Luftzug
Geschrieben von Héla Hecker (25, Kulturwissenschaft, HU Berlin)
Berlin, 11. Juli 2012
I.
Mein Großvater verbrannte die Tagebücher meiner Großmutter nachdem sie starb. Sie schrieb ihr ganzes Leben lang, an jedem Morgen und an jedem Abend. 1961 kam sie aus Westberlin nach Ungarn und nahm ihr Radio, Goldschmuck, ihre Jugendstil-Möbel und ihren Wiener Flügel in ein kleines ungarisches Dorf mit. Da war ihr Mann Pfarrer. In ihrem ersten gemeinsamen Haus stritten sie sich darüber, auf welcher Höhe die Mucha-Bilder hängen sollten. Die Nägel, die meine Großmutter tagsüber in die Wand haute, zog mein Großvater mit der Zange in der Nacht heraus.
Haus im April
Geschrieben von Rebecca Drutschmann (21, Germanistik und Physik auf Lehramt)
Berlin, 11. Juli 2012
Ich schaue aus dem Fenster und die Idylle starrt mit grünen Augen zurück. Gefiederte Büsche, lautstarke Bäume, schwankendes Gras. Die weißliche Sonne fasst auf die Blätter vor mir. Leer.
Rechts auf dem Schreibtisch steht ein Wasserglas mit Kalkrand. Algen schweben darin. Ich frage mich, wie sie dahin gekommen sind. Und ob ich ihre Sporen schon getrunken habe. Abiogenese.
Es läuft weiter
Geschrieben von Elena Bach (23, Physik an der TU Berlin)
Berlin, 11. Juli 2012
ich zog am letzten januarsamstag nach berlin, stapelte kisten in meinem zimmer, verliebte mich noch am ersten tag in gudrun, die ein stockwerk unter mir wohnte und ging am abend mit jogginghose und mütze schlafen. als es wieder kälter wurde brachte stephan sich um, und dazwischen war auf einmal der sommer gewesen.


