Bild: Dennis Skley/Flickr

Die HU-Spitze wird weiblicher: Für das Vizepräsidium für Haushalt, Personal und Technik bewerben sich zwei Frauen und stellten sich am Dienstag den Fragen des Konzils. Die eine Kandidatin kennt HU und Verwaltung, die andere bringt Unternehmergeist. Und beide bekennen sich zum Kindergarten Humbolde.

Nacheinander stellten sich die Kandidatinnen dem Konzil vor und beantworteten Fragen – eine Prozedur von jeweils 45 Minuten. Die erste Kandidatin, Dr. Angela Walter (53) ist ein Kind der HU: Sie studierte hier Mathe und Physik auf Lehramt, war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin und promovierte 1989 in Hochschulpädagogik. Anschließend arbeitete sie bis 2008 in verschiedenen Positionen der HU-Verwaltung und baute das Prüfungssystem Agnes mit auf. Nun leitet sie eine Abteilung in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Ihr Fachgebiet: Hochschulentwicklung – also genau das, was die HU nötig hat.

Vor allem finanziell braucht die HU eine Perspektive, da 2017 die Exzellenzinitiative ausläuft. Walter nannte vier Optionen: Geld über die Programme einwerben, die der Exzellenzinitiative folgen, auslaufende Professuren einsparen, weitere Drittmittel einnehmen und schließlich Verbundforschung betreiben, also als Uni mit anderen Forschungseinrichtungen kooperieren.

Auch die zweite Kandidatin setzt auf die Zeit nach der Exzellenzinitiative: Prof. Swantje Heischkel (43) ist Kanzlerin der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und weiß, dass nach 2017 auch die Fachhochschulen vom Bund berücksichtigt werden wollen. Deshalb solle sich die HU schon jetzt auf die nächste Initiative vorbereiten. Heischkel studierte BWL an der FU und gründete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Viadrina Universität in Frankfurt/Oder ein eigenes Unternehmen, später übernahm Heischkel eine Professur für Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement in Baden-Württemberg.

In ihrer jetzigen Position als Kanzlerin in Leipzig verwaltet sie nach eigener Angabe ein Budget von 30 Millionen Euro. Zur HU-Finanzierung habe sie „kein fertiges Konzept in der Tasche, aber Methodenwissen.“ Die HU sei als Mittelempfänger ohnehin in der Konsolidierung eingeschränkt. „Das wird eine politische Diskussion“, sagte Heischkel und versprach: „Ich werde mich schnell in der Hochschulpolitik vernetzten.“

Die HU-Verwaltung ist für beide Kandidatinnen ein Top-Thema. Für Walter ist die Fakultätsreform, nach der der Haushalt auf Fakultäten aufgeteilt wird, ein „moderner Weg“. Wird Walter Vizepräsidentin, möchte sie in den Neuverhandlung der Hochschulverträge mit dem Land Berlin diese und eine weitere besondere rechtliche Situation der HU beachten.

Anders als an der FU und TU hat an der HU nämlich nicht ein Kanzler die Hoheit über den Uni-Haushalt und die komplette Verwaltung. Hier teilen sich die Vizepräsidenten diese Kompetenz – und davon gibt es je einen für Studium und Internationales; für Forschung; und eben für Haushalt, Personal und Technik. Präsident Jan-Hendrik Olbertz plante im vergangenen Jahr die Einführung eines Kanzlers an der HU – erfolglos, denn das Konzil lehnte seinen Vorschlag im November ab.

Genau so eine Kanzlerposition hat Heischkel bisher an der HTWK Leipzig inne. Sie betonte gegenüber dem Konzil, dass sie sich des geringeren Spielraumes als Vizepräsidentin bewusst sei. Weitere Pläne hat Heischkel in der Personalentwicklung, den Hochschulbauten und der EDV. Hier kommt möglicherweise eine neue Verwaltungssoftware. Für die sächsischen Hochschulen begutachtete Heischkel bereits die Anbieter, kennt Vor- und Nachteile. Auch Walter möchte die Datenverarbeitung verbessern: Sie plant, auch Fakultätsleitungen in der HU-Zentrale vorhandene Daten zu geben und Verwaltungsprozesse besser zu dokumentieren.

Doch was versprechen die Kandidatinnen den Studierenden? Beide bieten Zusammenarbeit und bekennen sich zum studentisch geführten Kindergarten Humbolde: „Die Studierenden sind die größte Gruppe und sie bringen am meisten Geld“, sagte Walter. Und Heischkel betonte: „Selbstverständlich sind die Studierenden eine Statusgruppe, die als Stakeholder zu hören ist.“

Nach der Vorstellung tagte das Konzil hinter geschlossenen Türen. Die Wahl der Vizepräsidentin findet am 5. Mai statt. Derzeit hat der Physiker Prof. Recardo Manzke das Amt kommissarisch inne. Im Juli steht eine weitere Personalentscheidung an: Nach dem Rücktritt von Jan-Hendrik Olbertz wird der HU-Präsident neu gewählt. Auch hier wird die Entscheidung möglicherweise wieder zwischen zwei Kandidatinnen fallen, damit das Präsidium paritätisch besetzt ist.

1 KOMMENTAR

  1. […] Walter galt als HU-interne Kandidatin, da sie bereits in verschiedenen Positionen der HU-Verwaltung gearbeitet hatte. Derzeit leitet sie eine Abteilung in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Heischkel ist Kanzlerin der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und wird diese Position nach dem Rückzug ihrer Kandidatur für das HU-Vizepräsidium behalten. Beide Kandidatinnen hatten vergangene Woche ihre Pläne vor- und sich den Fragen des Konzil gestellt. […]

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