Am Donnerstag, den 18. Juni sahen sich im Studentenhaus der TU drei studentische Kurzfilme auf dem Siegertreppchen des Film It! 48h. Von den 14 Einreichungen konnte sich schließlich die surreale Verfilmung eines Traumes durchsetzen.
Die über hundert Gäste, teilweise aus dem Bekanntenkreis der Teilnehmenden, sitzen schwitzend im verdunkelten Raum und blicken gebannt auf die Leinwand. In weichen, unscharfen und wackeligen Bildern ziehen Laternen durch das Bild, dazu ein Telefonat. Nach dem vertrauten Brummen eines unbeantworteten Anrufs spricht jemand auf die Mailbox, nur hören wir davon plötzlich nichts mehr. Statt dem Dialog, der per Untertitel eingeblendet wird, ertönt ein atmosphärisches Dröhnen. Der Film, den sie sehen, ist im Rahmen des studentischen Kurzfilmwettbewerbs entstanden, den das Kulturwerk (des Studierendenwerks Berlin) in diesem Jahr bereits zum elften Mal veranstaltete.
Mitmachen konnten alle, die an einer der Berliner Hochschulen immatrikuliert sind. Hinter den Beiträgen stehen mal ganze Teams, mal ein paar Freunde oder Einzelpersonen. Jedes Semester werden zu einem bestimmten Termin das Thema für die Filme vorgegeben, sowie drei Aspekte bestimmt, die in jedem Film enthalten sein müssen. Dieses Mal sollten alle Teilnehmende „Eine Nacht in Berlin“ darstellen. Dabei musste etwas unausgesprochen bleiben, es sollten zwei Perspektiven auf dieselbe Situation gezeigt werden und jemand musste bewusst oder unbewusst eine andere Rolle spielen. Die Teilnehmenden setzen diese Vorgaben mal enger und mal weitaus interpretativer um, von Filmen, die an einem gewöhnlichen Samstagabend eine Kamera mitlaufen ließen, bis hin zu einer Sitcom mit durchgetaktetem Drehbuch. Und dabei hatten die Teilnehmenden, wie der Name des Wettbewerbs schon verrät, gerade einmal 48 Stunden Zeit für Konzept, Dreh und Postproduktion.
Durch das Ausbleiben des Dialogs bleibt im ersten Film des Abends One night in Berlin allein auf technischer Ebene etwas unausgesprochen. Zusätzlich auch auf erzählerischer, denn der Anruf wird eben nicht angenommen. Schon der erste Beitrag zeigt, wie vielseitig die Themen interpretiert und umgesetzt wurden.
Besonders erinnernswert waren unter anderem 25ct., ein Film über Pfandflaschen, der neben einer skurrilen Prämisse vor allem als einziger Vertreter des Horror Genres herausstechen konnte. Auch Tunnelvision, der letztlich den dritten Platz ergatterte, startet mit einem starken Intro nachts in einer Gasse, verliert sich im Mittelteil etwas zu lang in ätherischen Montagen, rundet den Schluss allerdings mit einem cleveren Plot Twist ab. Zu guter Letzt muss auch noch der zweitplatzierte Kurzfilm WG gesucht Erwähnung finden. Die sitcomartige Suche nach dem nächsten WG-Mitglied besticht durch ihr brillantes Editing, das in dem Gag-Feuerwerk für gelungenes komödiantisches Timing sorgt.
Publikumsliebling wurde letzten Endes Gott der Stadt. Über 4:30 Minuten wird der skurrile „Alptraum eines Mieters“ gezeigt: von einem Dinosaurier, der eine Stadt zertrümmert, über mystische Verfolgungen durch Berlin, bis zu den wiederkehrenden rückwärts abgespielten Passagen. Der Gewinnerfilm konnte besonders mit seinem Produktionsdesign überzeugen. Mitunter im Kino oder in einer aus Holzwänden aufgestellten Großstadt mäandern die Figuren vor sich hin.
Bis zum Ende der Veranstaltung wussten die Zuschauer*innen nie, was als nächstes auf sie zukam. Zudem bereicherten kleine Interviews den Abend, in denen nach jedem Block aus zwei Kurzfilmen jeweils die Teams zum kreativen Prozess sowie der intendierten Aussage befragt wurden. Das bot nicht nur einen netten Blick hinter die Kulissen, sondern setzte auch die Einreichungen in einen größeren Kontext.
Alle Kurzfilme aus diesem und allen bisherigen Wettbewerben sind auf dem Youtubekanal vom Kulturwerk zu finden. Wer jetzt auch mitmachen will, kann schon im Wintersemester beim film it! extended 2026 in mehr als 48 Stunden an einem Kurzfilm arbeiten. Zu gewinnen gibt es auf den ersten drei vom Publikum gewählten Plätzen 500, 300 und 200 Euro.
Foto: Tamina Dühnelt (stw)







