Adagio gedeckt wäre vielleicht der bessere Titel gewesen. Das zweite Regieprojekt Anna Rollers, basierend auf dem Roman von Leif Randt (2020), glänzt hauptsächlich durch seine Beleuchtung sowie die Leistung der Hauptdarstellerin. Für einen guten Film reicht das leider nicht.
Während die Berlinale ja durchaus für anspruchsvolle Filme bekannt ist, die schwierige oder gesellschaftspolitische Themen verhandeln, kommt Allegro Pastell im Vergleich sehr seicht, beinahe flach daher. 100 Minuten lang können die Zuschauer*innen der Fernbeziehung zweier Millennials zwischen Berlin und Maintal bei Frankfurt zusehen, die im Jahr 2018 durch ihr schön belichtetes Berliner Leben stolpern, in dem sie keine Probleme haben außer sich selbst. Das kann per se durchaus die Prämisse eines guten Films sein, geht dann aber doch nicht tief genug, um eine Charakterstudie zu sein, die für sich selbst stehen kann. Tanja und Jerome arbeiten, streiten und lieben vor sich hin, bis Jerome in einer Beziehungspause mit Tanja seine alte Schulfreundin Marlene schwängert, und gezwungen ist scheinbar zum ersten Mal Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen.
Keine der Figuren ist besonders sympathisch und vor allem bei dem Mitte 30-jährigen Protagonisten Jerome (Jannis Niewöhner), der von Lavalampen inspirierte Websites programmiert und mit seinem Drogenkonsum kokettiert, klaffen die Eigenwahrnehmung als cool und junggeblieben und das Bild, das man als Zuschauerin von ihm bekommt, weit auseinander. Als Resultat bleibt vor allem peinliche Berührtheit.
Tanja (Sylvaine Faligant), die als Schriftstellerin arbeitet, und Jerome treiben durch ihre Leben, die sich immer wieder kreuzen, in einer Mischung aus quarter-life-krisenhaftiger Sinnsuche und Spießigkeit, die schlecht zusammenpassen und für die sie eigentlich schon viel zu alt sind. Beide sind finanziell gut aufgestellt, kommen aus privilegierten Verhältnissen und heimsen das soziale Kapital ein, dass ihnen das demonstrativ zur Schau gestellte links und alternativ sein in ihren Berliner und Frankfurter Blasen verschafft, bevor es dann abends zurück in den von den Eltern übernommenen Eigentumsbungalow in Maintal geht.
Auch mit der Wahl von Jannis Niewöhner – der Allzweckwaffe des deutschen Films – in der Rolle von Jerome, hat der Film sich keinen Gefallen getan. Während seiner langen Teenie-Film-Karriere mag es gereicht haben, aufgrund von Namen und Aussehen besetzt zu werden. In Allegro Pastell hingegen, blickt einem von der Leinwand nicht Jerome entgegen, sondern, naja, Jannis Niewöhner. Das könnte zum einen daran liegen, dass er ein zu markantes Äußeres hat, als dass er die Rolle des generischen, charakterlosen Millenials Jerome glaubhaft verkörpern könnte. Zum anderen daran, dass die Zuschauer*innen, wenn er spricht, vor dem inneren Auge die im Drehbuch gedruckten Sätze sehen.
Dieser Eindruck verstärkt sich vor allem im Vergleich zu seiner Rollenpartnerin Sylvaine Faligant, die mit Tanja die andere Hälfte der Fernbeziehung verkörpert. So wird der Film vor allem von ihr getragen. Faligant gelingt es Tanja als komplexe Figur zu verkörpern. Bereits optisch verweigern sich Tanjas kurze, oft zurückgegelte Haare und ihr Kleidungsstil weiblich konnotierten Schönheitsnormen. Tanja stößt ihre Mitmenschen vor den Kopf, kommuniziert schlecht, will A und tut B. Faligants tiefe Stimme mit dem feinen französischen Akzent passt gut zu dieser Figur. Vor allem ihr gelingt es durch ihr Spiel dem Film etwas Tiefe zu verleihen.
Während Tanjas beste Freundin Amelie (Vera Flück) auch im Buch mit ihrem Gewicht zu kämpfen hat, wirkt bei den Nebencharakteren vor allem der Cast von Jeromes anderer love interest Marlene (Haley Louise Jones), als einziger Person of Color in einer relevanten (Neben-)Rolle, ein bisschen wie der Haken auf der Diversitätscheckliste. Für einen Schwarzen Jerome war man dann wohl doch nicht „woke“ genug. Genau wie Faligant überzeugen jedoch auch die beiden in ihren Rollen.
Neben Faligants schauspielerischer Leistung, ist das Beste an dem Film noch seine Cinematographie, für die vor allem Kameramann Felix Pflieger verantwortlich ist, der bereits in anderen Projekten mit Anna Roller zusammenarbeitete. Dabei überzeugt besonders die Farbgestaltung, die warm und übersättigt ist, durch ihren leichten Blauton an das Innere eines Restaurants voller Aquarien erinnert und dabei eine bittersüße Nostalgie erzeugt.
Zuletzt muss man dem Film dennoch zugestehen, dass die Buchadaption gut gelungen ist. Fans werden den Film sicherlich genießen. Und das dürften angesichts des Spiegelbestseller-Status zumindest einige sein.
Foto: © Felix Pflieger







