Bis Blankenfelde braucht es von der Friedrichstraße aus eine halbe Stunde. Genug Zeit, um
sich etwas in die südliche Endstation der S2 einzulesen: Mit fast 12.000 Einwohnern ist
Blankenfelde eine der einwohnerstärksten Gemeinden im Landkreis Teltow-Fläming. Der
Name kommt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet „Ansiedlung auf freiem, lichtem
Gelände“. Ein Blick aus dem Fenster zeigt: die Gemeinde macht diesem Namen alle Ehre.
Der Bahnhof Blankenfelde liegt ebenbürtig mit der Straße. Bahnschranken senken sich und
regeln den spärlichen Verkehr, wenn die S-Bahn eingetrudelt kommt.
Direkt am Bahnhof steht ein modernes Parkhaus. Auf drei Etagen bietet es Platz für Autos und ist damit das höchste Gebäude in Blickweite. Gemeinsam mit den Schienen der Regionalbahn vermittelt es den Eindruck: Blankenfelde ist eher Durchfahrtstrecke, als ein Ort zum Verweilen.
Aber der Schein trügt: Wer gen Süden spaziert, wird von der idyllischen Kleinstadt-
Atmosphäre praktisch in den Arm genommen. Die breiten Spielstraßen führen vorbei an
prächtigen Einfamilienhäusern und grüßenden Gartenzwergen. Nach 20 Minuten Spaziergang stößt man auf die Dorfkirche. Drinnen erklingt Orgelspiel, draußen rattert der Rasenmäher über die Wiese. Es ist einiges los in Blankenfelde. Auch die Schmiede hat geöffnet. Hier schwingt Werner Mohrmann-Dressel den Hammer und erklärt allen Neugierigen, wie das Schmiedehandwerk funktioniert. Vor dem kleinen Häuschen stehen ulkige Tierfiguren, die der Künstler nach alter Tradition geschmiedet hat.
Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Naturerlebnispfad. Über Sandwege schlendere ich durch den Wald zurück ins Stadtzentrum. Allein bin ich auch hier nicht: Der Wald ist beliebt bei Spaziergängern und Gassi-Gehern. Das Zwitschern der Vögel wird nur leider regelmäßig vom Dröhnen der Flugzeuge übertönt, die im Minutentakt über Blankenfelde fliegen.
Im Stadtzentrum gibt es, abgesehen von dem Einkaufsmarkt, wenig, was zum Verbleiben
einlädt. Keine Cafés und die Kneipen machen erst am Nachmittag auf. Also kehre ich
erschöpft in einer Ketten-Bäckerei ein. Hier herrscht ein munteres Kommen und Gehen. Man
grüßt sich freundlich und kauft Kuchen „für die Oma“.

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