Im Dezember 2018 traf sich die Welt zum 24. Mal, um gemeinsam über den Umgang mit dem Klimawandel zu verhandeln. Maren Krude war als Freiwillige des Hilfswerkes Misereor vor Ort

Vor mittlerweile drei Jahren wurde in Paris das „Weltklimaabkommen“ verabschiedet – und mit großer Hoffnung das 1,5 Grad-Ziel anvisiert. Im polnischen Katowice sollte nun das 2017 in Bonn begonnene „Regelbuch“ fertig gestellt werden. Konkrete Handlungsanweisungen sollen darin das Erreichen der Pariser Klimaziele doch noch ermöglichen.

Verschiedene europäische NGOs haben sich über CIDSE (International Cooperation for Development and Solidarity) vernetzt und insgesamt 100 Freiwillige zur Klimakonferenz geschickt, um für Klimagerechtigkeit und einen nachhaltigen Lebensstil zu werben. Als Freiwillige von “Misereor” war ich fünf Tage vor Ort. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen haben wir Interviews mit Teilnehmenden geführt und gegeben, uns mit Delegierten ausgetauscht und europaweit mit Aktivist*innen vernetzt.

Wo Klimawandel kein abstrakter Begriff mehr ist

Die Verzweiflung über die aktuellen Verhältnisse war deutlich zu spüren – besonders bei Delegierten aus dem globalen Süden. So erzählten uns zwei Frauen aus Malawi und Zambia, bei einem Aufeinandertreffen am Rande der Klimakonferenz, dass Klimawandel für sie kein abstrakter Begriff mehr sei, sondern bittere Realität. Ganze Städte seien aufgrund von Wassermangel nun unbewohnbar und Ernteausfälle erschweren das Leben. Die beiden Länder sind dabei keine Ausnahmen, wie die ständigen Berichte von Wetter- und Hungerkatastrophen überall in der Welt verdeutlichen.

Die Frauen wollten in Polen ausreichend finanzielle Hilfe zugesichert bekommen – um Schäden in ihrer Heimat zu lindern und neue zu verhindern. Doch ihnen war auch bewusst, dass sie mächtige Gegner mit entgegengesetzten Interessen haben. Unter ihnen: das Gastland Polen.

Klimakonferenz im Kohlegebiet

Nicht zuletzt die Ortswahl für die Klimakonferenz verlieh Polens Interessen Ausdruck: Katowice  liegt inmitten eines Kohlegebietes. In der ganzen Region ist ein Großteil der Arbeitsplätze abhängig vom Kohleabbau. Während eines Besuches in der ehemaligen Kohle Arbeitersiedlung machten die lokalen Führer*innen darauf aufmerksam, dass die Existenzsicherung vieler Familien mit einem Kohleausstieg auf dem Spiel stehe.

Werbung für  Nachhaltigkeit und einen Kohleausstieg trifft hier auf wenig Resonanz – und das obwohl Katowice zu einer der schlimmsten europäischen Smog-Städten zählt. Beim sogenannten „Climate March“ am 08.12.18 gingen gerade einmal 4000 Menschen auf die Straße – trotzdem gab es nach Aussagen eines polnischen Klimaaktivisten noch nie eine größere Klima-Demonstration in der Region. Ungefähr genauso viele Polizist*innen wie Zivilist*innen überwachten die gesamte Demonstration teilweise schwer bewaffnet. Wir wollten friedlich für Klimagerechtigkeit demonstrieren, haben uns aber durchgängig unerwünscht gefühlt.

Zu viel bleibt ungeklärt

Am Ende der Verhandlungen wurde tatsächlich ein Regelbuch verabschiedet. Dass die einzelnen Weltregionen ihre Interessen unterschiedlich gut durchsetzen konnten, ist darin klar erkennbar. Ländern, die bereits die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen, wurde noch immer keine  verpflichtende finanzielle Hilfe zugesagt. Zwar konnte ich viele Menschen treffen, die sich leidenschaftlich für Klimaschutz einsetzen, die Hoffnungslosigkeit angesichts des Zeitdrucks und dem schleppenden Vorankommen war bei ihnen aber deutlich spürbar: Zu viel ist wieder einmal ungeklärt geblieben, zu wenig Engagement wurde gezeigt.

Viel neue Hoffnung hat die Klimakonferenz 2018 wieder nicht gebracht. Wie jedes Jahr bleibt die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann.

 

Autorin: Maren Krude

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