurinen aus Sandstein über dem Eingang und den Ecken des Gebäudes. Auch das alte Fahrstuhlgitter und die teils verzierten grünen Fliesen im Treppenhaus sind noch erhalten. Diese erinnern jedoch weniger an die prunkvolle Vergangenheit, in der mit Kostbarkeiten gehandelt wurde, sondern vielmehr an ein Badezimmer aus den Siebzigern. Das herrschaftliche Flair ist dem universitären Alltag gewichen. Sogar vorbeilaufende Touristen scheinen sich weniger für das Gebäude zu interessieren, als für die darin stattfindenden Veranstaltungen — so müssen sich Seminarteilnehmende im Erdgeschoss damit abfinden, durch die großen Fensterfronten von Passanten oftmals schamlos begafft zu werden. Fast, als suchten sie hinter den Scheiben nach der verkäuflichen Ware von damals.

 

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