Wo ist sie hin, die Jugend? Gerade einmal in seinen 20ern angekommen und schon scheint ein bewaffneter Konflikt auf EU-Boden vor der Tür zu stehen. Wie die instabile politische Situation und schwindende Zukunftsperspektiven wohlstandsverwahrloste Europäer*innen einen Crash out erleben lässt.
Kämpfen in der Schlacht um Warschau, 2030. Im russischen Gulag Borschtsch in die Futterluke geschoben bekommen. Europa zerklüftet durch östliche Invasoren. Beim Blick auf die politischen Schlagzeilen der letzten Monate scheinen dies alles reelle Möglichkeiten zu sein. Vorbei ist der naive Optimismus, welcher die 2010er Jahre geprägt hat, nun bestimmt eine erschütternde Weltuntergangsstimmung den Zeitgeist.
Machen wir uns nichts vor, die Zukunft unserer Lebensweise ist unsicherer denn je. Vergessen geglaubte Tunichtgute wie die Wehrpflicht sind plötzlich wieder da. Und so ungerne man es ausspricht: rein realpolitisch betrachtet ist dies die richtige Entscheidung. Laut Kyrylo Budanov, dem Leiter des Präsidialamts der Ukraine, plant Russland innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren einen groß angelegten Angriff auf ein östliches EU-Land zu starten; vermutlich einen der baltischen Staaten. Aufgrund des unberechenbaren, Putin-bewundernden amerikanischen Präsidenten ist die Rolle der USA unklar im besten Falle. Aktuelle Handlungen sprechen bedauerlicherweise eine eindeutige Sprache: Russland ist alleine Europas Problem.
Wird damit unser vor kurzem noch als selbstverständlich empfundene, ruhige Leben endgültig aus den Fugen gerissen?
Es fällt einfach zu sagen, dass apokalyptische Vorhersagen und der ständige Hauch der Angst im Nacken niemandem etwas nutzen, wenn man noch behütet zu Hause sitzt. Aber die Wahrheit gestaltet sich häufig anders: Warum überhaupt noch irgendetwas machen, wenn in maximal drei Jahren das russische Militär vor der Tür steht, bzw. man selbst vor deren Tür?
Warum im Studium abmühen, warum auf Ernährung achten, warum ins Fitnessstudio gehen? Wenn man den Hänger-Lebensstil durchzieht, ist die Wohlstandsplauze in zwei Jahren vielleicht zu definiert, um eingezogen zu werden. Win-Win! Aber mal ehrlich: unsere Generation mit einem Gewehr in der Hand? Also einem echten Gewehr? Solche gibt‘s doch nur in „Call of Duty“ dachte ich. Welche Belohnungen wohl ein Fünfer-Killstreak im echten Leben bringt?
Natürlich liebe ich Europa und so, aber falls es hart auf hart kommt, bin ich im ersten Direktzug in die Schweiz. Das Fazit lautet also: einfach zurücklegen und die großen Jungs das machen lassen! Je verblödeter man ist, desto besser geht es einem.
Aber genug der Euphorie; auch wenn kein Krieg losbrechen sollte, sieht es verdammt düster aus. KI auf dem Vormarsch, Jobchancen im Arsch. Von Leuten aus den verschiedensten Branchen hört man ewig das Gleiche: „Es ist eigentlich ganz einfach bei uns anzufangen! Du brauchst fünf abgeschlossene Praktika, drei Jahre Berufserfahrung und einen Master mit 1.0“. Leben leben wird sowieso überbewertet. Abgesehen davon, dass das Konzept dafür betteln zu müssen FÜR jemand anderen zu arbeiten, wohl perverser nicht sein könnte, gestaltet es sich äußerst schwierig, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, wenn großzügig angesetzte, monatliche Gehälter für drei Maoam-Packungen reichen. Klar Chef, ich zieh einfach ins Büro! Hobbies hab ich sowieso keine, ich lebe und sterbe für die Firma!
Auch hier sollte die Lösung eindeutig sein: ein Vorbild an Nationalheld Arno Dübel nehmen und den Diem einfach etwas mehr Carpen. Auf Kosten der elenden Systemlinge natürlich.
Die Zukunft hat nie heller gestrahlt.







