Foto: Heike Zappe, HU Referat Öffentlichkeitsarbeit

Das Cum Laude expandiert in den Innenhof – und damit dessen Preisniveau. Während die einen nur ihren Aufenthaltsraum schrumpfen sehen, warnt die Antiterrassistische Aktion vor der Kommerzialisierung unserer Universität.

Runterkommen für gestresste Businesstypen, eintauchen in den authentisch-hippen Lifestyle von Berlin Mitte, entspannen unter Kastanien mit Biokäse, Feigenbrot und Schweinebauch. Das Cum Laude profitiert von seinem Standort im Ost-Flügel der Humboldt-Universität, das legt nicht nur die Selbstdarstellung des Restaurants nahe. Demnach werden Gäste hier nicht nur satt, sondern auch vom Lichte der Aufklärung beseelt.

Von diesem Licht allerdings profitieren nur die wenigsten Studierenden. Das Preisniveau des privat geführten Restaurants entspricht dem von Mitte allgemein und liegt damit außerhalb der Reichweite vieler Kommiliton*innen. Kommerzialisierte Räume innerhalb der Universität – ein Sachverhalt, den die Studierendenschaft lange toleriert hat. Kein Wunder, ist das Restaurant, das im Jahr 2002 die „Professorenmensa“ abgelöst hat, vielen schlichtweg unbekannt oder egal; Berührungen im Alltag gab es damit kaum. Das hat sich diesen Sommer verändert. Die Renovierungsmaßnahmen, die mittlerweile den Ostflügel der HU erreicht haben, haben die Benutzung des ursprünglichen Außenbereichs des Cum Laudes gegenüber dem Gorki-Theater unmöglich gemacht. Da der Außenbereich im Sommer den Hauptumsatz des Restaurants generiert, hat sich die Geschäftsführung entschlossen, eine Fläche im Innenhof anzumieten. Das Cum Laude kann derzeit mit Biergarten mit historischem Ambiente punkten. Beobachten wir hier tatsächlich eine
Kommerzialisierung der Universität? So jedenfalls sieht es eine Gruppe, die aus dem Umfeld der Besetzung des Sozialwissenschaftlichen Instituts hervorgegangen ist und als Antiterrassistische Aktion Protest gegen die Bebauung organisiert. So
beanspruche die Terrasse einen weiteren Teil des durch die Renovierungsmaßnahmen ohnehin knapp gewordenen studentischen Rückzugsraums am Campus Mitte. Hauptkritikpunkt: Studierende, die mit Mensa-Tabletts oder einfach nur so Tische auf der Terrasse bezögen, würden zum Gehen aufgefordert. Viele Kommiliton*innen können das bestätigen.

Tatsächlich kommt das einer kapitalistischen Verwertung des Uni-Geländes gleich, immerhin wirbt das Cum Laude aktiv um Tourist*innen und schließt durch den in Gastätten üblichen Konsumzwang Menschen aus, die sich die Tageskarte nicht leisten können oder wollen. Mitte droht, die Studierendeninsel der Glückseligen zu überrollen; die Antiterrassistische Aktion steuert gegen: „Ob Kohle oder keine, die Uni, die ist deine!“ Damit kapern sie die Holzplattform zum Auftakt ihres Protests. Es gibt Kuchen und Bier auf Spendenbasis, dazu Ärger mit der Cum Laude-Chefin und Besuch von der HU-Öffentlichkeitsarbeit. Vonseiten des Restaurants heißt es, die Studierenden hätte mit der Mensa und der Rest-Wiese doch genug Platz, zudem habe man zusätzliche Tische außerhalb des Terrassenbereichs zur Verfügung gestellt. Am schwersten wiegt das Umsatz-Argument: Ohne Terrasse wäre der Sommerbetrieb hinfällig, die Mitarbeiter*innen wären schlecht dran. Auch vonseiten der Uni-Leitung meint man, ohne das Cum Laude ärmer dran zu sein. Die Versorgung des Senatsaals mit Häppchen und Sekt jedenfalls würde ohne den Caterer direkt am Standort teurer ausfallen.

Beide übersehen in ihrer Argumentation die Lösung, die die Antiterrassistische Aktion vorschlägt: Den Konsumzwang aufheben und damit den Raum wieder für alle verfügbar machen. Zumindest in den Tagen unmittelbar nach der Aktion kann man vermehrt Mensa-Tabletts und Studierende auf der Terrasse sehen. Für diesen Sommer bleibt zu hoffen, dass das Modell der Doppelnutzung durch Studierende und zahlende Gäste bestehen bleiben kann. Zu vermuten ist, dass weder Universitätsleitung noch Cum Laude ein Interesse an der Umfunktionierung der Holzterrasse zum Treffpunkt eines Marx-Lesekreises haben. Aber auch die Studierenden und die Gruppe um die Antiterrassistische Aktion werden ihren Teil zu dieser Lösung beitragen müssen, vor allem im Sinne eines fairen Umgangs mit den anderen Gästen, schon den Mitarbeiter*innen zuliebe.

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