Oase im Grau

Wir machen uns auf den Weg ans Ende unserer Welt. Zurückbleiben bitte!

Heute: Mit der S5 nach Strausberg Nord

Man merkt es der Endstation sofort an. Berlin ist weit weg, und nur die hier alle zwanzig Minuten haltende S5 lässt erahnen, dass Strausberg Nord noch dem Speckgürtel angehört. Im Bahnhof versteckt sich Geschichte: 1955 in Betrieb genommen und von kasernierten Volkspolizisten genutzt, hat der Bahnhof Strausberg Nord seither viel erlebt. Sofort fällt die brutalistisch anmutende Discounter-Architektur ins Auge, die hier am Rande der uns bekannten Welt das Landschaftsbild prägt. Zwischen Aldi, Kik und einem OBI scheint vieles gegen eine Reise nach Strausberg zu sprechen. Bei einem genaueren Blick offenbaren sich dem Besucher jedoch eine einige unerwartete Überraschungen und kulinarische Möglichkeiten. Direkt am Bahnhof wartet das Gasthaus Nord. Wer vom märkischen Wildgulasch oder den Schweinefiletspitzen nach „Stroganoff Art“ nicht begeistert ist, der sei an die Dönerbude Imbiss und Bistro direkt neben dem OBI erinnert. Für 3,50 Euro bekommt man ein joviales „Mein Freund!“, einen guten Döner und kann die bunten Mosaiken über der Menütafel bestaunen. Dem durstigen Reisenden wird sogar Fassbier ausgeschenkt, und die wandhohen Fenster laden zum Betrachten des Parkplatzes ein. Besonderes Erlebnis: Die Raucherecke direkt vor dem Lokal wird von einem orangenen Sonnenschirm ganzjährig überspannt. Die warme Farbe des Schirmes bietet eine Zuflucht vor dem betonierten Grau drumherum.

Und noch etwas fällt an dieser Endstation auf: Flugzeuglärm. Kleine Maschinen, die ab und zu über den Köpfen kreisen, zum Landeanflug ansetzen nur um wieder durchzustarten. Nicht weit vom Bahnhof lohnt sich ein Ausflug in das Flugplatzmuseum Strausberg. Neben vielen Exponaten rund um die Geschichte des Flugplatzes steht auf dem Rollfeld auch eine Antonow AN-2, Baujahr 1968, die nach einem Absturz vor vier Jahren komplett restauriert wurde. Der Propeller dieses größten einmotorigen Doppeldeckers starrt sehnsuchtsvoll den Bahnhof an. Verlassen wird sie diesen Ort wohl nicht mehr, zum Wegfliegen ist sie zu kostbar geworden.

 

 

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