Die Räuber, Foto: Bettina Stöß

Geschrieben von UnAuf

Berlin, 10. September 2012

Mit Schall, Rauch und Feuer eröffnete das Maxi- Gorki-Theater am 2. September 2012 die Spielzeit 2012/13: “Die Räuber“ von Friedrich Schiller wurden von Regisseur Antú Romero Nunes nicht nur pyrotechnisch überraschend auf die Bühne gebracht.

Dieses erste veröffentlichte Drama Schillers von 1781 erzählt die Geschichte zweier Brüder. Der Ältere, Karl von Moor (Michael Klammer), war immer Liebling seines Vaters und führt ein ausschweifendes Studentenleben mit vielen Frauen und Schulden. Franz (Paul Schröder) nutzt die Schwäche seines Bruders, um ihn vor seinem alternden Vater Maximilian in Verruf zu bringen. Er will den Platz seines Bruders Karl in der Erbfolge einnehmen und fälscht dazu Briefe, zieht das Ansehen des Bruders in den Schmutz und fingiert schlussendlich sogar dessen Tod. Der noch regierende Vater fällt ihn Ohnmacht, als er von dem vermeintlichen Tod seines Erstgeborenen erfährt, und wird unter dem Wissen Franz’ scheinbar bestattet, in Wirklichkeit jedoch in einen Turm gesperrt. Die Verlobte Karls, Amalia (Aenne Schwarz) soll nun die Braut des verbliebenen Bruders werden, doch sie trotzt seinem Werben, obwohl auch sie an die Botschaft von Karls Tod glaubt. Karl, der sich aus Verzweiflung über die Intrigen einer Räuberbande verschrieben hat und plündernd durch die Lande gezogen ist, erträgt die grausamen Taten der Räuber nicht mehr und kehrt nach Hause zurück, wo er mit all den Geschehnissen konfrontiert wird. In Nunes’ Räubern agieren nur drei Hauptdarsteller.

Paul Schröder mimt Franz und macht den Auftakt als Ich-Erzähler, einziger Protagonist auf der Bühne, ein Franz, der Vater, Bruder und Amalia gleichermaßen nachahmt.

Um diese „Räuber“ zu verstehen muss man die Schillers kennen. Nunes, Hausregisseur des Gorki-Theaters, inszeniert nicht das klassische Trauerspiel, das bei seiner Uraufführung im Jahre 1782 zu leidenschaftlichen Begeisterungsstürmen und Gefühlsausbrüchen im vorwiegend jungen Publikum führte, sondern er inszeniert die Inszenierung eines Trauerspieles.

Mit Aenne Schwarz als Amalia und Michael Klammer als Karl konstruiert Nunes mit den “Räubern“ im Jahr 2012 ein Gesamtwerk, dessen Vollkommenheit sich erst dann eröffnet, wenn der letzte Schauspieler die Bühne verlässt. So gelingt es ihm letztendlich, den Kampf der beiden Brüder durch das Fehlen der Rolle des Vaters und der textlichen Entmachtung Amalias auf ein Podest zu heben und zum Mittelpunkt des Stücks zu machen.

Nunes waltet karg und modern, trägt zu dick auf – und hat dabei doch Stil. Er parodiert, verrät nicht zu viel und lässt das Publikum mitdenken. Ob die Botschaft Nunes’ eine weltbewegende ist, eine aktuelle, oder gar eine politische oder revolutionäre, scheint er selber nicht wissen zu wollen.

 

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