Damsel: Leicht feministisch im Abgang

Eine felsige Küste, die Wellen toben und die Sonne versinkt im Nebel. Am Horizont kämpft sich ein kleines hölzernes Paddelboot mühsam in Richtung Ufer. Eigentlich nicht das passende Wetter um auf hoher See unterwegs zu sein. Doch für den waghalsigen Samuel Alabaster ist auf der Suche nach seiner Geliebten keine Welle zu hoch.

 

Der Westernfilm Damsel zieht, prominent besetzt mit Robert Pattinson und Mia Wasikowska, in den Wettbewerb um den Goldenen Bären. Auch wenn in dem Film der Brüder David und Nathan Zellner ausreichend Cowboyhüte, Pferde und Revolver eingesetzt werden, handelt es sich nicht um einen Western Klassiker á la Django Unchained.

Samuel (Robert Pattinson) ist auf einer Mission: Seine Geliebte Penelope (Mia Wasikowska) muss schleunigst aus der Gefangenschaft befreit und anschließend geheiratet werden. Im Gepäck hat Samuel eine ordentliche Ladung (ungewollt) trockenen Humor, seine Gitarre und das Hochzeitsgeschenk für Penelope, ein Zwergpony namens Butterscotch. Zu seiner Rückendeckung heuert Samuel den misstrauischen Parson Henry an, der ihn und Penelope nach erfolgreicher Befreiung direkt an Ort und Stelle trauen soll. Gesattelt und gespornt macht sich das ulkige Gespann auf Halunkenjagd quer durch die Wildnis Nordamerikas. Bei frisch gefangenem Fisch und Lagerfeuer trällert der liebestrunkene Samuel Lieder für seine Miss Alabaster. Parson Henry, der sich unterdessen Zigaretten aus herausgerissenen Seiten seiner Bibel dreht, ist bei der Vorstellung des anstehenden Überfalls jedoch Angst und Bange. Doch für einen Rückzieher ist es jetzt zu spät. „Ich bin nur ein Mann, der an die Liebe glaubt“, ist hier wortwörtlich Samuels Totschlagargument. Am Zielobjekt angekommen, gehen die beiden den Überfall en détail durch. Als Modell der Umgebung dient ein Stein, ein Blümchen und ein Häuflein Kot. Während Samuel den Entführer erledigt und seine hochzeitswillige Penelope befreit, soll der Pastor das glückliche Paar samt Zwergpony für die Trauung in Empfang nehmen. Soweit zumindest der Plan. Doch es kommt anders. Penelope ist bereits glücklich verheiratet und eine emanzipierte Frau, die weiß was sie will und vor allem aber, was sie nicht will: Samuel Alabaster heiraten. Statt einer Trauung gibt es nun eine Beerdigung und einen Ritt in eine ungewisse Zukunft.

Damsel spielt bewusst mit den Geschlechterklischees: Das langatmig aufgebaute Bild eines willigen Fräuleins, die erpicht auf die Rettung ihres starken Cowboys wartet, wird innerhalb weniger Sekunden auf den Kopf gestellt. „Auch die Filmwelt ist offen für neue Geschlechterrollen“, heißt es auf der Pressekonferenz zum Film. Besonders im Hinblick darauf, dass die diesjährige Berlinale mit vielversprechenden Worten zur Debatte #MeToo eröffnet wurde, hätten die feministischen Absichten der Zellner Brüder jedoch deutlicher inszeniert werden können.