Viele Deutsche zieht es an den Plattensee: idyllische Dörfer, beeindruckende Natur und nicht zuletzt niedrige Grundstückspreise. Für einige Auswanderer*innen zählen aber noch ganz andere Gründe. Sie fühlen sich nicht mehr wohl in Deutschland: Dort sei eine woke Elite an der Macht, Impfzwang, traditionelle Werte würden vergessen. Immer mehr Rechtsextreme ziehen an den Balaton, weil sie ihre „deutsche Heimat“ nicht mehr wiedererkennen und die Politik Orbáns begrüßen.
Einer der prominentesten Auswanderer dieser Szene ist Ignaz Bearth. Der 41-Jährige kommt aus der Schweiz, lebt in Ungarn und arbeitet dort am Aufbau von „Stützpunkten“ der „Deutschsprachigen Gemeinschaft Ungarn“. Als wir durch seine Social Media Beiträge scrollen, prasseln Verschwörungsideologien und rechte Propaganda auf uns ein.
Jeden Donnerstag trifft sich die Gemeinschaft in einer der Ortschaften am Plattensee. Wir beschließen, die drei Stunden Fahrtzeit auf uns zu nehmen und uns in das Treffen einzuschleusen. Im Restaurant in Kapósvar angekommen wird uns klar, dass der Plan, sich unauffällig dazu zu setzen, nicht aufgehen wird: Bearth hat eine ganze Terrasse gemietet, es gibt ein festes Menü für den Tag. Um die Lage zu beobachten, setzen wir uns in den öffentlichen Bereich des Restaurants und beobachten die Menschen, die tröpfchenweise dazukommen – dann gehen wir rein.

Wir führen etwas Smalltalk, reagieren ausweichend, versuchen, Fragen zu stellen. Aber dabei wird uns auch immer mulmiger. Schließlich kehren wir zurück in den öffentlichen Teil des Restaurants. Von dort hören wir irgendwann Bearths markige Stimme. Er ist nicht allein – zu Gast ist auch der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Daniel Langhans. Gemeinsam moderieren sie das Programm für die etwa 30 Menschen vor Ort und wettern gegen die „deutsche Lügenpresse“ und den neuen ungarischen Präsidenten.
Wir müssen einsehen, dass eine Undercover Recherche dieser Art unsere Ressourcen als Student*innenzeitung übersteigt und kehren zurück nach Budapest – mit einem erschreckenden Eindruck davon, wie sich menschenfeindliche Einstellungen unzufriedener Deutscher unter einer rechten und autoritären Regierung im Ausland bündeln können.
Fotos: Albert Dávid, Thordis Schreiber







