Dream Big! Das tut jedenfalls Marty Mauser in Josh Safdies neuem Film Marty Supreme. Die lose vom Tischtennisspieler Marty Reisman inspirierte Geschichte interpretiert den American Dream neu, ist aber auf vielen Ebenen leider enttäuschend. 

Marty Mauser (Timothée Chalamet) arbeitet in einem bescheidenen Schuhgeschäft im New York der Fünfziger Jahre. Sein großartiges Verkaufstalent veranlasst seinen Onkel, ihm die Stelle des Filialleiters anzubieten, doch Marty sieht nur einen Sinn in seinem Leben: Er wird der größte Tischtennisspieler der Welt. Ruhm, Anerkennung und Bekanntheit sind für ihn nur eine Frage der Zeit, denn Marty ist überzeugt , jeden in einer Partie schlagen zu können. Deshalb  ergaunert er sich durch verschiedenste Freunde und Bekannte genug Geld zusammen, um zur Weltmeisterschaft nach London zu reisen. Dort gibt er in Interviews ganz locker schon große Versprechen über seine glanzvolle bevorstehende Karriere, doch im Finale unterliegt er dem Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi). Marty ist trotzdem von seiner Überlegenheit überzeugt und kann das Rematch beim nächsten Turnier kaum erwarten. Bis es dazu kommt, trifft er aber noch auf Kay Stone (Gwyneth Paltrow), eine Schauspielerin, deren Stern schon erloschen ist. Sie lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein, während er sich zeitgleich durch ihren Ehemann, einen reichen Unternehmer, die Finanzierung seiner Karriere erhofft. Zurück in New York muss er sich erstmal mit seiner anderen Affäre Rachel Mizler (Odessa A’zion) befassen, die einiges an Problemen mitbringt. Es entsteht eine atemlose Odyssee durch New York, in der Marty alles und jeden um sich herum ausnutzt oder zurücklässt und durch seine charismatische Art immer das bekommt, was er braucht, um an seinem Traum festzuhalten.

Marty Supreme ist kein Film über Tischtennis. Josh Safdie setzt seinen Fokus voll und ganz auf die Figur des Marty, eine Personifizierung des American Dreams. Er kann alles schaffen, solange er nur an sich glaubt und an Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht. Wie er dabei die Menschen um sich herum behandelt, ist ihm egal, was Marty zu einer schwierigen Hauptfigur macht, denn sonderlich sympathisch ist ein solches Verhalten eben nicht. Chalamet ist zwar unfassbar charismatisch in der Rolle und tut alles, um uns als Publikum auf seine Seite zu ziehen, doch der Erfolg ist nur begrenzt. In manchen Momenten fehlt der Bezug zu Marty, Rückschläge nehmen einen nicht wirklich mit oder wirken fast schon verdient, es fehlt an emotionaler Bindung, ein Problem, welches sich glücklicherweise nicht auf das zugegebenermaßen sehr schöne und runde Ende von Martys Charakterbogen auswirkt. Wenn es dann zum Tischtennisspielen kommt, sind die Spiele aber sehr spannend inszeniert und stehen großen Momenten in klassischen Sportfilmen in nichts nach.

Was dagegen hervorragend funktioniert, ist der Cast. All die grundsätzlich verschiedenen und vor Lebenskraft nur so sprühenden Charaktere sind gestochen scharf besetzt, was wohl auch daran liegen könnte, dass sich die meisten Darsteller*innen beinahe selbst spielen. Timothée Chalamet hat in der Rede zu seinem Golden Globe Sieg für A Complete Unknown verkündet, er wolle einer der ganz Großen sein. Gwyneth Paltrow spielt in Marty Supreme das erste Mal seit sechs Jahren wieder in einem Film mit und verkörpert eine Schauspielerin, die sich aus dem Filmbusiness zurückgezogen hat und an einem Comeback arbeitet. Der Industrielle Milton Rockwell wird von Kevin O’Leary gespielt. Der kanadische Geschäftsmann hat seine Bekanntheit der US-Show Shark Tank zu verdanken, an der er als Investor teilgenommen hat. Diese Aufzählung ist nur ein Teil der weitaus längeren Liste, die man eigentlich erstellen könnte, doch sie zeigt auf, wie der Film es schafft, authentisch zu wirken. Unterstützt wird dieses Gefühl zudem durch das Setdesign, das ein lebendiges New York aus den Fünfzigern erschafft.

Der Film kreiert mit seinem Pacing ein seltsames, fast paradoxes Problem, denn auf der einen Seite fühlt er sich weitaus kürzer an, als seine zweieinhalb Stunden Laufzeit vermuten lassen, und auf der anderen Seite wirkt er trotzdem einfach zu lang. Die Drehbuchautoren Josh Safdie und Ronald Bronstein schreiben dynamische, humorvolle und unterhaltsame Dialoge, die weite Teile des Films tragen und eine rastlose Kamera, geführt von Darius Khondji, schafft es Tempo zu erzeugen, ohne nervig herumzuwackeln. Doch trotz allem fragt man sich nach zwei Stunden Film irgendwann, ob das hier alles sein muss oder ob der eine oder andere Handlungsstrang nicht doch hätte fehlen können.

Marty Supreme ist ein kompetent gemachter Film, der damit zu kämpfen hat, dass ihn Kritiker*innen international hoch loben. Ein Umstand, der sich nach ganzen neun Oscarnominierungen wohl noch verstärkt hat. Der Film ist mittelmäßig bis gut, aber leider nicht mehr als das.

Der Film startet am 26.02.2026 in den deutschen Kinos.


Foto Credits: Tobis Film