Stroboskoplichter blitzen auf, Bässe wummern markerschütternd und eine junge Dame in Lederjacke und Cowboy-Boots betritt die verdunkelte Tanzfläche. Nach der unendlich scheinenden Erfolgsserie ihres Albums „brat“, meldet sich Charli xcx nun mit einer selbstironischen Mockumentary zurück. 

Seit dem 7. Juni 2024 steht Charlotte Aitchisons Welt Kopf. Ihren musikalischen Durchbruch erlebte die als Charli xcx bekannte, gebürtige Britin bereits vor mehr als einem Jahrzehnt mit dem mittlerweile ikonischen Pop-Song „I Love It“. Gemessen an Popularität allein war Sie jedoch nie ein Star, welcher in der Liga von beispielsweise Beyoncé oder gar Taylor Swift mitspielte. Bis vor anderthalb Jahren zumindest.

Mit der Veröffentlichung ihres Albums „brat“ brachen alle Dämme. Ihre zügellosen, unverblümten und von hedonistischen Tendenzen durchsetzten Texte trafen den Zeitgeist der Gen Z perfekt. Gekoppelt mit einer gewollt distanzierten, oberflächlichen „Coolness“ und der Vermittlung eines nachlässigen – beinahe egozentrischen – Lebensstils war es um die Chartlisten verschiedenster Länder geschehen: „brat“ klammerte sich an den Nummer 1-Spot, teils für über 25 Wochen in Folge. Der markante, neongrüne Farbton des Albumcovers war neues Markenzeichen der Künstlerin und der Sommer des Jahres 2024 wurde auf Social Media als “brat summer” betitelt.

Nun versucht Miss xcx die für sie surrealen letzten achtzehn Monate filmisch als Mockumentary zu verarbeiten. Regie führt ihr Langzeitfotograf Aidan Zamiri. Aber ist „The Moment“ nicht schon längst auserzählt? Wurde die Allgemeinheit nicht schon genug mit Charlis giftgrünen Pop-Hymnen beschallt?

Der Film erzählt vom hektischen, durch Manager, Labelbosse und verschiedenen Kollaborateuren,  akribisch durchgestaffelten Alltag des Pop-Stars nach dem Erscheinen von „brat“. Streitigkeiten mit ihrem Kreativteam in der Privatlimo gehören ebenso zur Tagesordnung wie Werbekampagnen für gesichtslose Banken. Außerdem steht auch noch ein von langer Hand geplanter Konzertfilm ihres neuen Albums an. Charlis Langzeitvertraute Celeste fungiert bei diesem als Kreativdirektorin. Die beiden sind sich einig: Charli xcx‘s Ästhetik und Bildsprache muss roh und „edgy“ sein. Kurz vor Abschluss der Vorbereitungen kommt es dann zur ersten von vielen mittelschweren Katastrophen: der hoch angesehene -aber auf Massentauglichkeit versessene- Regisseur Johannes Godwin übernimmt zunehmend die Produktion und visuelle Gestaltung. Als alles über ihr zusammenzubrechen scheint, trifft Charli die folgenschwere Entscheidung, sich nun ein paar freie Tage auf Ibiza zu gönnen…

Glücklicherweise lässt sich berichten, dass Charli es auch als Schauspielerin durchaus vermag zu beeindrucken! Sich selbst zu spielen, ist die sicherlich dankbarste Rolle, dennoch besticht die Musikerin immer wieder über den Film hinweg. Auch die Nebendarsteller*innen – allen voran Alexander Skarsgård als hinterlistiger Regisseur Johannes – überzeugen größtenteils. Sogar die kurz in Erscheinung tretende Kylie Jenner, welche sich selbst darstellt, spielt überraschend selbstironisch.

Gegen Ende hin forciert der Film bedauerlicherweise einige allzu generische emotionale Sequenzen zwischen Charli und Celeste, welche den Fluss der eigentlich gelungenen Handlung kurzzeitig aus den Fugen reißt.

Nichtsdestotrotz haben Zamiri und sein Team hier ein äußerst kurzweiliges Spielfilmdebüt abgeliefert, welches nicht nur für eingefleischte Fans zu empfehlen ist!


Foto: © A24