Auf meinem Weg zur Uni staune ich immer wieder über den einen oder anderen Touristen, der freudig dreinblickend mit einem Reiseführer unterm Arm durch die Friedrichstraße spaziert, einen Blick über die Marschallbrücke wirft und schließlich den Selfie-Stick vor dem Reichstagsgebäude ausfährt. Einmalig. Den Gedanken haben vermutlich alle Reisenden, die diese besondere Erfahrung machen.

Doch was weiß man schon über Berlin, wenn man den Fernsehturm rauffährt, ein Bild vom Brandenburger Tor macht und Madame Tussauds besucht? Was weiß man über das Leben in Paris, wenn man den Eiffelturm fotografiert oder über den Alltag in Marokko, wenn man auf Kamelen am Strand reitet?

„Scheiß auf den Eiffelturm! Vergiss Buckingham Palace!“

Für den Journalisten und Autor Lennart Adam steht fest, dass sich das wahre Gesicht eines Landes nicht in seinen Sehenswürdigkeiten zeigt. Aus seiner Sicht lässt sich ein Land wohl kaum besser erleben, als durch seine Bars und die Gespräche, die darin geboren werden. In seinem Buch Auf ein Bier bleibe ich noch – Bargeschichten von Teheran bis Havanna erzählt er von Erlebnissen und Bekanntschaften, die er auf seinen Reisen machte und schildert dabei die ganz normalen Gedanken aus dem Alltag ferner Länder.

In insgesamt 23 Geschichten erzählt Adam von kaum überwindbaren Sprachbarrieren, brenzligen Situationen und dem Abbau zahlreicher Vorurteile. Während manche Ländernamen (zugegeben) auch in mir bestimmte Bilder auslösen, faszinierten mich insbesondere die Erzählungen, die diesen komplett entgegenstehen. Länder, die ich zuvor eher gemieden hätte, finden damit ihren Weg auf die Liste potentieller Urlaubsziele. Stellenweise habe ich mir dann aber doch gewünscht mehr zu erfahren, sodass ich bei der ein oder anderen Geschichte leicht enttäuscht war, als ich feststellen musste, dass sie bereits nach wenigen Seiten endete.

Auf ein Bier bleibe ich noch ist ein unterhaltsames, wenn auch einfach geschriebenes Buch. Die kulturelle Vielseitigkeit, die die einzelnen Geschichten ausmacht, wird gerade bei reisefreudigen Leser*innen auf viel Sympathie stoßen. Und auch diejenigen, die neben all dem Unistress nicht die Zeit finden, sich in tiefgründigen Romanen zu verlieren, werden an den Bargeschichten Freude finden. Eines hat das Buch allemal geschafft: Bei meiner kommenden Reise stoße ich mit Fremden auf neue Erfahrungen an.

 

Lennart Adam: Auf ein Bier bleibe ich noch – Bargeschichten von Teheran bis Havanna
Reisedepeschen-Verlag 2019
304 Seiten, broschiert. 18,00€

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