Viele Gesellschaften haben ihre Bräuche und Feiern zum Ende und Beginn eines Jahres. Ob mit Raclette oder Glücksschweinchen, schließen wir ein weiteres Jahr ab und wünschen uns etwas für das kommende.
In Deutschland, westlicher Kultur und teilweise auch international wird der gregorianische Kalender benutzt. Er bewegt sich nach dem Solarkalender. Nach circa 365 Tagen hat sich die Erde einmal um die Sonne gedreht und ein neues Jahr wird markiert. Doch wer entscheidet, dass dieser Jahreszyklus am 1. Januar beginnt und gefeiert wird?
Der historische Vorläufer des gregorianischen Kalenders ist der julianische Kalender, welcher sich auch am Solarkalender orientiert. Als im antiken Rom der Wahltag zum Konsul auf den 1. Januar gelegt wurde, hat Gaius Julius Caesar bestimmt, dass der Januar von nun an der erste Monat des Jahres ist. Vor diesen Reformen wurde der Beginn des Jahres am ersten März mit einem Ritual gefeiert. Das heilige Feuer der Vesta wurde entfacht und das Jahr über geschützt. Brannte das Feuer von selber weiter, würde das Jahr mit Glück beschenkt werden. Auch nachdem der 1. Januar als Beginn des Neujahrs galt, fand dieses Ritual weiterhin am 1. März statt.
Caesar reformierte den julianischen Kalender nach seinem Aufenthalt im alten Ägypten, wo er sich am alten ägyptischen Verwaltungskalender orientierte. Dieser Kalender war mathematisch und astronomisch fortgeschrittener. Das Jahr begann mit den Überschwemmungen des Nils und dem Aufgang des Sirius, dem hellsten Stern am Nachthimmel. Nach antiken Quellen fiel dieser Tag auf einen ähnlichen Zeitpunkt der Sommersonnenwende. Die Überschwemmung war ausschlaggebend für die Landarbeiten und definierte den Jahreszyklus. Im antiken Griechenland wurde das neue Jahr am Tag der Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, gefeiert. Sie ist jedes Jahr am 21. oder 22. Dezember.
Im noch älteren antiken Babylon wurde das Neujahr zum Beginn der Ernte gefeiert. Das Akitufest, ehemals Akiti, wurde sogar zweimal im Jahr gefeiert. Der erste Vollmond des Frühjahrs markierte den Tag, wo die Länge der Nacht dem Tag gleicht. An diesem Tag wurde die Ersternte im März gefeiert. Das zweite Mal zum Beginn der Aussaat im September. Zwölf Tage lang wurde durch verschiedene Rituale und Prozessionen gefeiert. Die Götter würden die Welt für das neue Jahr und den Frühling reinigen. Das Fest war gleichermaßen von politischer Relevanz, denn der König wurde neu gekrönt, sowie sein Mandat erneuert. Es wird auch heute noch in Kleinasien am 21. März, als kulturell politisches Fest, gefeiert.
Einiges aus dem babylonischen Kalender wurde später in den jüdischen Kalender übernommen. Wie bei den Babylonier*innen gibt es zwei Tage im Jahr, die das neue Jahr markieren. Der Frühlingsanfang gilt bei den Samaritaner*innen weiterhin als Hauptfeiertag Das Rosch ha-Schana ,der zweite Feiertag, wird zu Beginn des siebten jüdischen Monats, circa Mitte September gefeiert. Es markiert den Tag der Wertschöpfung und wird von einigen Forscher*innen auf den Abschluss der Erntearbeiten bezogen.
Im islamischen Mondkalender sind die Monate kürzer, weshalb das Neujahrsfest, Muḥarram, durchs Jahr wandert. Das Neujahrsfest ist ein Gedenk- und kein Feiertag. Es wird an Muhammads Auswanderung von Mekka nach Medina erinnert, mit welcher die Zeitrechnung des Islams begann. Auch wird an das Leben und den Tod des Kalif Hussain gedacht. Für die Schiiten und Aleviten startet hiermit die Fasten- und Trauerzeit.
Ebenfalls am Mondkalender orientiert sich das Chinesische Neujahrsfest. Immer an einem anderen Tag, angepasst am Neumond, findet es zwischen Januar und Februar statt. Sie feiern über mehrere Tage, beginnend mit einem großen Feuerwerk. Mythologisch sollte es der Vertreibung des menschenfressenden Niánshòu – dem „Jahresmonster”, dienen. Altes wird erneuert, Neues wird gekauft. Sie verbringen Zeit mit rituellen Opferungen an Gottheiten und in der Familie.
Heute wird in Deutschland das Neujahr auch mit Feuerwerken und unseren Liebsten gefeiert! Neben etwas Bleigießen ist von den spirituellen und auch von den naturorientierten Traditionen wenig übrig geblieben. Die Erde beginnt einen weiteren Rundgang auf ihrer Laufbahn. Wir stoßen an. Wünschen uns etwas und heißen das Jahr aufs neue willkommen.
Frohes neues Jahr!
Foto: Yiran Yang | Unsplash







