Zum 80. Geburtstag Donald Trumps findet in Anlehnung an das 250. Jubiläum des Gründungsjahrs der USA das Kampfsport-Event „UFC 250 Freedom“ statt. Die „Ultimate Fighting Championship“ (UFC) ist die Königsklasse des MMA-Wettkampfes. Wer mit der UFC vertraut ist, dürfte von der Veranstaltung nur wenig überrascht sein.

Ein blutverschmierter Mann, nur mit Handschuhen und kurzer Hose bekleidet, steigt aus dem Käfig und geht direkt auf den US-Präsidenten Donald Trump zu. Doch anstatt, dass dieser Mann sofort vom Sicherheitsdienst erschossen oder zu Boden gebracht wird, schüttelt der Präsident ihm freundschaftlich die Hand. Was geschieht hier eigentlich?

Der blutverschmierte Mann ist Justin Gaethje. Er ist ein MMA- (Mixed Martial Arts) Kämpfer, der seit fast 10 Jahren in der UFC kämpft. Soeben hat er seinen vielleicht wichtigsten Kampf gewonnen. Nachdem die Ringärzte seinen Konkurrenten Ilia Topuria aufgrund von starken Blutungen und Schwellungen im Augenbereich nicht in die 5. Runde gelassen haben, feiert Gaethje seinen Sieg. 

Ultimate was?

Wer mit der UFC und Mixed Martial Arts (MMA) wenig anfangen kann, dürfte sich fragen, weshalb ausgerechnet eine Kampfsportveranstaltung den 80. Geburtstag eines US-Präsidenten begleiten soll.

Die 1993 gegründete Ultimate Fighting Championship (UFC) ist heute die weltweit bedeutendste Organisation für MMA. Zu Beginn war sie jedoch weniger ein regulärer Sportverband als ein Spektakel: Kämpfer verschiedener Disziplinen traten mit nur wenigen Regeln gegeneinander an, um herauszufinden, welche Kampfsportart die effektivste ist. Die brutalen Kämpfe im achteckigen Käfig, dem sogenannten Octagon, brachten der UFC schnell den Ruf eines gewaltverherrlichenden Spektakels ein.

Erst nach der Übernahme durch die Zuffa LLC im Jahr 2001 und unter der Leitung von Dana White entwickelte sich die UFC zu einer professionellen Sportorganisation. Einheitliche Gewichtsklassen, ein verbindliches Regelwerk und medizinische Standards machten MMA zu einer weltweit anerkannten Wettkampfsportart. Trotz dieser Professionalisierung blieb die UFC ihrem Image körperlicher Härte und kompromisslosen Wettbewerbs treu – ein Selbstbild, das bis heute ihre Vermarktung prägt.

Und was hat Trump damit zu tun?

Der Ruf der UFC ist auch nach der Übernahme noch derart schlecht, dass ihnen niemand einen Ort für ihre Veranstaltungen bieten will. Zu Dana Whites Glück gibt es zu dieser Zeit einen Geschäftsmann, dem eventuelle Rufschädigungen egal sind: Donald J. Trump.

Der damals noch nicht US-Präsident, aber bereits einflussreiche Immobilienmogul bot der neuen Veranstaltungsreihe regelmäßig eine Bühne in seinen Hotels und Casinos. Ein Gefallen, den Dana White ihm nie vergessen wird und der bis heute wohl maßgeblich zu ihrer Verbindung beiträgt.

Mittlerweile kann sich die UFC mit globalem Erfolg brüsten. Auch wenn die Zuffa LLC die UFC 2016 für rund 4 Milliarden US-Dollar verkauft hat, ist Dana White noch immer ihr Präsident und das offizielle Gesicht der Organisation.

Trump sitzt mittlerweile bei fast jeder größeren Veranstaltung in der ersten Reihe und bekennt sich öffentlich als großer Liebhaber des Sports. 

Das zweitbekannteste Gesicht der UFC gehört dem Podcaster, Kampfsportler und Comedian Joe Rogan. In seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“ lädt er regelmäßig Gäste zu stundenlangen Gesprächen ein. Unter seinen populärsten Gästen finden sich Namen wie Mark Zuckerberg, Elon Musk und Mike Tyson. Mit diesem Konzept hat er seinen Podcast zum populärsten weltweit gemacht. Die Zuhörerschaft besteht dabei zum Großteil aus jungen Männern.

Trump gilt im Wahlkampf 2024 nach seiner Niederlage vier Jahre zuvor nicht gerade als Favorit. Gerade deswegen versucht er alternative Taktiken, um noch ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt zu werden. Am 26. Oktober 2024 sitzt er Joe Rogan fast drei Stunden in dessen Podcast gegenüber. Über 62 Millionen Mal wird die Folge auf YouTube aufgerufen und trägt damit wohl maßgeblich zur Beliebtheit Trumps bei seinen jüngeren Wähler*innen bei. Doch dies ist nicht der einzige Podcast, in dem Donald Trump in seinem Wahlkampf zu Gast sitzt. Auch bei Influencer Adin Ross und Comedian Theo Von, der auch aus Joe Rogans Umfeld stammt, wird Trump eine Bühne geboten. 

Die finale Nacht der Wahlkampf Periode eröffnet Dana White. In seiner Rede stellt er nicht nur Trump vor, sondern bedankt sich bei Adin Ross, den „Nelk Boys“ und „last but not least: the mighty Joe Rogan“. Wie groß der tatsächliche Einfluss der Podcast-Besuche war, lässt sich nur mutmaßen, doch die Verbindung der UFC zu Trump wird deutlicher.

„UFC Freedom 250.“

Die Geschichte der UFC macht deutlich, warum Trump sich gerade für eine Kampfsport-Veranstaltung entschieden hat, um seinen 80. Geburtstag zu feiern. Durch Spaliere von Soldat*innen mit USA-Flaggen, begleitet von tosender Musik, laufen die insgesamt 14 Kämpfer, die allesamt männlich sind, obwohl die UFC auch Kämpferinnen unter Vertrag hat, in die eigens dafür vor dem Weißen Haus errichtete Arena ein. Kampfjets bieten Flugshows dar und dann gewinnt der US-Amerikaner Justin Gaethje auch noch den Hauptkampf gegen den Georgen Ilia Topuria, der zuvor als klarer Favorit galt. Während des Kampfes ist Topurias Gesicht von Blut überströmt und immer wieder werden Chöre, die „USA, USA, USA“ rufen, laut, wenn Gaethje seinen Gegner trifft. Die UFC dient Trump nicht bloß als Kulisse für seinen Geburtstag. Sie verkörpert ein Bild von Stärke, Männlichkeit und Nationalstolz, das seit Jahren Teil seiner politischen Inszenierung ist. Dass ausgerechnet dieses Spektakel den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten begleiten soll, sagt deshalb weniger über den Sport aus als über das Selbstverständnis eines Präsidenten, der Politik zunehmend als Show versteht.


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