Mit einer unausgereiften „All men bad“-Parabel eröffnet Regisseurin Shahrbanoo Sadat die diesjährige Berlinale. Warum die implizierten Themen der eigentlichen Love-Story in den Weg kommen.
Die kabuler Kamerafrau Naru wurde von ihrem Ehemann betrogen. Auch im Alltag macht sie immer wieder entwürdigende Erfahrungen im Umgang mit testosterongeschwängerten Zweibeinern. Nach einer Runde Straßeninterviews am Valentinstag kommt sie zu dem Schluss, dass es keine guten Männer in Afghanistan zu geben scheint. Keine ihrer Gesprächspartnerinnen kann behaupten, von ihrem Mann aufrichtig geliebt zu werden, geschweige denn angemessen behandelt. Nur ihr Kollege Qodrat, erfolgreicher Journalist und liebender Familienvater, sticht aus der Masse heraus. Nach einem gemeinsamen -fehlgeschlagenen- Exklusivinterview mit einem ranghohen Taliban, entwickeln die beiden Sympathien füreinander. Kann Qodrat in Naru ein Umdenken bewirken?
Eins kann man Sadats seichter, gefühlsduseliger Romanze zugute halten: Sie ist teilweise wirklich charmant! Mehr darf man leider nicht erwarten, dafür wird den wirklich unangenehmen Themen – wie zum Beispiel Ehrenmorde und häusliche Gewalt in der Ehe – zu wenig Platz eingeräumt. Gudrun und Brigitte aus dem lokalen Häkelverein sollen schließlich auch im Saal bleiben! Allgemein lässt sich eine schleichende Angst – oder Feigheit – vor allzu großer Konfrontation mit den diversen „Elefanten im Raum“ erahnen. Nichtsdestotrotz wird eine gewisse Abscheu der Regisseurin, welche auch die Hauptrolle spielt, auf bestimmte, unverhandelbaren Grundregeln der ultra-patriarchalen afghanischen Gesellschaft deutlich. So bestehen etwa in einer Szene die beiden Hauptcharaktere Naru und Qodrat darauf, als unverheiratete Kollegen im Männerbereich eines Restaurants zu essen, was vom zuständigen Personal als Unmöglichkeit wahrgenommen wird. Außerdem wird Kabul mehrfach als „Hellhole“ bezeichnet, in welchem man nicht lebt, sondern schlicht überlebt.
Eine besondere Kuriosität stellt der Fakt dar, dass ein nicht unerheblicher Teil der Outdoor-Szenen nicht in Zentralasien gedreht wurden, sondern in Hamburg und Hannover. Wenn man über diese Information vor dem Schauen verfügt, ist es nicht sonderlich schwer, die deutsche Plattenromantik als solche auszumachen. Besonders gut „getarnt“ wurde diese nämlich nicht; dass solche Architektur sich nicht in Kabul befinden kann, wird schnell überdeutlich.
Sofern man einen Nachmittag mit Bügeln verbringt und sich nebenbei berieseln lassen möchte, ist „No Good Men“ genau das Richtige. Ansonsten ist der Griff zu vielschichtigeren Produktionen empfehlenswert.
Warum nun ausgerechnet dieses Werk als Eröffnungsfilm auserkoren wurde, bleibt schleierhaft. Vermutungen deuten auf politisierte Gründe hin: Als aus Afghanistan stammende -und geflohene- Filmemacherin bringt Shahrbanoo Sadat sicherlich eine einzigartige Perspektive mit. Diese filmisch herausfordernd -und in gewisser Weise auch aufklärend- zu verarbeiten, hätte definitiv das Potenzial für einen nachhallenden Beitrag. Leider sind diese Voraussetzungen aber nicht zwingend Qualitätsgarant, was hier überaus deutlich geworden ist.
Foto: https://www.filmhaus.at/film/no-good-men/






