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Psychologiestudent*innen ohne Weiterbildung

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Immer wieder werden Demos und Petitionsforderungen von Psychologiestudent*innen laut. Die Unauf hat sich angeschaut, worum es dabei genau geht.

Wer aktuell in Deutschland Psychotherapeut*in werden möchte, muss ein dreijähriges Grundstudium absolvieren, einen approbationskonformen Masterstudiengang beenden, die Approbationsprüfung ablegen und eine fünfjährige Weiterbildung absolvieren. So sieht es das Psychotherapeutengesetz seit seiner Änderung von 2020 vor. Davor durfte die Approbation, also die staatliche Zulassung zur Psychotherapeut*in, erst nach dem Studium und einer darauf folgenden externen Ausbildung erteilt werden. Sogenannte Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiAs) haben meist ohne Vergütung gearbeitet und teilweise sogar Geld für die Ausbildung zahlen müssen, obwohl sie therapeutische Leistungen erbracht haben. Diese Form der Ausbildung hat bis zu 30.000 Euro gekostet, die teilweise unter prekären Bedingungen selbst finanziert werden mussten.

Unter Jens Spahn als Gesundheitsminister wurde dieses Gesetz reformiert. Die finanzielle Last sollte mit der Reform erleichtert werden. Ähnlich wie bei der Weiterbildung zum Facharzt sollten angehende Psychotherapeut*innen nun nach Tarifvertrag bezahlt werden und mindestens 4500 Euro monatlich verdienen. Ein Hoffnungsschimmer für viele Studierende. Robin Wensky studiert seit 2020 Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er berichtet, er habe extra ein Jahr länger mit dem Beginn seines Studiums gewartet, um unter der neuen Regelung studieren zu können.  Und er ist nicht allein mit seinem Interesse an einem Psychologiestudium. Im Wintersemester 2025/2026 haben sich in Deutschland über 33.000 neue Psychologiestudent*innen eingeschrieben, viele mit dem Wunsch später Psychotherapeut*in zu werden.

Das Problem mit der Reform

Die besagte Bezahlung wurde mit der Gesetzesänderung zwar versprochen, doch eine Finanzierung der Reform wurde nicht gesetzlich festgeschrieben. Mit der gescheiterten Ampelkoalition wurde eine Lösung vorerst auf Eis gelegt. Zwar taucht die Finanzierung im aktuellen Koalitionsvertrag auf, doch konkrete Pläne liegen auch nach sechs Jahren nicht vor. Weiterbildungsstätten müssten laut Berechnungen der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung im Schnitt 2700 Euro pro Monat draufzahlen, um einen Weiterbildungsplatz finanzieren zu können. Diese finanzielle Belastung führt dazu, dass die Zahl der Weiterbildungsplätze extrem begrenzt ist und den Studierenden nach ihrer Approbation der Weg zur Weiterbildung versperrt ist. Die Krankenkassen finanzieren derzeit ausschließlich die erbrachte Patientenversorgung. Für andere essentielle Teile der Weiterbildung wie Theorie, Supervision und Selbsterfahrung sehen die Kassen sich nicht in der Verantwortung.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen fordert, dass die Gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung einen finanziellen Zuschuss für die ambulante Weiterbildung in Praxen bereitstellen. Auch Robin und weite Teile der Studierendenschaft organisieren sich, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie rufen zu Demos auf und die Psychologie Fachschaften Konferenz (PsyFaKo), in der auch Robin aktiv ist, setzt sich politisch für die Belange der Studierenden und die Finanzierung der Weiterbildung ein.

Die gesetzlichen Krankenkassen schreiben allerdings in ihrem letzten Positionspapier explizit, dass sie zwar die von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Aus- oder Weiterbildung erbrachten Leistungen vollumfänglich vergüten, eine darüberhinausgehende Finanzierung der Weiterbildung jedoch keine Aufgabe der GKV sei.  Auch die jüngsten, viel diskutierten Sparmaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen und die Kürzungen der Honorare von Psychotherapeut*innen, lassen die Hoffnung auf eine baldige, faire Lösung für Student*innen schwinden.

Die Zeit drängt

Das Problem akut. Wer, so wie Robin, nach dem 01.09.2020 sein Studium begonnen hat, ist nicht mehr berechtigt, eine Ausbildung nach dem alten System zu absolvieren, welches 2032 ohnehin gänzlich ausläuft. Gleichzeitig schließen schon seit Herbst 2022 Student*innen den neuen klinischen Master ab. Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums erhalten seit 2025 ca. 2.500 Studierende jährlich ihre Approbation. Es handelt sich also um einen wachsenden Systemstau in dem immer mehr Studierende feststecken. In Robins Umkreis beobachtet er, wie Studierende doch in die Medizin wechseln oder in die Forschung gehen. Auch auf Social Media werden die Stimmen immer lauter, die fragen, weshalb man den langjährigen Weg des Studiums auf sich nehmen sollte, wenn doch der anschließende Werdegang ungewiss ist. Dabei sind Psychotherapeut*innen stark gefragt.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde leidet jede dritte Person im Laufe eines Jahres unter einer psychischen Erkrankung. In Berlin sind laut kassenärztlicher Vereinigung mehr als die Hälfte der Psychotherapeut*innen (niedergelassen und angestellt) 55 Jahre und älter. Bei den Praxisinhaber*innen sind es sogar 61 Prozent. Eine große Anzahl von ihnen wird also in absehbarer Zeit in Rente gehen, doch der Nachwuchs ist blockiert. Robin erzählt, dass eine Versorgungslücke besonders im Kinder- und Jugendbereich zu erwarten ist. Vor der Reform konnten auch Sozialpädagogen die Ausbildung im Bereich Kinder-und Jugendpsychotherapie absolvieren und danach als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) arbeiten. Sozialpädagogen machen laut dem Verband der Ersatzkassen momentan den größten Teil der Kinder- und Jugendtherapeut*innen aus, doch dieser Ausbildungsweg ist seit der Änderung 2020 nicht mehr zulässig. Die Lage spitzt sich zu.

Was jetzt?

Für Robin bedeutet das, politisch laut zu bleiben. Er engagiert sich in der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (Psyfako) und der Fachschaftsinitiative der Humboldt Universität. Dort  hilft bei der Vernetzung der Berliner Student*innen und mobilisiert zu Demos. Mit dem Ziel, für ihn und tausende andere eine gesetzliche Regelung durchzusetzen, die den angehenden Psychotherapeut*innen gerecht wird und damit eine psychotherapeutische Versorgung in Deutschland langfristig sichergestellt werden kann.


Foto: Tumisu von Pixabay