Projektbeschreibung

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Geteilte Einsichten

Die Tage vergehen und die unauf-Redaktion eilt von einem Gespräch zum nächsten. Die Gruppe teilt sich auf, seek denn anders ist der immer voller werdende Terminplan nicht zu bewältigen. Kreuz und quer geht es durch die Stadt. Ob Klinikdirektorin, view Feuilletonist oder NGO-Aktivistin sie alle haben so nun gemeinsam, pill in Budapest von der unauf interviewt worden zu sein. Die Mittagspause fällt aus, denn postwendend geht es weiter zum Medienrat. Viel gehört hatten wir schon von Journalisten – sie werden von dieser Behörde kontrolliert. Doch natürlich wollten wir auch die offizielle Seite befragen. Pressesprecher Dr. Ocskó stand ausführlich Rede und Antwort – und betonte, dass bislang noch kein einziger Journalist von seiner Behörde verfolgt wurde.

(Für eine Großansicht der  Eindrücke der letzten zwei Tage bitte auf die Fotos klicken und Galerie öffnen – darunter geht es weiter mit dem Bericht)

Erstmals über die Donau (von Pest nach Buda) führte dann unser Weg – und zwar ins Büro von András Dési, Ressortleiter der Tageszeitung Népaszabadság. Zunächst hätte man meinen können, dass er Dr. Ocskós Ruhe teilt: Niemand in seiner Redaktion lasse sich in der journalistischen Arbeit vom Mediengesetz beirren. Jedoch: „Das Gesetz hängt über uns wie ein Damoklesschwert. Keiner weiß, was noch kommen kann.“

Unsere unermüdliche Kultur-Redakteurin Daniela hat sich  anschließend und auch am heutigen Tage weiter in der Literatur- und Theaterszene getummelt. Gestern traf sie sich mit dem Kulturjournalisten Péter Urfi und danach mit dem Schriftsteller István Kemény. Nachmittags beobachtete sie eine Demo gegen die Berufung der Neonazisten Dörner und Csurka an das „Neue Theater Budapest“ (darüber berichtete u.a. schon die Tagesschau). Gestern hatte der weltberühmte Dirigent Christoph von Dohnányi aus Protest gegen diese Entscheidung des Budapester Oberbürgermeisters sein Konzert in der Stadt abgesagt. Dohnányi war Chefdirigent des renommierten NDR-Sinfonieorchesters und ist Ehrendirigent der Londoner Philharmonie. Seine Absage hat besondere Symbolkraft, denn er hat ungarische Wurzeln.

Eine besonders ruhige und klare Analyse der ungarischen Gesellschaft lieferte uns Kathrin Lauer, als dpa-Redakteurin für Ungarn und Rumänien eine der wenigen deutschen Berichterstatter im Land. Zum Tagesabschluss hat uns Milán Rósza über sein Engagement als führender Kopf der GL BT-Bewegung (Bewegung der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen) in Ungarn berichtet.

Weiter geht es morgen am ungarischen Nationalfeiertag, wenn sich die unauf für euch die Großdemonstration für Pressefreiheit anschaut. Die Weiterfahrt in Richtung Pécs und Szeged wird dann das arbeitsreiche Wochenende beschließen.

Geschrieben von Christian Meckelburg, Daniela Sophie Michel, Caspar Schwietering, Leonard Wolckenhaar

Im Original veröffentlicht: Budapest in der Dämmerung, 22. Oktober 2011