In der Nähe der kleinen Stadt Caazapá im Süden Paraguays hat sich eine Gruppe von ausländischen Siedlern niedergelassen. Im El Paraiso Verde leben Europäer*innen, die als Reaktion auf die Corona-Pandemie ihre Heimat verlassen haben.

El Paraiso Verde: Für diesen hochtrabenden Namen entscheidet sich der ehemalige Scientologe Erwin Annau, als er im Süden Paraguays eine Kommune gründete. Auf einem über 1.600 Hektar großen eingezäunten Gelände leben Menschen aus aller Welt, vor allem aber aus Deutschland und Österreich. Sie alle eint die Ablehnung der Corona Impfung und der Glaube an verschiedenste Verschwörungserzählungen. Ziel der Paraiso-Bewohner*innen ist es, eine autarke Gemeinschaft zu schaffen.

In dem Kinodokumentarfilm nimmt Regisseurin Yulia Lokshina die Zuschauer*innen mit in diese Parallelwelt und beleuchtet neben Gründer Annau und seiner Familie auch einige der anderen Bewohner*innen. Zum Beispiel Kai und seine Familie, die unter dem Namen Messengers of Light ihre Kund*innen von schwarzmagischen oder außerirdischen Einflüssen zu befreien versprechen, oder ein Ornithologe aus Großbritannien, der nach einem Gespräch mit Annau befürchten muss, dass seine Impfung zu seinem vorzeitigen Ableben führen könnte.

Doch die Handlung beginnt nicht etwa innerhalb des Paraiso Verdes, sondern vor seinen Toren. Hier treffen die Zuschauer*innen auf die beiden Student*innen Yohana und Will, die in einfachen Verhältnissen in Caazapá und damit in direkter Nachbarschaft der Siedler*innen leben. Ziel des Films ist es über sie die Beziehungen zwischen Einheimischen und Auswander*innen ergründen. Schließlich ist das El Paraiso in der Region ein großer Arbeitgeber und trotz der Abgeschlossenheit der Kommune ergeben sich immer wieder Verbindungen zwischen seinen Bewohner*innen und der einheimischen Bevölkerung – zum Beispiel eine kurze Liebesbeziehung zwischen Kai und Yohana. Doch es ist genau diese Ambition, die dem Film am Ende zum Verhängnis wird. Denn während sich in den rund 121 Minuten Laufzeit ein mehr oder minder klares Bild von den Siedler*innen ergibt, bleiben Yohana und Will eher undurchsichtig. Das liegt vor allem daran, dass ihnen vergleichsweise wenig Zeit gewidmet und in den Minuten, die bleiben, ihre Motivationen nicht wirklich herausgearbeitet werden. Das zieht sich bis zum Schluss durch, wenn auf der Endkarte nur noch steht, die beiden hätten ihr Studium beendet und seien in die Welt aufgebrochen.  Wohin genau und was sie dort nun tun, das erzählt der Film nicht.

Dabei liegt genau im Nachbarschaftsverhältnis eigentlich ein spannender Konflikt,  Annau ist schließlich nicht der einzige, der in Paraguay eine Kommune gegründet hat. Bereits im 19. Jahrhundert ließen sich völkische deutsche Siedler*innen rund um die Nietzsche-Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche in Paraguay nieder. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Nationalsozialist*innen in das Land. Was aber macht eine solche Form der Einwanderung mit einem Land oder einer Region? In Lokshinas Film wird das nur angedeutet, nicht ausbuchstabiert. Dieser Schwäche zu trotz liefert „Im Umkreis des Paradieses” einen spannenden Einblick in eine Welt, die den meisten Menschen wohl verborgen bleiben dürfte.


Foto: © Zeno Legner / Trimafilm