Hardcore war kein besonders guter Film. Aber er war ab 18, und ich war es nicht. Was also machen? Nachdem ich bei Django Unchained als 15-Jähriger mit Mamas Erlaubniszettel kläglich gescheitert war, musste diesmal ein anderer Plan her. Nur blöd, dass es Sommer und 20 Grad im Schatten war – mit Verkleidung wäre ich zerflossen. Meine geheime Hoffnung: in der Menge meiner drei volljährigen Freunde ginge ich schon unter, da vermutet doch keiner einen kleinen 17-Jährigen, der auch cool sein möchte. An der Kinokasse angekommen hatte ich bereits einen Plan B im Kopf. So oder so würde es heute zum Regelbruch kommen. Entweder lief alles nach Plan, oder ich würde ein Ticket für einen Kinderfilm kaufen und mich „versehentlich in der Lobby verlaufen“. Zur nicht unerheblichen Steigerung meines 17-Jährigen Egos lief aber alles nach Plan – bis auf die Frage nach dem Schülerrabatt. Während meine Kumpel munter den Ausweis zückten und zwei Euro sparten, druckste ich verlegen herum. Denn auf den schicken Plastikkarten stand leider auch das Geburtsdatum. Was man sich die Rebellion gegen das System nicht alles kosten lässt.

Spätestens bei den Trailern bekam ich dann eine Ahnung, warum es Altersbeschränkungen gibt. Manche Horrorfilme sollten – meiner bescheidenen und zugegeben ängstlichen Meinung nach – gar nicht erst gedreht werden. Mich hat es jedenfalls noch nie gereizt, Leuten dabei zuzuschauen, wie sie in den Katakomben von Paris unter Trümmern begraben werden.

Der Film selbst war dann ziemlich belanglos. Zusammengefasst geht es um Henry, der zum Supersoldaten wird, und mit dem der Zuschauer 90 Minuten lang ein Actionmassaker aus der Egoperspektive erlebt. Bezeichnend für den Anspruch des Films ist die Schlussszene: Henry sprintet auf einer Treppe aus telekinetisch in der Luft hängenden Leichen zum Bösewicht, um ihn mit einem Sehnerv samt zugehörigem Auge zu erwürgen. Da stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft überhaupt solche Filme braucht. Ob eine Gesellschaft Filme braucht, in denen brutale Gewaltorgien zu Queens „Don’t Stop Me Now“ abgefeiert werden. Und ob eine Gesellschaft Filme braucht, bei denen Menschen halb zerrupft zur Kulisse verkommen. Aber solche Überlegungen sind vielleicht auch erst ab 18.

 

Benedikt Wurdack, 18, Rechtswissenschaften, der sich die Geschichte natürlich nur ausgedacht hat und auf Nachfrage abstreiten wird, jemals ein Kino betreten zu haben.