Generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Gabriel Rinaldi plädiert für mehr Sicherheit und Klimaschutz, Tim Stripling argumentiert dagegen und wünscht sich mehr Rücksicht für den deutschen Autofahrer. UnAuf-Chefredakteure im Diskurs

 

Gegen jeden Menschenverstand

Deutschland ist die einzige Industrienation der Welt ohne ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Das sinnlose Rasen muss beendet werden. Denn: Sicherheit ist wichtiger als Fahrspaß. Die Politik schlägt sich auf die Seite der Lichthupen-Fraktion und gefährdet damit den Otto-Normal-Mobilisten. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte kürzlich, ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern sei gegen jeden Menschenverstand.

Ja, Deutschlands Autobahnen gelten im internationalen Vergleich als relativ sicher. Und trotzdem kam es 2017 zu 21.000 Unfällen mit 6.000 Schwerverletzten und 400 Toten. Hauptursache: zu schnelles Fahren. Das sind 400 Tote zu viel. Auf Abschnitten mit Tempolimit kommen fast 50 Prozent weniger Menschen ums Leben als auf Abschnitten ohne Begrenzung. Das ist keine Einschränkung der Freiheit, sondern eine Verbesserung der Sicherheit. Ein Tempolimit wäre auch ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die globale Erwärmung. Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe würde ein Limit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen bis zu fünf Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Denn: Wer rast, verbraucht mehr Sprit und stößt mehr klimaschädliche Schadstoffe aus. Das stumpfe Durchdrücken des Gaspedals und die irrwitzige Raserei scheinen manchen Autofahrern wichtiger zu sein als die Zukunft unseres Planeten. Das hat nichts mit deutscher Identität zu tun, sondern zeugt vom apathischen Egoismus mancher Auto-Machos und erinnert an die ähnlich emotional und kontra-faktisch geführte Debatte um Waffenverbote in den USA.

“Sicherheit ist wichtiger als Fahrspaß”, meint Gabriel Rinaldi

Wer seine bürgerlichen Freiheiten ausschließlich über das sonntägliche Rasen auf der A13 ausleben kann, sollte mal einen Gang zurückschalten und in anderen Lebensbereichen nach Selbstverwirklichung streben. Ja, die Autoindustrie gehört zu Deutschland. Aber wie der Rest der Welt vormacht, funktionieren deutsche Autos auch bei 130 Stundenkilometern ganz gut.

Schneller voran geht es auch nicht wirklich: Die Zeitersparnis bei 100 Kilometern mit 180 statt 130 beträgt satte 13 Minuten. Baustellen und Staus sind nicht eingerechnet. Auf andere Autofahrer dicht aufzufahren und einen Unfall in Kauf zu nehmen, um 13 Minuten zu sparen – das ist gegen jeden Menschenverstand. Wer rasen möchte, soll am Wochenende auf die Rennstrecke.

Gabriel Rinaldi

Denn: Die Autobahn gehört nicht nur den Rasern in ihren teuren Sportwägen, sondern auch denjenigen, die in ihrem Kleinwagen eine LKW-Kolonne überholen wollen. Wer schon auf österreichischen oder französischen Autobahnen gefahren ist, wird es bestätigen: Ein Tempolimit macht das Autofahren entspannter und sicherer.

 

Mit Herz und Verstand gegen grüne Spaßbremsen

Nach der Dieselpanik haben die Links-Grünen im Land ein neues Dogma für sich entdeckt: das Tempolimit. Das ist auch kaum verwunderlich. Ist es doch alt bekannte Doppelmoral, Toleranz und Selbstentfaltung einzufordern, den deutschen Autofahrer aber zur Selbstkasteiung zu nötigen. Dabei wehren sich sowohl Herz als auch Verstand gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Zunächst sollten dem ideologiegetränkten Kampf der Links-Grünen gegen den deutschen Autofahrer einige Zahlen entgegnet werden. Auf eine Milliarde (!) gefahrene Autobahnkilometer sterben in Deutschland jährlich nur 3 Menschen. Bei unseren europäischen Nachbarn müsste diese Zahl niedriger sein – schließlich haben sie doch ein Tempolimit! Oder, liebe Autohasser, stimmt die Rechnung Tempolimit = sicherere Straßen am Ende gar nicht? In Österreich liegt die Zahl bei über 4, in Belgien bei 5 Toten auf eine Milliarde Autobahnkilometern. Wie war das mit dem sichereren Autofahren?

Auf deutschen Landstraßen sterben durchschnittlich mehr Menschen als auf Autobahnen. Warum führen wir kein Tempolimit ein? Ach, Moment. Gibt es mit 100 km/h ja schon. So zeigt dieses Beispiel, dass nicht Tempolimits, sondern breite, gut ausgebaute Fahrbahnen die Lösung sind. Genau das macht unsere Autobahnen zu den sichersten Europas – auch ganz ohne unsinniges Tempolimit.

Beim Klimaaspekt mögen die Tempolimit-Befürworter auf den ersten Blick einen Punkt haben. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die fünf Millionen eingesparten Tonnen CO2 jedoch als Augenwischerei. Stehen sie doch den 115 Millionen Tonnen CO2 gegenüber, die der Autoverkehr in Deutschland jährlich produziert.

“Freie Fahrt für freie Bürger”, fordert Tim Stripling

Während der Verstand gegen ein Tempolimit spricht, tut es das Herz erst recht. Wir sind eine freiheitsliebende Nation mit einer langen Automobilgeschichte. Die Autoindustrie ist das Zugpferd unserer deutschen Wirtschaft. Ihre Produkte bescheren Millionen Menschen tagtäglich viel Freude und pure Emotion. Autofahren ist eine Herzensangelegenheit, die nicht gerade dann zur vollen Entfaltung kommt, wenn man nicht deutlich schneller fahren kann als der Flixbus neben einem.

Tim Stripling

Die Autobahn gehört nicht nur den Kleinwägen auf der rechten Spur, sondern auch den Autoliebhabern, die auf der linken Spur eine ihrer letzten Freiheiten genießen wollen. Das „Wundermittel“ Tempolimit entpuppt sich bei näherem Hinsehen als weitere Schikane im Kampf gegen den deutschen Autofahrer. Mit Herz und Verstand fordere ich deshalb: Freie Fahrt für freie Bürger!

In der Kolumne “Meinungen” diskutieren Mitglieder der UnAuf-Chefredaktion aktuelle Themen und beleuchten Debatten, die Deutschland bewegen.