Vor dem Start des Studiums steht ein*e jede*r vor der großen Herausforderung, einen Studiengang zu wählen. Doch ob Jura oder Pferdewissenschaften, alle Studierenden treffen in geteilten Kulturräumen, wie der Mensa, aufeinander.
Ein verführerischer Duft weht um die Ausgabetheken. Ein goldener Schimmer umhüllt die gepellten wachsweichen Ovale, die sich auf einem silbernen Serviertablett präsentieren. Es muss Senfeier-Tag sein. Auf dem Porzellanteller liegen die Kartoffeln sorgfältig angerichtet und die glänzenden Eier in der Mitte. Die Gabel sticht in das weiche Eiweiß, das die Zinken wie eine Wolke umarmt. Es wird zum ersten Biss angesetzt. Das flüssige Eigelb vermengt sich mit der Senfsauce – ein vollmundiger Geschmack, der Extraklasse. Ein Traum, der fern scheint, denn wir sind in der Mensa Süd der HU.
Hier offenbart sich ein ganz eigenes Studium. Eine ewig lange Schlange an der Beilagen Theke, der Weg versperrt von Menschen, die nicht mal wissen, wofür sie anstehen. Du schlängelst dich vorbei und scannst das Angebot. Ein Koreanisches Linsencurry, die nicht mehr so leckeren Steakhouse Fritten oder ein überteuertes Stück Flammkuchen. Die Massen an Menschen, um die jede*r tänzeln muss, um nicht überrannt zu werden, machen die Entscheidung nicht leichter. Meistens ist es eine Bequemlichkeitsentscheidung – Wo stehen die wenigsten an, damit ich so schnell wie möglich hier raus kann. Eine Qualität für den Lebenslauf: Überlegte Entscheidungen in High-Level-Stress-Situationen treffen.
Doch hier endet es nicht, gerade die Salatbar ist ein Scoutingplace für angehende Architekt*innen. Eisbergsalat bleibt hier keine Metapher. Zwischen in Julienne geschnittenen Möhren, Mais und French-Dressing zeigen sich Generationen von überliefertem Wissen unter Studierenden. Die Mulde gefüllt mit Kleinteiligem, darüber ein neuer Boden aus Gurken und Salat. Nun wird aufgetürmt. Hierbei geht es nicht nur um die Stapelkunst, es ist auch eine notwendige Spartaktik.
„Coping Mechanismus für Kürzungen und schlechtes Essen“
Der Instagramaccount @mampfkrampf – Live und vor Ort warnen sie Student*innen vor den Gefahren der Tagesgerichte. Ebenso blicken sie kritisch auf Veränderungen, wie den Verlust des Olivenöls, das im Zuge der Hochschulkürzungen verschwand: „Wie soll man da einen Salat machen?!“, kritisiert eine Sprecherin.
Das mampfkrampf-Kollektiv ist ein Zusammenschluss von rund zwölf Sozialwissenschafts-Student*innen, die meisten sind bereits im Master. Im Antlitz der empörenden Situation, bedingt durch die Kürzungen und das schlechte Essen, entschieden Sie sich, im Februar 2023 dazu den Account zu erstellen – studentischer Protest, der noch erlaubt ist. Während Qualität des Angebots und beschränkte Öffnungszeiten Leiden unter die Student*innen bringt, blickt mampfkrampf liebevoll in Richtung der Mitarbeiter*innen. „Ich sehe die Mensafrauen öfter als meine Familie“, erklärt ein Mitglied. Sie beschreibt es als eine parasoziale Bindung.
Neben aller Sentimentalität eint das Kollektiv vor allem der Humor als Mittel, um mit den aktuellen politischen Gegebenheiten umzugehen. Der Name bleibt dabei Programm: „Es gibt auf jeden Fall Tage, an denen es eher ein Krampf statt Mampf ist.“ Doch irgendwann verlassen sie die HU. Ob mit Abschluss oder ohne, die wichtigste Lektion kennen sie: aus einer schlechten Situation das Beste herauszuholen.
Illustration: Emely Stache







