Nach den grabungstechnischen Studiengängen an der HTW nun auch das Winckelmann-Institut an der HU: Über 200 Jahre nach Gründung soll das Institut für Klassische Archäologie umgebaut werden.
Das Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität soll unter Verweis auf die Sparvorgaben der Berliner Unis geschlossen werden. Geplant ist ein Prozess über die nächsten zehn Jahre, während dem die Student*innen laut Institut „in Ruhe zu Ende studieren können” sollen. Das Präsidium spricht von einer „Neuaufstellung”. Trotzdem werden in den nächsten beiden Jahren weiterhin Studierende in der Archäologie zugelassen. De facto soll das bisherige Institut in einem Institut für Altertumswissenschaften aufgehen, das ebenso Professuren zur Klassischen Philologie umfasst.
Studierende der Archäologie sind über den Umbau bestürzt und haben eine Petition gestartet, die bereits über 14.000 Menschen unterschrieben haben. Der Fachschaftsrat des Instituts schreibt in einem offenen Brief: „Eine Universität, die sich in der Tradition Wilhelm von Humboldts sieht, darf ihr historisch gewachsenes Fundament nicht einreißen und damit ihren eigenen Anspruch auf wissenschaftliche Exzellenz und kulturelle Verantwortung untergraben.”
Vom Scherbenhaufen der Politik zu den Sparplänen an der Uni
Wie weit trägt dieses Fundament? Was ist kulturelle Verantwortung? Neben den Student*innen gibt es auch eine Pressemeldung der AfD, die der HU vorwirft, die Archäologie abzuschreiben, während sie die Gender Studies erhält. Das mag alle überraschen, die besser über den Lebenslauf vom Namensgeber des Instituts Johann Joachim Winckelmann informiert sind: Dieser sei eine „schillernde Persönlichkeit” gewesen, so der Pompeji-Direktor Gabriel Zuchtriegel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Eine Person, die man „heute wahrscheinlich als queer bezeichnen würde.” So gab es zu Winckelmann etwa auch eine Ausstellung in Berlins Schwulem Museum, mit Texten über seine „mannmännliche Liebe.” Trotz Queerness und „Rückbesinnung auf gemeinsame Werte” spricht Zuchtriegel jedoch auch von einer „als woke getarnte[n] neoliberale[n] Politik, der die europäische Klassik rein gar nichts mehr sagt” und die daher gar keine Probleme hat, Forschung dazu zu streichen. Woke getarnte Berliner Sparpläne des CDUlers Kai Wegner?
Das verwirrt. Ist die Altertumsforschung etwa nur ein konservatives Powerhouse, das die europäische Klassik hochhält? Ändert sich das jetzt? Ändert sich überhaupt etwas? Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Gerade gibt es zwei Professuren am Winckelmann-Institut. Das geplante Institut für Altertumsforschung soll ebenso zwei Professuren enthalten, die mit Schwerpunkt Archäologie besetzt werden. Auch der lange Zeitraum des Umbaus, der Erhalt der Sammlung, das weitere Einschreiben von Student*innen in das Fach sprechen nicht gerade für ein überstürztes Vorgehen in Zeiten der Sparpläne. Was genau aus 200 Jahren Institutsgeschichte verloren geht, ist noch nicht im Detail geklärt.
Foto: Justin Geiger






