Ruben Padberg (27) tritt als FDP-Direktkandidat für Tempelhof-Schöneberg bei den Berliner Abgeordnetenhauswahen 2026 an. Im Interview erzählt er, wie er von der Grünen Jugend zu den JuLis gekommen ist und warum er denkt, dass Eigentum in Berlin in den meisten Fällen besser ist als Mieten. Außerdem erklärt der TU-Student, welche Pläne er gegen den Sanierungsstau an den Hochschulen hat.

Das gesamte Gespräch findet ihr hier:

UnAuf: Wie bist du zur FDP gekommen?

Ruben Padberg: Meine politische Karriere hat ganz woanders angefangen. Mit 16 Jahren bin ich in Aachen zur Grünen Jugend gegangen, weil mich Radverkehr, Energiewende und Naturschutz interessiert haben. Irgendwann wurde es mir dort aber zu abgehoben: Hundertprozentige Erbschaftssteuer, Verbotsdebatten gegen die AfD oder andere unliebsame Organisationen – das entsprach nicht meinem Verständnis von rationaler Wirtschaftspolitik, die Chancen und Wohlstand schafft. Die Themen, die mich wirklich begeistert haben, ordentliche Verkehrspolitik, Energiewende, kamen kaum vor. Stattdessen gab es sinnlose Aktionen wie eine „Plastik-Attack“, bei der ein Supermarkt zugemüllt wurde, oder Gender-Events. Ich bin da tolerant, aber das war nicht ganz meins.

Irgendwann habe ich die Partei verlassen und mir andere Organisationen angeschaut: die Jusos, die Junge Union – bei deren Sommerfest kamen alle im Anzug, das hat mich abgeschreckt. Dann habe ich mich mit den JuLis getroffen, und das war sehr nett: Wir haben den ganzen Abend über Aufstiegschancen für Kinder aus benachteiligten Familien in Thüringen und über Sterbehilfe diskutiert.

UnAuf: Der FDP eilt auch eher ein elitärer Ruf voraus. Wie hast du das dort erlebt?

Ruben Padberg: Den Ruf kannte ich, und ich habe vorher auch geglaubt, dass FDPler alle abgehobene, reiche Säcke sind. Das war aber überhaupt nicht so. Leider, ich wäre selbst auch gerne reich.

UnAuf: Würdest du dich selbst als Liberalen bezeichnen, und was bedeutet politischer Liberalismus für dich persönlich?

Ruben Padberg: Ja, absolut, durch und durch. Für mich geht es um das Überwinden gesellschaftlicher Zwänge und traditioneller Korsette, die uns einengen. Und um die Möglichkeit zur Selbstentfaltung jedes Einzelnen. Wir stellen die Freiheit und das Wohl des Einzelnen in den Mittelpunkt – jedes Einzelnen, nicht einer bestimmten Gruppe. Wir spielen Gruppen nicht gegeneinander aus, sondern sorgen dafür, dass jeder möglichst frei leben kann.

UnAuf: Verkehrspolitik ist eins deiner politischen Schwerpunktthemen: Laut dpa starben 2025 in Berlin 37 Menschen bei Verkehrsunfällen. Wie wollt ihr dafür sorgen, dass die Straßen sicherer werden?

Ruben Padberg: Ein zentraler Punkt ist, den Radverkehr in Nebenstraßen zu verlagern, in vielen Fällen ist das sehr gut möglich. Denn dadurch würde die Zahl sinken: Viele Unfälle entstehen aus Kollisionen zwischen Radfahrern, Rad- und Autofahrern oder Autofahrern und Fußgängern. Trennt man die Verkehrsträger, ohne die Leute zu bevormunden, passieren weniger Unfälle.

UnAuf: Angenommen, du müsstest dich entscheiden: 1.000 neue öffentliche Parkplätze oder 100 neue Fahrradwege?

Ruben Padberg: Dann lieber die Fahrradwege. Parkplätze sollten verstärkt Aufgabe der Investoren sein, wenn sie Wohnprojekte realisieren – mehr Tiefgaragen sind auch Teil unseres Radprogramms, aber Radwege sind notwendige Verkehrsinfrastruktur.

UnAuf: Ein Thema, das viele Studis in dieser schönen Stadt beschäftigt, ist bezahlbarer Wohnraum. Würdest du sagen, Eigentum ist für dich grundsätzlich besser als Mieten?

Ruben Padberg: In Berlin in den meisten Fällen ja, weil die Preise perspektivisch weiter steigen werden. Eigentum bedeutet ein Stück Freiheit – man ist unabhängig von Vermietern, sei es privat oder der Staat. Auch ein Immobilienkredit über 20 oder 30 Jahre bleibt in Zins und Tilgung über Jahre stabil, ist kalkulierbar und schützt vor Inflation, anders als das Mieten. Und wenn die Immobilienpreise steigen, sind Käufer irgendwann im Plus. Im schlimmsten Fall, wenn das Einkommen wegfällt, kann man die Wohnung verkaufen, den Kredit abbezahlen und zur Miete umziehen.

