Hütten stürzen ein und Katzen verschwinden mysteriös. Alles, was bleibt, ist die Erinnerung an die in Kindstagen verstorbene Schwester. Die Ausgangsbasis von Banu Sivacis neuem Film lädt zum meditativen Spekulieren ein.

Endlich zuhause. Musikerin Suna kehrt aus Istanbul in ihr Heimatdorf zurück für ein paar Tage Heimaturlaub. Anlass ist die Heirat des Neffen. Doch Feierstimmung kommt nicht auf. Das tief in der Vergangenheit verwurzelte Traumata des Todes der Schwester verbinden Suna und ihren im Dorf zurückgebliebenen Bruder Ayhan. Schon immer hat Suna den Boss ihres Bruders – welcher mittlerweile an Demenz erkrankt ist – des Mordes verdächtigt. Könnte sie durch eine erneute Konfrontation an Klarheit gewinnen?

Regisseurin Banu Sivaci nimmt sich mit „Günyüzü: Hear the Yellow“ zwei der Lieblingsthemen des aktuellen türkischen Kinos an: das Stadt-Land-Gefälle und familiär bedingte, seelische Belastungen. Diese vermögen häufig zu überzeugen, wie „The Things You Kill“ oder „Once Upon a Time in Anatolia“ bereits in der Vergangenheit unter Beweis stellen konnten. Ebenso werden hier auch durchaus einige emotional aufwühlende Momente zwischen dem entzweiten Geschwisterpaar geschaffen.

Große Teile der Laufzeit fühlen sich bedauerlicherweise redundant an und werden durch eine allzu bedeutungsschwangere und minimalistische Erzählart getrübt. Allgemein wäre „Günyüzü“ vermutlich besser als Kurzfilm aufgehoben. Die spärlich über die 104 Minuten Laufzeit verteilten, spannungsreichen Momente gestalten sich als zu abstrakt in der Ausführung und lassen die Zuschauer*innen frustriert zurück. Es scheint, als hätte sich Sivaci das altbekannte Motto „show, don‘t tell“ zu sehr zur Brust genommen. Denn  erzählt wird hier im Endeffekt vernichtend wenig.


Foto: © Anagraffilm