Das Wort „Crash out” benutzen wir allzu oft. Viele haben diesem Wort gewisse Empfindungen gegenüber und sind deswegen mit diesem Ausdruck verbunden. Er wird benutzt, um Reaktionen auf alltägliche und existenzielle Probleme näher zu beschreiben. In diesem Sinne hatte ich die Idee einen Text über dieses komische Wort zu schreiben und kann nur hoffen, dass sich manche mit ihm identifizieren werden.
„Crash out“ hat mehrere Bedeutungen, in erster Linie ist es Slang für einen emotionalen Zusammenbruch oder eine impulsive, bedauerliche Handlung aufgrund von extremen Stress oder Überforderung.
Wenn das so ist, ist dieser der merkwürdigste Crash out meines Lebens. Ich bin 19 Jahre alt und komme ursprünglich aus Rumänien. Ich wohne seit drei Monaten in Berlin – die schlimmste Stadt ist, um sich selbst kennenzulernen. Wohnungssuche ist hier Nationalsport und alle reden mit mir auf Englisch, obwohl ich Deutsch fließend spreche. Im Ring zu wohnen, fühlt sich schon wie eine Utopie an. Ich sagte schon, dass diese Stadt eher eine Identitätskrise verursacht, als löst. Ich schlafe entweder drei, oder dreizehn Stunden, lese klassische Literatur, analysiere Filme, kommentiere Theaterstücke und besuche Kunstausstellungen. Manchmal lerne ich auch. Dabei alles in dieser Ordnung, denn ich bin eben eine intellektuelle Person. Kultur ist mein Ding. Oder? Ich bin von Büchern, Müll, Redbulls, Wein und einem Sandwich umgeben. Dabei sitzen meine Kleider strategisch in jeder Ecke des Zimmers. Aus so einem Chaos kann eigentlich nur Leidenschaft entstehen, meinen meine Freunde. Vielleicht haben sie auch Recht. Ich gehe alleine zu Partys , besuche Bars, als ob sie Museen wären und nehme an Veranstaltungen teil, die ich nur halb verstehe. Alles in mir schreit „Mach was. Entdecke die Stadt, sprich Leute an und fühle dich wohl.” Aber wie? Meine Wohnung ist befristet, meine Gelder laufen aus und mein Studium muss priorisiert werden, sonst wird meine Zukunft unsicher. Ich bin ein fehlerhaftes Ideal, das ein Leben voller Gelegenheiten geschenkt bekommen hat.
„Jugendliche sind dies und das, sie machen die Stadt schmutzig und sind undankbar für die Opfer ihrer Eltern. Zu viel Freiheit schadet”, sagt mein Vater. Er fügt hinzu, dass er mich hier nie mehr besuchen wird. Die Stadt ist zu groß, das Wetter zu kalt und die Menschen sind wie die Ratten, zu viele. Meine Mutter sagt, dass es peinlich ist, wie alleine ich hier bin. Dazu will ich sagen, dass ich gar nicht so einsam bin. Ich habe meine Freunde, meine Veranstaltungen und viele Träume. Sie unterbricht mich und erinnert mich daran, dass ich so klein bin, im Vergleich zu der großen Welt vor mir. Ich stimme zu und wechsle das Thema.
Ich trinke billigen Kaffee auf poetische Weise und hoffe, dass alle merken, wie tiefsinnig ich bin. Dann gehe ich hinaus und die Euphorie „zu sein” überwältigt mich. Ich bin ein impulsiver Mensch, der alles zehnfach fühlt. Ich sehe die beleuchteten Räume, Menschen, die sich intensiv miteinander unterhalten und bin dankbar, einfach als Person aufatmen zu können. Ich bin überfordert, aber so wie Menschen nun mal überfordert werden. Dann kann ich meine Mutter anrufen oder wieder eine Bar besuchen, als ob sie ein Museum wäre. In dieser Bar kann ich auch lernen, weil meine Zukunft wichtig ist, weil ich wichtig bin. Wer sich nicht kennt, irrt nur, aber ich würde viel lieber auf der Farbpalette einer Künstlerin irren, als in einem Bürogebäude. Man muss die einzelnen Brüche des Ichs romantisieren können, sonst bleibt das Selbst zerrissen. Im Endeffekt ist dies aber nur ein Crash out und ich, nur verwirrt.





