Im Jahre 1926 war das bewusste Umsorgen der eigenen „Mental Health“ noch nicht gesellschaftlich verankert. Filmregisseur Georg Wilhelm Pabst wollte dem entgegenwirken und stellt dem Publikum erstmals Methoden der Psychoanalyse vor.
Martin Fellmann hat ein Problem. Seitdem im Nachbarhaus ein Mord geschehen ist, entwickelt er eine krankhafte Phobie vor Messern jeglicher Art und eine irrationale Überzeugung, dass er seine geliebte Frau umbringen könnte. Was es mit diesen Gedanken auf sich hat, kann er sich auch nach tagelangen Überlegungen nicht erklären. Verzweifelt sucht er nach Lösungsansätzen. Erst der Besuch beim Psychiater Dr. Orth verschafft ihm Abhilfe. Gemeinsam lassen sie Fellmanns Träume der letzten Nächte Revue passieren und arbeiten daran, die brüchigen Ursachen zu rekonstruieren.
Laut einer der Vorstellung beiwohnenden Mitarbeiterin der F.W. Murnau-Stiftung – welche maßgeblich an der 4K-Restaurierung des Films beteiligt war – ist Pabsts mittlerweile 100 Jahre alter Stummfilm „Geheimnisse einer Seele“, der erste, welcher sich mit dem Thema der Psychoanalyse und – in geringeren Maßen – psychischen Problemen im allgemeinen auseinandersetzt. Die in Teilen beinahe dokumentarisch anmutende Natur der Therapieszenen verdeutlichen die edukative Ausrichtung des Werks. Während visuelle Elemente des deutschen Expressionismus der zwanziger Jahre immer wieder durchscheinen, liegt der Fokus dennoch unmissverständlich auf der Erläuterung der neuen psychologischen Behandlungsmethode. Dies mag aus heutiger Sicht geradezu trivial wirken, doch der historische Rückblick zeigt, dass die Würdigung mentaler Krankheiten keine Selbstverständlichkeit ist?
Ausgezeichnet hat sich die Wiederaufführung im „Haus der Kulturen der Welt“ durch eine neu komponierte, musikalische Begleitung des Südkoreaners Yongbom Lee, welche vom Ensemble „Broken Frames Syndicate“ begleitend zum Besten gegeben wurde. Ein besonderes Gimmick stellte dabei die Kopfbedeckung der Bratschistin dar, welche ihre Gehirnaktivität erfasste und damit Lichtinstallationen auf – und abseits der Bühne steuerte Eine überaus kreative Ergänzung zur ohnehin fantastischen Musikdarbietung.
Sofern man sich nicht vor Stummfilmen scheut und eine Aufmerksamkeitsspanne für mehr als drei TikTok-Clips reicht, erweist sich der als „volksbildend“ bezeichnete Klassiker von G.W. Pabst als eine zu begrüßende Alternative zu anderen Festivalbeiträgen über „Situationships“ oder polyamorösen Beziehungen.
Balsam für die Seele.
Foto: https://www.berlinale.de/de/2026/programm/202609855.html






