Ein Präsident als Regisseur, Krieg als Blockbuster: Die Trumpregierung inszeniert geopolitische Gewalt wie ein virales TikTok-Video. Zwischen Bowlingkugeln, Bomben und billigem Pathos verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Unterhaltung – und genau das offenbart eine ganz neue Gefahr.
Mittlerweile hat jeder schon mindestens einmal eine Rede von Donald Trump gehört. Seine Gugu-Gaga-Rhetorik sickert mühelos bis in jene Sphären vor, die für Weltpolitik eigentlich unerreichbar wirken sollten: die Sphären postfaktischer Dummheit. Ja, diese Rhetorik ist erschreckend. Und mutet an, als ob man einem verwöhnten 12-Jährigen dabei zuhören müsste, wie er sich darüber beklagt, nicht den richtigen Spielzeugbagger bekommen zu haben.
Das ist das eine. Das ist Trumps Rhetorik. Die Rhetorik einer Person. Doch von der Kommunikation einer Regierung – einer Institution, die sich selbst als demokratisch begreift, dürfte man doch etwas anderes erwarten: mehr Gravitas, mehr Versöhnung, ja, mehr Verantwortung. Oder nicht? Der X-Account (und spätestens hier sollten die Alarmglocken läuten) des Weißen Hauses scheint das jedoch klar als naiv zu postulieren: Beitrag für Beitrag drängt sich der Eindruck auf, die demokratische Kommunikation sei ein Relikt, ein Märchen aus vergangenen Tagen.. Zwischen populistischen Plakaten, toxischen Denunziationen und aggressiven Floskeln, in denen Flüchtlinge mit einer beinahe grotesken Selbstverständlichkeit als „Aliens“ bezeichnet werden, tauchen immer wieder kleine Filmchen auf. Diese kleinen Filmchen, alle paar Wochen gepostet und knapp eine Minute lang, wirken weniger wie offizielle Verlautbarungen einer Regierung und mehr wie missratene TikTok-Edits mit 80 Likes und zu viel Selbstvertrauen. Und das ist nicht übertrieben – denn Mühe, so scheint es, gibt sich das Weiße Haus mit seiner Kommunikation als Regierungsinstitution schon längst nicht mehr.
Eines von ihnen sticht besonders hervor. Es beginnt harmlos: ein Ausschnitt aus einem Bowlingmatch. Ein Strike, kurzer Jubel. Bis hierhin scheint alles normal. Dann ein Cut. KI-Bowlingkegel erscheinen abrupt: bewaffnet, wütend und durch die Wüste auf die Kamera zuhoppelnd. Einer hält ein Schild mit der Aufschrift: „We won’t stop making nuclear weapons!“ Nächster Schnitt: dieselben Kegel auf der Bahn, umgestoßen von einer Bowlingkugel in US-Farben, im Hintergrund wird „Here comes the USA“ gegrölt. Das Video kippt ins Hektische. Laut, grell, überzeichnet. Regierungskommunikation folgt hier nicht mehr den Regeln von Politik, sondern denen der Aufmerksamkeit: schnell, simpel – und vor allem: teilbar auf Social Media. Dann hört man ein lautes „Booommmmm“. Schlecht animiert erscheint „Strike!“ in großen Lettern. Aus den umgestoßenen Kegeln steigt ein Kampfjet auf, unterlegt mit dem Song Free Bird von Lynyrd Skynyrd in einem grässlichen Remix: „Cause I’m free as a bird now. And this bird you cannot change.“ Die US-Regierung jagt also immerzu den amerikanischen Traum? Als freier Vogel, der nicht anders kann? Und nimmt dafür alles in Kauf? Das Brechen des Völkerrechts? Ja! Ästhetik des Heroischen vermischt mit spielerischem Zynismus? Ja!
Und dann passiert der eigentliche Bruch: Unter den schlechten Remixes und die schlechten Animationen mischt sich eine reale Videoaufnahme, nämlich jene, die zeigt, wie die USA und Israel am Morgen des 28. Februar die Residenz des ehemaligen iranischen Staatsoberhaupts, Ali Chamenei, bombardierten und ihn töteten. Dann endet das Video. Was bleibt sind ein latentes Alptraumgefühl und ganz viele Fragezeichen. Unter anderen: Warum? Warum dieses Video? Dass es einem Informationszweck dient, ist mehr als fraglich. Trump selbst und Israels Premierminister Netanjahu haben die Eliminierung schließlich stolz in heroischen Reden verkündet. So bleibt also nur noch ein Grund übrig: Unterhaltung. Triviale, zynische Unterhaltung. Krieg wird zum sportlichen Bowlingspektakel oder zum amerikanischen Actionthriller à la Mission Impossible: mit dem Held Trump als Bowlingkugel und Chamenei als Bowlingkegel Nummer 1 – aus sicherer Distanz für ein internationales Publikum konsumierbar. Und obwohl das Video bei vielen Unbehagen auslöst und etliche User*innen die US-Regierung scharf kritisieren, hat das Video am Ende über 125.000 Likes. Im Vergleich: Andere Beiträge dieses X-Accounts erreichen gerade mal 10.000.
Und so ist eins sicher: Trump liebt es, immer neue Blockbuster zu liefern. Blockbuster, die Krieg als fiktive Filmchen darstellen und dabei als Spiel der Freiheit inszenieren. Natürlich mit dem Song Free Bird als rockige Hymne für Freiheit und Rebellion und den kleinen, ach so witzigen Bowlingkegeln. Und mit einer Struktur, die man aus diesen Action Thrillern kennt: Erst die böse Bedrohung, dann der Sieg über jene Bösewichte. Das dann noch in Verbindung mit Sport? Was will man mehr, wird sich Trump gedacht haben. Wie im Sport geht es im Krieg schließlich doch auch nur ums Gewinnen. Und das tut Trump gerne. Was von diesem Video also bleibt, ist eine alarmierende Warnung an die Welt: Wir siegen über alle – und haben auch noch Spaß dabei. Und vielleicht ist genau das das eigentlich Beunruhigende, denn wenn Krieg zum Spiel wird, dann verlieren auch die, die ihn führen, irgendwann das Gefühl dafür, was auf dem Spiel steht. Die Gefahr dabei ist das trumpsche Dogma, mit dem Kriege dann geführt werden: Die USA triumphiert als Nation der internationalen Superlative immerfort; als die Größten, Stärksten und Mächtigsten. Und die, vor der alle anderen Angst haben. Da hilft es nicht, wenn die Bundesregierung zaghaft wird und seit Wochen ausweicht, das auszusprechen, was juristisch Schwarz auf Weiß steht: Die USA begeht mit dem Irankrieg einen schweren Völkerrechtsbruch. Aber hey, ist ja nur ein Bowlingspiel.
Bild: Screenshot: White House/X






