„Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“, schrieb Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie. Wer hätte damals ahnen können, dass er eigentlich die Mensa Süd meinte?

Aus allen Richtungen strömen die Studierenden durch die zwei Tore, als Schicksalsgenossen und einsame Reisende zugleich. In der Vorhölle, den Eingangsbereichen, sammeln sich die Verdammten ohne Autoload. An langen Schlangen sind sie dazu verurteilt, wieder und wieder ihre MensaCard aufzuladen, um den ewigen Hunger stillen zu können.

Es folgt der erste Kreis der Hölle: die Essensausgabe. Die Qual der Schlangen bleibt erhalten, durch das Gedränge und die zehrenden Gelüste des Magens vervielfacht. Aus Platzmangel teilt sich der erste Kreis den Raum mit dem Zweiten, den Kassen, was dazu führt, dass die hektischen Seelen beider Kreise einander ständig ausweichen müssen – ein gerade bei Suppen höchst gefährliches Unterfangen.

Weiter geht es mit der Wahl zwischen den Speisesälen, oben oder unten, die Kreise drei und vier. Beide sind mit einer boshaften Spiegelkonstruktion versehen, die es dem Besucher unmöglich macht, dem Anblick seiner eigenen Völlerei zu entkommen. Unten kommt der Entzug des Tageslichts hinzu, ersetzt durch erbarmungsloses Kunstlicht.

Begibt man sich zurück aus den Tiefen des unteren Speisesaals, trifft man an der südlichen Treppe auf den Läuterungsberg. Hier bewegen sich zwei entgegengesetzte Ströme die Treppen herauf und herunter, während sie zugleich durch den Damm der Wartenden an der Tablettabgabe gestaut werden. Trotz allem findet sich hier Hoffnung, weil viele dem Ausgang entgegenstreben. Schritt für Schritt reinigt die einsetzende Sättigung von den Torturen des leeren Magens.

Wieder einmal dem Elend entronnen, schaut ein jeder mit Erleichterung zurück auf seine Reise und dankt dem Platzmangel, dass nicht alle sieben Höllenkreise aus Dantes Komödie in die Räumlichkeiten der Mensa passen.

 

Benedikt Wurdack, 18, Rechtswissenschaften

 

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