UnAuf: Denkst du, das ist ein realistischer Lebensentwurf für alle möglichen Menschen in Berlin? Bei Vielen fehlt ja gerade das Eigenkapital oder sie können nicht langfristig planen und finanzieren…

Ruben Padberg: Ich glaube, es ist auf jeden Fall möglich. Der Blick nach Belgien, das mit über 90 Prozent die höchste Eigentumsquote Europas hat, zeigt, dass es geht, wenn es politisch inzentiviert wird. Viele Menschen müssten noch mehr über zinsverbilligte Eigenkapital-Ersatzkredite aufgeklärt werden, etwa von der KfW oder der Berliner Investitionsbank, die es Menschen mit wenig Ersparnissen ermöglichen, eine Immobilie zu kaufen.

Ein großer Punkt ist außerdem die Grunderwerbsteuer: Schnell sind das über 10.000 Euro, für die man sich sogar verschulden muss, obwohl man ja nichts konsumiert, sondern nur ein Objekt den Besitzer wechselt. Absurd ist zudem, dass Verkäufer nach einer Haltedauer steuerfrei verkaufen können, der Käufer aber zahlen muss. Am liebsten würde ich die Grunderwerbsteuer beim Eigennutz ganz abschaffen.

UnAuf: Eine Mehrheit hat 2021 für die Vergesellschaftung von Deutsche Wohnen & Co. gestimmt, 2014 eine Mehrheit gegen die Randbebauung des Tempelhofer Felds – ihr wollt beides politisch nicht umsetzen. Ist die FDP jene Partei, die sich in der Wohnungsfrage gegen die Interessen der Berliner*innen stellt?

Ruben Padberg: 2014 war eine andere Zeit, der Wohnungsmarkt war entspannter. Wir sind überzeugt, dass es heute keinen anderen Weg mehr gibt, als das Tempelhofer Feld in Teilen – am südlichen Rand entlang der Autobahn und ein Stück im Norden – zu bebauen, während der größte Teil frei für Freizeitzwecke bleibt. Dort könnten 10.000 Wohnungen entstehen; ich wohne selbst in der Nähe und gehe da gerne laufen oder picknicken, aber wichtiger als das ist, dass Menschen adäquat wohnen können.

Bei der Enteignungsabstimmung 2021 gab es nur eine knappe Mehrheit, und nicht besonders viele Berlinerinnen und Berliner haben überhaupt abgestimmt. Zudem hat sich die Stimmung seither gedreht: Vor etwa drei Wochen waren noch 48 Prozent für eine Vergesellschaftung, inzwischen nur noch 38 Prozent. Immer mehr Menschen zweifeln offenbar, ob das der richtige Weg ist.

UnAuf: An der HU haben wir – wie an der TU – einen gewaltigen Sanierungsstau. Wie würde die FDP dafür sorgen, dass Uni-Gebäude saniert werden?

Ruben Padberg: Geld im Landeshaushalt umschichten – Geld ist da, wir müssen Prioritäten setzen. Die Erzählung vom Sparhaushalt ist schlicht falsch: Berlin gibt dieses Jahr 45 Milliarden Euro aus, mehr als je zuvor, auch inflationsbereinigt mehr als im Vorjahr. Auch 2025 gab es trotz der vom Landesrechnungshof geforderten Kürzung um 3 Milliarden am Ende noch eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr – einen echten Kürzungshaushalt haben wir also nicht.

Ein großes Problem bei Unigebäuden ist der Denkmalschutz: An der TU Charlottenburg stehen auch hässliche Bausünden aus den Siebzigern komplett unter Denkmalschutz, innen wie außen. Will man da etwa eine einzelne Lampe austauschen, muss sie originalgetreu nachgefertigt werden – das kostet dann 1.000 statt 50 Euro. Die Komplettsanierung der TU ist mit 2,3 Milliarden Euro veranschlagt.

UnAuf: Hast du einen Plan B, falls es politisch nicht klappt?

Ruben Padberg: Ja, ich würde gerne für die Stadtwerke Potsdam arbeiten – die sind fachlich ein sehr interessanter Arbeitgeber, besonders weil sie viel mit Fernwärme und Geothermie machen.

Warum Ruben denkt, dass Klaus Wowereit mehr Charisma als Kai Wegner hatte und ob er denkt, dass der Slogan Digitalisierung First, Bedenken Second heute noch auf die FDP zutrifft, erfahrt ihr in der ganzen Podcastfolge.


Foto: Tobias Würtz